Ein kurz gemähter, auf Ordnung getrimmter Rasen ist ökologisch eine Wüste. Doch mit strukturreichem Grün und Wildblumenwiesen verwandeln Sie freie Flächen in Ihrem Garten in ein Paradies für Insekten, Vögel und Kleintiere. Im Naturgarten gilt: Weniger Mähen, mehr Leben.

Pflanzen in der Natur sammeln © GettyImages
Pflanzen in der Natur sammeln © Halfpoint / iStock / GettyImages

Eine monotone Rasenfläche mit kurz geschorenem Gras lässt sich im Naturgarten mit einigen Handgriffen in eine artenreiche Wildblumenwiese verwandeln. Denn zwischen den Gräsern schlummern schon die Wildpflanzen. Sie warten nur darauf, nicht heruntergemäht zu werden und ihre volle Schönheit  in Ihrem Garten entfalten zu können.

Je nach Region, Bodenbeschaffenheit und vorheriger Pflege und Düngung der Rasenfläche verbergen sich in ihr ganz unterschiedliche Pflanzenarten: von der Kleinen Braunelle und dem Gundermann bis hin zum Wiesen-Schaumkraut.

Um diese Wildkräuter im Garten besonders zu fördern, hilft eine gezielte Mahd (das Mähen) während der Grasblüte im Juni. Dadurch werden die schnellwachsenden Gräser zurückgedrängt und die Wildkräuter bekommen mehr Licht zum Wachsen. Wenn Sie sich unsicher sind, was Ihnen auf Ihrem Rasen beim „Wachsen-Lassen“ blüht, probieren Sie es doch erst einmal in einem kleinen Teilbereich aus.

Oder lieber eine richtige Blühwiese?

Schöne Wiese mit wilden Blumen
Eine Biene sammelt Nektar © pilipphoto / iStock / Getty Images

Wer eine Blühwiese mit Wildblumen im Garten anlegen möchte, sollte am besten eine vielfältige Mischung mit geringem Anteil an Kulturarten verwenden. Aber was sind eigentlich Kulturarten? Darunter versteht man Pflanzen, die entweder in unseren Breiten nicht beheimatet sind oder vom Menschen kultiviert oder durch gezielte Züchtung verändert wurden.

Für eine insektenfreundliche Blühwiese im Naturgarten verwenden Sie am besten so genanntes Regiosaatgut. Denn selbst unter den heimischen Arten gibt es zum Teil große regionale Unterschiede. Stammt das Saatgut jedoch aus derselben Region, in der es auch ausgebracht werden soll, dann ist gewährleistet, dass die Pflanzen bestens angepasst sind an die jeweils vorherrschenden Standortbedingungen, etwa an Wasserbedarf oder Bodenart.

Gute Vorbereitung ist der Schlüssel zu einer artenreichen Blühwiese

Beim Anlegen einer Blühwiese im Garten gilt es, einige Schritte zu beachten. Die eigentliche Arbeit beginnt nämlich noch vor der Aussaat. So benötigt die Fläche, die sich in eine Blühwiese verwandeln soll, eine gute Vorbereitung: Ideale Startbedingungen bietet den Wildpflanzenkeimlingen ein sauberes Saatbett. Dafür sollte der Boden zum Beispiel mit einer Gartenfräse umgebrochen werden. Wichtig ist, dass die Grasnarbe fünf bis zehn Zentimeter tief entfernt wird. Die Fläche sollte nun einige Tage ruhen, damit etwaige noch verbliebenen Pflanzensamen keimen können.

Eine Blühwiese bietet nicht nur im Frühjahr/Sommer Nahrung und Lebensraum für Insekten © ernstboese Getty Images iStockphoto
Eine Blühwiese bietet nicht nur im Frühjahr/Sommer Nahrung und Lebensraum für Insekten © ernstboese Getty Images iStockphoto

Nach etwa zehn Tagen sollte der Boden erneut umgebrochen werden, um die auflaufenden Pflanzen zu zerstören. Zugegeben: Das klingt hart. Aber nur so haben die weniger durchsetzungsfähigen Wildpflanzenkeimlinge eine Chance, nicht von den bereits vorkommenden Arten überwuchert werden. Je mehr Sorgfalt Sie in diese Vorbereitung stecken, desto weniger Arbeit werden Sie später bei der Etablierung der Blühwiese in Ihrem Naturgarten haben. Nachdem der Boden sich gesetzt hat, sollten Sie mit Rechen oder Egge eine feinkrümelige Fläche schaffen. Nun ist der Boden vorbereitet für den nächsten Schritt.

