Der fettige Pizzakarton mit Käseresten landet im Altpapier, der Joghurtbecher wird mit Deckel in die Gelbe Tonne geworfen und Verpackungen werden platzsparend ineinander gestopft. Diese kleinen Fehler passieren häufig bei der alltäglichen Mülltrennung – oft ohne, dass wir es aktiv merken. Dabei spielt Mülltrennung eine entscheidende Rolle für den Schutz von Ressourcen und Klima. Derzeit spart das Verpackungsrecycling in Deutschland bereits zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich ein.

Warum ist Müll trennen so wichtig?

Die richtige Müllentsorgung ist wichtig für die Natur und ihre Bewohner
Die richtige Müllentsorgung ist wichtig für die Natur und ihre Bewohner © alan64 / iStock / GettyImages

Mülltrennung ist die Voraussetzung für hochwertiges Recycling von möglichst vielen Verpackungsabfällen. Dadurch können wertvolle Rohstoffe wie Papier, Glas, Metalle und Kunststoffe statt zu Abfall wieder zu Material werden und nicht mit dem Restmüll zusammen verbrannt werden. Die Materialien müssen dann nicht neu produziert werden; das spart Energie, CO2 und schont natürliche Ressourcen. Die Mülltrennung ist also ein bedeutsamer Faktor für den Klima- und Umweltschutz.

Die richtige Mülltrennung - schwerer als gedacht?

Noch immer trennen viele ihren Müll nicht richtig
Noch immer trennen viele ihren Müll nicht richtig © Andrey Popov / iStock / GettyImages

Trotz Aufklärungsarbeit wird in Deutschland noch immer häufig falsch getrennt. Laut dem Umweltbundesamt befinden sich in der Gelben Tonne beispielsweise 40 Prozent Abfälle, die dort nicht hineingehören (Stand 2020). In der Restmülltonne sind es sogar zwei Drittel.

Ein einzelner falsch entsorgter Joghurtbecher scheint zunächst unbedeutend, doch viele kleine Fehler summieren sich. Zwar werden Abfälle in Sortieranlagen automatisch weiter getrennt, allerdings können diese längst nicht alles zuverlässig auseinanderhalten. Insbesondere dann nicht, wenn unterschiedliche Materialen miteinander verbunden sind.

Daher ist es besonders wichtig, bestimmte Abfälle bereits vor der Entsorgung voneinander zu trennen. So sollte beispielsweise der Deckel eines Joghurtbechers abgezogen und getrennt in die Gelbe Tonne gegeben werden. Auch Papiermanschetten sollten vorher entfernt – und in der Blauen Tonne entsorgt – werden, da Sortieranlagen die unterschiedlichen Materialien nicht voneinander trennen können und entweder nur Bestandteile recycelt oder beide Teile am Ende verbrannt werden. Verschiedene Verpackungsmaterialen sollten daher auch nicht ineinander gestopft werden.

Für die Verbraucher:innen ist es sogar gesetzliche Pflicht Glas, Papier, Pappe und Verpackungen in den dafür vorgesehenen Sammlungen zu entsorgen.

Die Sortierungsanlagen übernehmen die Feinarbeit
Die Sortierungsanlagen übernehmen die Feinarbeit © Andrey Radchenko / iStock / GettyImages

Mythos: „Der Müll wird doch am Ende sowieso wieder zusammengeworfen.”

Das Argument „Der Müll wird doch sowieso wieder zusammengeworfen” hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht. In Deutschland wird Abfall getrennt gesammelt und anschließend in spezialisierten Anlagen weiter sortiert und recycelt. Dort übernehmen Maschinen die Feinarbeit, etwa durch Magnete, Siebe oder Sensoren. Diese Technik kann die Mülltrennung im Haushalt jedoch nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

Häufige Missverständnisse bei nachhaltigen Alternativen

Biologisch abbaubare Müllbeutel sind ungeeignet für die Biotonne © imageBROKER / Udo Herrmann
Biologisch abbaubare Müllbeutel sind ungeeignet für die Biotonne © imageBROKER / Udo Herrmann

Auch bei vermeintlich nachhaltigen Produkten kommt es häufig zu Fehlinterpretationen. Begriffe wie „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“ werden oft falsch verstanden. Der Ausdruck „biologisch abbaubar” bedeutet zwar tatsächlich die völlige Zersetzung eines Stoffes durch Mikroorganismen, allerdings ist nicht definiert, wie lang dieser Prozess dauert.

Biologisch abbaubare Müllbeutel wirken auf den ersten Blick zwar wie eine gute Lösung zur Sammlung von Bioabfällen, dies ist allerdings nur bedingt der Fall. Entsorgt man Bioabfälle nämlich nicht auf dem Kompost, sondern in der Braunen Tonne, gelangen die Müllbeutel in industrielle Kompostieranlagen, welche auf eine Kompostierung von sechs Wochen ausgelegt sind. Die kompostierbaren Müllbeutel brauchen jedoch, je nach Umgebungsbedingungen drei Monate oder länger. Meistens gelangen sie jedoch gar nicht erst in die Kompostierungsanlagen, da die Sortieranlagen die kompostierbaren Müllbeutel nicht von Plastik unterscheiden können und sie bereits vorher aussortieren. Am Ende werden sie also doch nur wieder mit dem Restmüll verbrannt und der daran hängende Biomüll gleich mit.

