Hat es sich bald ausgesummt? Seit 1989 haben wir allein in Deutschland fast 80 Prozent der Insekten verloren. Mit unseren Tipps und Tricks können Sie dabei helfen, im Garten oder auf dem Balkon Lebensraum für Insekten und weitere Arten zu schaffen – für mehr Biodiversität im Garten.

Kleiner Sonnenröschen Bläuling auf Krautsand © Peter Pauschert
Kleiner Sonnenröschen Bläuling auf Krautsand © Peter Pauschert

Ein Hauptverursacher des Insektensterbens ist die Intensivlandwirtschaft mit ihren Pflanzenschutzmitteln und Insektengiften. Außerdem verschwindet in großem Maßstab Lebensraum für Insekten: Unsere Landschaft verarmt, Hecken, Tümpel oder auch blütenreiche Grünflächen weichen Monokulturen und der Boden wird in großem Maßstab mit Asphalt und Beton versiegelt – laut Umweltbundesamt sind es in Deutschland jeden Tag rund 62 Hektar.

Parks und Gärten werden nach ästhetischen Kriterien angelegt und nicht danach bepflanzt, was für Bienen und andere Lebewesen wichtig ist – was Insekten brauchen, wird beim Garten anlegen oft vergessen. Zu viel künstliches Licht macht nachtaktiven Tieren zu schaffen. Die Folgen des massenhaften Insektensterbens sind für unser gesamtes Ökosystem und damit auch für uns Menschen dramatisch.

So können wir Schmetterlinge, Bienen, Marienkäfer & Co. schützen

Im eigenen Garten und selbst auf dem Balkon in der Stadt können wir Oasen für Insekten schaffen und damit ihren Lebensraum wieder vergrößern. Denn jeder Quadratmeter zählt! Mit diesen 13 Tipps für eine insektenfreundliche Balkon- und Gartengestaltung wird Ihr persönliches Refugium noch schöner und Sie tragen zur Artenvielfalt im Garten bei.

1. Frühblüher und Herbstblumen

Gelbbindige Furchenbiene © Florian Lauer / WWF
Gelbbindige Furchenbiene © Florian Lauer / WWF

Wenn Sie Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Blühzeiten pflanzen, genießen Sie nicht nur nahezu ganzjährig einen blühenden Garten oder Balkon, sie bieten Garten-Insekten auch über einen langen Zeitraum Nahrung. Mit Frühlingsboten wie Schneeglöckchen, Krokussen und Narzissen beginnt die Saison schon im Februar; und mit Astern, ungefüllten Dahlien, Herbst-Anemonen, Sonnenblumen oder der winterharten, mehrjährigen Fetthenne wird auch der Herbst bunt und bietet Insekten im Garten, gerade auch Bienen, eine letzte Nahrungsquelle vor dem Winter.

2. Bienenweiden statt Pflanzen ohne Nährwert

Wussten Sie, dass eine ganze Reihe von Blüten weder Pollen noch Nektar produzieren und damit Insekten keine Nahrung bieten? Dazu zählen etwa Gartentulpen, Gartenstiefmütterchen, Forsythien und typische Zierpflanzen mit gefüllten Blüten wie etwa Chrysanthemen, Stockrosen, Ranunkel oder die als Balkonpflanze beliebte Geranie.

Pflanzen Sie stattdessen (oder ergänzend) lieber eine sogenannte Bienenweide. Diese gibt es als Samenmischung zu kaufen, natürlich können Sie die Samen für Ihre Wildblumenwiese auch selbst zusammenstellen. Bienenfreundlich sind zum Beispiel Lavendel, Glockenlumen, Schafgarbe, Löwenmäulchen, Kapuzinerkresse, Kornblumen, Wilde Malve und Verbene. Großartige Bienenweiden, gerade auch für den Balkon, sind blühende Kräuter wie Salbei, Thymian, Rosmarin, Oregano oder Majoran – Sie können stets frische Küchenkräuter ernten und fördern gezielt die Biodiversität im Garten oder auf dem Balkon.

3. Schmetterlinge im Garten und auf dem Balkon

Schmetterling und Hummel © Ralph Frank / WWF
Schmetterling und Hummel © Ralph Frank / WWF

Nicht jede bienenfreundliche Pflanze ist auch für Schmetterlinge attraktiv und umgekehrt. Denn viele der bunten Falter sind aufgrund ihrer Rüssellänge an ganz bestimmte Blütenarten angepasst. Geeignete Nektarpflanzen sind beispielsweise Bartblumen, Blaukissen, Fetthenne, Lavendel, Flammenblumen, Prachtscharte, Steinkraut und Thymian. Wenn Sie ein derart vielseitiges Buffet anbieten, leisten Sie einen großen Beitrag zu mehr Artenvielfalt im Garten und Sie können sich sicherlich über viele bunte Besucher in Ihrer grünen Oase freuen.