Mit der Aussaat können Sie ab März/April beginnen. Wichtig ist, dass die Samen mindestens drei Wochen am Stück ausreichend Feuchtigkeit bekommen. Gegebenenfalls müssen Sie die Fläche nach der Ansaat gezielt bewässern, da die Frühjahre immer trockener werden. Wer Wasser sparen möchte, kann die Aussaat auch in den Spätsommer (August bis September) verlegen. Die Feuchtigkeit über den Herbst reicht dabei aus, um die Keimung zu initiieren. Die Keimlinge der Wildkräuter sind zudem robust genug, um den Winter unbeschadet zu überstehen.

„In einer Zeit, in der die natürliche Vielfalt bedroht ist, können wir alle einen Beitrag leisten, um das Überleben von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten zu sichern.“

Dr. Peter Weißhuhn, Projektleiter Insektenschutz – WWF Deutschland

Ökologisch wertvolle Wiesen brauchen Geduld

Viele der Wildpflanzen sind zweijährig. Das bedeutet, sie treiben im ersten Jahr nur eine Blattrosette aus und blühen erst im zweiten Standjahr. Die meisten der Pflanzenarten brauchen einen mittleren bis geringen Nährstoffgehalt. Eine spezielle Düngung ist deshalb nicht erforderlich, oft sogar eher hinderlich.

Den Gewöhnlichen Hornklee liebt nicht nur der Hauhechel-Bläuling, zahlreiche andere Schmetterlinge und Wildbienen haben ihn zum Fressen gern. © Katsiaryna Yeudakimava iStock GettyImages
Den Gewöhnlichen Hornklee liebt nicht nur der Hauhechel-Bläuling, zahlreiche andere Schmetterlinge und Wildbienen haben ihn zum Fressen gern. © Katsiaryna Yeudakimava iStock GettyImages

Hat die Blühwiese in Ihrem Garten nach der Aussaat Fuß gefasst und die ersten Keimlinge sind zu sehen, kann es trotz guter Vorbereitung passieren, dass ungewünschte Pflanzen wie Weißer Gänsefuß (auch als Melde bekannt) die Fläche überwuchern. Damit die Keimlinge nicht eingehen, hilft eine gezielte Mahd. Mähen Sie aber nur so tief, dass die Keimlinge nicht geschädigt werden. Bei Bedarf kann dieser sogenannte Schröpfschnitt auch wiederholt werden, allerdings nur so lange, bis die angesäten Wildpflanzen zu groß werden.

Im Unterschied zum Anlagejahr, in dem vor allem eine Ad-hoc-Pflege notwendig ist, kann die Blühwiese in den darauffolgenden Jahren regelmäßig gepflegt werden. Mähen Sie dazu am besten abschnittsweise. So bleibt immer ein blühender Teil stehen, während der andere Teil nachwachsen kann. Tieren, die auf und in der Blühwiese leben, bleibt so trotz Mahd ein Teil ihrer Versteck- und Nahrungsmöglichkeiten erhalten.

Auch wenn es vielleicht schwerfällt, so beginnen Sie am besten im Juni/Juli mit der ersten Teilmahd, also mit dem Mähen eines Teils der Fläche. Damit verlängern Sie die Blühdauer auf der Fläche, da die nachwachsenden Pflanzen genug Zeit bekommen, eine zweite Blüte auszubilden. Der noch ungemähte Teil muss nicht zwangsläufig im selben Jahr gemäht werden. So können die Wildpflanzen ihre Samen ausbilden und damit zum Selbsterhalt der Blühwiese beitragen. Zusätzlich bieten solche überjährigen Strukturen Insekten Überwinterungsmöglichkeiten.

Wann sollte man Blühwiesen mähen?

Hauhechel Blaeuling (Polyommatus icarus)
Hauhechel Blaeuling © Oleg Kovtun / iStock / Getty Images

Eine ökologisch wertvolle Wiese im Naturgarten braucht einige Jahre, um sich zu entwickeln. Es ist also Geduld gefragt. Zwar locken auch die ersten Blüten bereits Besucher an. Doch bis zu den richtig zahl- und artenreichen Stelldicheins vergeht etwas Zeit.

Zu den Blühwiesen-Besuchern gehören vor allem Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer. Wenn Sie etwas Glück haben, gehört auch der Hauhechel-Bläuling zu ihnen. Er fliegt bevorzugt die Blüten des Gewöhnlichen Dost oder der Wiesen-Flockenblume an. Für seine Raupen favorisiert er hingegen besondere Nahrungspflanzen wie den Gewöhnlichen Hornklee.

Zu den am häufigsten gestellten Fragen gehört die nach der besten Zeit, um eine Blühwiese zu mähen, ohne Insekten zu stören. Doch gerade dies lässt sich so leicht nicht beantworten, da sich Insekten über mehrere Stadien hinweg entwickeln und oftmals in mehreren Generationen pro Jahr auftreten. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Insektenarten auch zu unterschiedlichen Zeiten in den jeweiligen Entwicklungsstadien stecken. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie nicht alles auf einmal mähen, damit einige Tiere überleben und ihre Entwicklung abschließen können.

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