Warum wird Biomüll nicht einfach mit dem Restmüll verbrannt?

Biomüll ist ein wertvoller Rohstoff, da er in Energie und Kompost umgewandelt werden kann. Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit entsteht in den Kompostieranlagen aus dem Bioabfall hochwertiges Düngemittel, welches vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Zuvor kann er sogar als Einsatzstoff für Biogasanlagen genutzt werden, um Gas zu erzeugen und daraus Strom und Wärme zu produzieren. Die Verbrennung des Biomülls zusammen mit dem Restmüll verbraucht hingegen viel Energie, da er zu einem sehr hohen Teil aus Wasser besteht.

Genauso vorsichtig sollte man bei Entsorgungen in der Toilette sein. Biologisch abbaubare Feuchttücher beispielsweise gehören trotz ihrer Kennzeichnung keineswegs in die Toilette, da sie sich dort nicht schnell genug zersetzen und Abwasserleitungen verstopfen können. Die Auswirkungen von falsch entsorgten Produkten in der Toilette zeigt ein Fall in London. Dort wurde ein 100 Tonnen schwerer Fettklumpen in der Kanalisation gefunden, bestehend aus Fetten, Ölen und eben auch Feuchttüchern.

Auch bei Outdoor-Aktivitäten werden diese Begrifflichkeiten regelmäßig falsch interpretiert. So werden vermeintlich umweltfreundliche Seifen und Shampoos teilweise in offenen Gewässern, wie Seen oder Flüssen genutzt. Dabei schaden auch diese Produkte den Gewässern und ihren Bewohnern, da sie den pH-Wert des Wassers verändern.

Diese praktischen Tipps helfen

Bei der Mülltrennung und Entsorgung gibt es also doch recht viel zu beachten, daher haben wir Ihnen hier einige grundlegende Regeln zur einfachen Müllentsorgung zusammengestellt:

  • Zeitungen, Zeitschriften, Kartons und Schreibpapier gehören in die Papiertonne. Stark verschmutztes Papier wie zum Beispiel ein fettiger Pizzakarton mit Käseresten, sollte jedoch im Restmüll entsorgt werden. Auch benutztes Küchenpapier, alte Kassenbons und Taschentücher kommen nicht ins Altpapier.
  • Verpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien werden in der Gelben Tonne entsorgt. Bei Gegenständen aus verschiedenen Materialen gilt grundsätzlich: getrennt entsorgen. Bei einem Joghurtbecher sollte der Aluminiumdeckel daher getrennt vom Kunststoffbecher im Gelben Sack entsorgt werden, damit Maschinen die verschiedenen Materialen besser erkennen können. Papiermanschetten gehören abgetrennt und in die Blaue Tonne.
  • Auch Getränkekartons sind ein Fall für die Gelbe Tonne.
  • In die Biotonne kommen organische Abfälle wie Obst- und Gemüsereste, Essensreste sowie Gartenabfälle.
  • Alles, was sich nicht zur Gelben-, Blauen- oder Biotonne zuordnen lässt, gehört in den Restmüll. Dazu zählen beispielsweise auch zerbrochenes Porzellan, Keramik oder Bruchglas.
  • Glas kommt in den Altglascontainer und sollte dort nach Farben getrennt entsorgt werden (weiß, grün, braun). So kann das Glas optimal recycelt werden, da es beliebig oft eingeschmolzen und wiederverwendet werden kann.
  • Einige Gegenstände dürfen auf keinen Fall im Hausmüll landen. Dazu gehören vor allem Batterien und Akkus, da sie eine Brandgefahr darstellen. Sie können in vielen Supermärkten oder Wertstoffhöfen in speziellen Sammelboxen abgegeben werden.

Müssen Joghurtbecher vor dem Entsorgen ausgespült werden?

Das Ausspülen leerer Verpackungen belastet die Umwelt, da dabei Leitungswasser und gegebenenfalls Spülmittel verwendet werden. Wichtig ist jedoch, dass Verpackungen möglichst frei von Lebensmittelresten sind. Die dualen Systeme in Deutschland bezeichnen diesen Zustand als „löffelrein“.

Mit kleinen Handgriffen Großes bewirken

Auch wenn Mülltrennung oft kompliziert erscheint, zeigt der Alltag und die Realität: Mit ein paar einfachen Handgriffen lassen sich große Wirkungen erzielen. Deutschland verfügt über ein effektives Sammel- und Recyclingsystem und es lohnt sich, dies konsequent zu nutzen. Wer Abfälle richtig sortiert, hilft wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. Noch besser ist es jedoch, Müll von vornherein zu vermeiden. Das gelingt beispielsweise durch Mehrwegverpackungen, wiederverwendbare Produkte oder den Kauf von Second-Hand-Artikeln. So werden Ressourcen geschont und Abfälle gar nicht erst produziert.

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