4. Einheimische Gehölze statt Exoten

Exotische Gehölze wie Thuja oder Kirschlorbeer mögen hübsch aussehen, sie bieten Garten-Insekten jedoch kaum bis keine Nahrung und verdrängen im schlimmsten Fall die hiesige Flora. Einheimische Pflanzen wie etwa Holunder, Weißdorn, Felsenbirne, Wacholder, Wildrosen, Heckenkirsche und die früh blühende Haselnuss aber auch Pflücksträucher wie Brombeere oder Stachelbeere hingegen bieten geflügelten und gefiederten Tieren einen reich gedeckten Tisch. Der Vorteil für die oder den Gärtner:in: Einheimische Gewächse sind wichtig für die Biodiversität im Garten, in der Regel robuster als Exoten und meist winterhart.

5. Baumschnitt entsorgen: Ab in die Totholzhecke!

Braunkehlchen © Frank Gottwald
Braunkehlchen © Frank Gottwald

Obstbaumschnitt ist wertvolle Biomasse – ein Gewinn für die Artenvielfalt im Garten. Statt den Grünschnitt auf die Deponie zu bringen, können Sie einen Teil der Äste zu einer sogenannten Benjeshecke aufschichten. Das ist eine Hecke aus toten Hölzern, benannt nach dem Landschaftsgärtner Hermann Benjes. Die Benjeshecke im Garten bietet Insekten, Vögeln und Kleintieren wie etwa Igeln und Eidechsen Lebensraum und Unterschlupf im Winter, dient als Nahrung und Baumaterial. Und sie ist der ideale Standort für eine üppige Brombeerhecke, die Ihnen viele leckere Früchte schenkt.

6. Benjeshecke für den Balkon?

Auch auf kleinem Raum auf dem Balkon können Sie Insekten Unterschlupf und Nistplätze anbieten! Schneiden Sie dazu einfach markhaltige Stängel wie die von Himbeere, Brombeere, Heckenrose oder Schwarzem Holunder in lange Stücke und stecken diese senkrecht in Ihre Blumenkästen.

7. Insektenhotel selbst bauen

Insektenhotel © IMAGO / Michael Kristen
Insektenhotel © IMAGO / Michael Kristen

Viele Nistmöglichkeiten auf kleinstem Raum bieten sogenannte Insektenhotels, die je nach Bauweise einer oder verschiedenen Insektenarten ein Zuhause bieten. Aus Naturmaterialien wie etwa Reisig, Holzscheiben oder den Stängeln verblühter Blumen ein Insektenhotel selbst bauen, ist nicht schwer, wenn man ein paar Dinge beachtet. Die Arbeit lohnt sich: Es ist meist attraktiver für die Tiere als fertige Insektenhotels aus dem Handel – und günstiger obendrein. Und ein solches Projekt unterstützt aktiv die Artenvielfalt im Garten.

8. Steinhaufen oder Trockenmauer im Garten anlegen

Steine lassen sich auf vielfältige Weise für die Gartengestaltung einsetzen. Trockenmauern sind tolle Hingucker und ziehen zugleich wärmeliebende Tiere wie die Große Wollbiene oder Mörtelbiene an. Aber auch Eidechsen und Blindschleichen sonnen sich auf ihnen, Igel und Kröten finden hier ein Winterquartier. Wer weniger Platz hat, kann einfach kleinen einen Steinhaufen anlegen. Sie werden überrascht sein, wie viel Leben sich dort entwickelt – ein einfacher Weg, die Biodiversität im Garten zu erhöhen.

9. Lehm und Sand als Baumaterial

Rostrote Mauerbiene © Ola Jennersten / WWF-Schweden
Rostrote Mauerbiene © Ola Jennersten / WWF-Schweden

Viele Insekten wie etwa die Mauerbiene oder die Mauer-Lehmwespe benötigen Lehm, um ihre Nester zu bauen. Doch weil immer mehr Bodenflächen versiegelt werden, fehlt solches Baumaterial vielerorts. Eine Schale mit feuchtem Lehm findet überall Platz – und kann schon einen großen Unterschied machen. Wenn es in Ihrem Garten Raum dafür gibt, können Sie auch offene Bodenflächen anbieten. Nicht nur Lehm bietet sich hier an: In sandigen Böden finden verschiedene Wildbienenarten Platz für ihre Bruthöhlen.

