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Stand: 25.03.2019

So können Sie Insekten helfen

Hat es sich bald ausgesummt? In vielen Gebieten haben Forscher festgestellt, dass drei von vier Käfern, Bienen und Schmetterlingen in den letzten 30 Jahren verschwunden sind. Ein Hauptverursacher ist die industrielle Landwirtschaft. Insekten haben es aber auch immer schwerer, weil unsere gesamte Landschaft verarmt – Lebensräume wie Hecken, Tümpel oder blütenreiche Grünflächen weichen Monokulturen oder Asphalt und Beton.

Schmetterlinge auf Heil-Ziest-Blüte © Ralph Frank
Schmetterlinge auf Heil-Ziest-Blüte © Ralph Frank

Um das zu ändern, setzt sich der WWF auf der politischen Ebene für eine bessere Landwirtschaft ein. Zugleich können aber auch wir alle etwas gegen das Insektensterben tun – im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon:

1. Bieten Sie ein großes Pflanzen-Büfett, um möglichst viele verschiedene Insekten anzulocken. Pflanzen Sie Frühblüher wie Krokusse und Narzissen und setzen Sie zum Beispiel Hornklee, Himbeere, Kornblume, Malve, Akelei oder Brennnessel. Auch blühende Kräuter wie Salbei, Thymian und Lavendel sowie heimische Rosen ziehen Insekten magisch an. Wichtig: Bevorzugen Sie heimische (Wild-)Pflanzen. Und lassen Sie möglichst das ganze Jahr über etwas blühen.

2. Pflanzen Sie heimische Gehölze wie Salweide oder Weißdorn, einen Vogelbeerbaum oder auch mal einen Sommerflieder, auf den besonders Schmetterlinge fliegen.

3. Verzichten Sie auf Pestizide und schützen Sie Ihre Pflanzen natürlich. Blattläuse zum Beispiel sind eine prima Nahrung für Marienkäfer.

4. Verzichten Sie auf exotische Pflanzen wie Thuja und Kirschlorbeer, die für Insekten uninteressant sind.

5. Lassen Sie Totholz im Garten, denn darin finden Insekten einen idealen Unterschlupf. Die Tiere können das Altholz außerdem als Nahrung und Baumaterial verwenden.

6. Legen Sie einen Steinhaufen an, in dem sich Insekten wie die Große Wollbiene oder Mörtelbiene verstecken können.

7. Bieten Sie feuchten Lehm in einer flachen Schale an. Viele Insekten wie die Mauerbiene benötigen ihn, um ihre Nester zu bauen.

8. Legen Sie einen Miniteich an.

9. Bauen Sie eine Benjeshecke aus abgeschnittenen Zweigen, wenn Sie genügend Platz haben. Sie lockt viele Insekten an, die hier überwintern können.

10. Bieten Sie markhaltige Stängel wie die von Himbeere, Brombeere, Heckenrose oder Schwarzem Holunder als Nistplätze an. Einfach die Stängel in lange Stücke schneiden und senkrecht an einen Zaun oder einem anderen Ort befestigen.

11. Bauen Sie ein Insektenhotel – für mehrere Insekten oder nur eine Art. Als Baumaterial eignen sich verschiedene Naturmaterialien wie zum Beispiel Reisig, Holzscheiben und Bambusrohre.

Jeder zweite Privathaushalt in Deutschland besitzt laut ARD einen eigenen Garten. Insgesamt gibt es in Deutschland 17 Millionen. Wären sie alle naturnah angelegt, können wir das Leben der Insekten schon erheblich verbessern.

Hintergrund: Was passiert da gerade?

Insektensterben durch intensive Landwirtschaft © Getty Images
Insektensterben durch intensive Landwirtschaft © Getty Images

Seit 1989 haben wir allein in Deutschland 76 Prozent der Insektenbiomasse verloren. In anderen Ländern Europas sieht es nicht besser aus. In der artenreichsten Tierklasse der Erde findet flächendeckend ein massives Sterben statt. Ein Hauptverursacher des Insektensterbens ist die intensive Landwirtschaft mit ihren Pflanzenschutzmitteln und Insektengiften.

Durch die Versiegelung unserer Landschaft mit Asphalt oder Beton – laut Umweltbundesamt in Deutschland jeden Tag rund 62 Hektar – verschwindet ebenfalls Insektenlebensraum.

Auch die zunehmende Nachtbeleuchtung bis in den kleinsten Gartenwinkel hinein ist für Insekten fatal. Vor allem im Sommer sterben nachtaktive Tiere an Straßenlaternen massenweise vor Erschöpfung.

Wofür der WWF sich einsetzt

Vier Fünftel aller Wild- und Kulturpflanzen werden durch Insekten bestäubt. Das bedeutet: Sie halten unsere Ökosysteme am Laufen. Und damit auch die Nahrungsmittelversorgung für uns Menschen.

 

Deshalb brauchen wir vor allem eine bessere Landwirtschaft. Eine, die der Natur nicht mehr den Krieg erklärt und endlich chemisch abrüstet. Eine, die Boden und Wasser schont sowie die biologische Vielfalt erhält.

 

Bei der Bundesregierung, EU-Parlamentariern und der EU-Kommission machen wir uns daher unter anderem für folgende Ziele stark:

 

1. EU-Agrarpolitik reformieren: Die Vergabe von Fördermitteln muss künftig an messbare ökologische Maßnahmen gebunden sein, für die Landwirte entsprechend honoriert werden. Vor allem sollten Ackerbau und Tierhaltung so umgestellt werden, dass der Artenverlust in der Agrarlandschaft gestoppt, die Belastung der Gewässer reduziert und die natürliche Bodenfruchtbarkeit wieder erhöht wird.

 

2. Ökolandbau fördern: Dessen Anteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche soll von heute 7,1 Prozent auf mindestens 20 Prozent vergrößert werden.

 

3. Pflanzenschutzmittel reduzieren: Breitband-Unkrautbekämpfungsmittel (Totalherbizide) und hochtoxische Insektengifte wie Neonicotinoide sollten stufenweise aus der Landwirtschaft verschwinden.

 

4. Mehr Vielfalt auf den Acker bringen: Durch eine breitere Fruchtfolge können die Pflanzenbestände auch in der  konventionellen Landwirtschaft gesünder und so widerstandfähiger werden. Der Druck auf Unkräuter wird reduziert. Staatliche Zahlungen für Ackerflächen sollten daher an eine vielfältige Fruchtfolge gekoppelt werden.

 

5. Böden schützen: Um ausgelaugte Böden wieder aufzubauen, muss eine bodenschonende und humusaufbauende Landwirtschaft gefördert werden.

 

6. Strukturreiche Landschaften erhalten: Natürliche Strukturen in Agrarlandschaften wie Hecken oder Tümpel sollen erhalten bleiben oder wieder hergestellt werden.

 

7. Überdüngung verringern: Aktuell gibt es auf landwirtschaftlichen Flächen durch Überdüngung laut Umweltbundesamt einen Stickstoffüberschuss von 100 Kilogramm pro Hektar und Jahr. Das ist vom Zielwert von 30 Kilogramm noch weit entfernt.

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