10. Natürlicher Pflanzenschutz statt Chemie bei Schädlingen

Bei manchen Insekten schalten Gärter:innen instinktiv in den Angriffsmodus: Blatt- und Schildläuse gehören dazu, Weiße Fliegen, Thripse, Dickmaulrüssler und Kartoffelkäfer, aber auch einige Raupenarten wie etwa der Frostspanner, die Apfel-Gespinstmotte und der Apfelwickler. Statt Pestizide zu sprühen, die auch allen anderen Garten-Insekten den Garaus machen und obendrein auch für uns Menschen nicht gerade bekömmlich sind, können Sie die Schädlinge auf natürliche Weise in den Griff bekommen. Da gibt es zum einen biologische Hilfsmittel, die von Seife über Kaffee und Pflanzenöl bis zur Brennnesseljauche reichen. Oder Sie überlassen die Arbeit den natürlichen Fressfeinden der Schädlinge und setzen Ohrwürmer, Schlupfwespen, Marienkäfer oder Wanzen aus.

11. Biotop mit Zen-Effekt: Gartenteich anlegen

Eichhörnchen trinkt am Teich © GettyImages
Eichhörnchen trinkt am Teich © GettyImages

Für einen Teich braucht man viel Platz? Ein Teich macht viel Arbeit? Stimmt nicht! Auch ein kleiner Teich ist ein echtes Biotop für viele Insektenarten und dank Fertigbausätzen oder DIY-Anleitungen lässt sich der Miniteich kinderleicht selbst anlegen. Toller Nebeneffekt: Die Wasserfläche sorgt an heißen Tagen für einen angenehmen Temperaturausgleich im Garten. Und wenn Sie einen kleinen Solar-Springbrunnen in Ihren Gartenteich setzen, schaffen Sie auch für sich selbst eine echte Zen-Oase, mit der Sie die Artenvielfalt im Garten fördern.

12. Wildwuchs statt Rasenmähen

Ein schöner Garten macht viel Arbeit, so viel steht fest. Manche Arbeiten kann man sich jedoch sparen – zumindest teilweise. Wenn Sie hier und da etwas Wildwuchs zulassen und einen Teil der Wiese nicht oder erst später mähen, bietet das Insekten zusätzlichen Lebensraum und Sie tragen aktiv zur Biodiversität im Garten bei.

13. Umweltverträgliche Beleuchtung

Mondschein © Peter Jelinek
Mondschein © Peter Jelinek

„Nachtaktive Insekten leisten einen wichtigen Beitrag im Ökosystem, sie sind jedoch sehr lichtempfindlich. Von künstlichen Lichtquellen werden sie irritiert, angelockt und geblendet. Sie verlieren ihre Orientierung und verenden oft vor Erschöpfung. Milliarden von Insekten verlassen hierbei ihren eigentlichen Lebensraum und können nicht mehr der Nahrungs- und Partnersuche nachgehen.“ Das stellt die Bundesregierung in ihrem Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm Insektenschutz fest. Zugleich sind Tiere wie Fledermäuse, Igel, Amphibien und auch Vögel auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen. Zugvögel ziehen hauptsächlich in der Nacht. Starke Kunstlichtquellen bringen sie vom Weg ab.

Eine gutes Lichtkonzept im Garten hilft nicht nur nachtaktiven Garten-Insekten, sondern auch der eigenen Gesundheit. Sie werden feststellen, dass sich auch Ihre Wahrnehmung verändert. Die menschlichen Augen sind nämlich ungemein anpassungsfähig an verschiedene Lichtsituationen. Mit ein wenig Glück und nicht zu viel Streulicht in Gartennähe sehen Sie mehr Sterne und finden wahrscheinlich besseren Schlaf.

Diese einfachen Regeln helfen Ihnen, die Beleuchtung im Garten oder auf dem Balkon insektenfreundlich anzupassen:

  • zielgerichtet beleuchten,
  • die Lichtmenge reduzieren,
  • Blautöne vermeiden,
  • die Farbtemperatur bernsteinfarben oder warmweiß wählen
  • und nur bedarfsorientiert beleuchten.

Bei Ihrer Beleuchtung können Sie viel erreichen, wenn Sie Wandleuchten benutzen, welche das Licht nur nach unten abstrahlen und Strahler/Fluter horizontal montieren und nach unten ausrichten. Statt Laternen sollte man gerichtete Leuchtmittel wie Reflektor- und Kopfspiegellampen verwenden. Eine Lichtstrommenge von 100 Lumen pro Lampe ist völlig ausreichend. So schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre für Sie und alle Lebewesen in Ihrer grünen Oase.

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