Zecken sind vielleicht die lästigsten Plagegeister des Sommers — parasitär, eklig, gefährlich. Und sie sind auf dem Vormarsch.

Wie leben Zecken?

Zecken lauern auf Halmen, auf Blättern, auf losem Laub — und warten. Lange, oft sehr lange. Einige der Blutsauger können Jahre ohne Nahrung überleben. Den Rekord hält die Art Ornithodoros papillipes. Sie kann bis zu elf Jahre warten. Kommt dann ein geeigneter Wirt wie Mensch, Hund oder Pferd vorbei, wittert die Zecke ihre Chance. Sie ist wahrscheinlich in der Lage, mögliche Wirte über Entfernungen von 10–15 Metern wahrzunehmen. Über das Haller’sche Organ an den Vorderbeinen kann sie chemische Substanzen in Atem oder Schweiß feststellen. Die Zecke lässt sich abstreifen und klammert sich am Wirt fest.

Die Zecke krallt sie sich an Schuhen, Hosen oder direkt an der Haut fest und sucht eine gut durchblutete Stelle. Dann sticht sie zu und saugt. Und saugt. Viele Tage, ungestört sogar Wochen. Der Zecken-Körper kann dabei auf das Zwanzigfache des ursprünglichen Volumens und das Hundertfache des Gewichts anschwellen.

Geröteter Biss: Welche Krankheiten übertragen Zecken?

FSME Risikogebiete in Deutschland © Robert-Koch-Institut, 2025
FSME Risikogebiete in Deutschland © Robert-Koch-Institut, 2025

Eigentlich ist ein Zeckenstich nicht weiter tragisch, aber Zecken übertragen Borreliose und die Hirnhautentzündung Frühsommermeningoenzephalitis (FSME). In Deutschland infizieren sich etwa zwei bis sechs Prozent der Menschen nach einem Zeckenbiss mit Borrelien — und diese Bakterien können unterschiedliche, durchaus bedrohliche Infektionskrankheiten auslösen. Die Lyme-Borreliose kommt am häufigsten vor. Typisches Zeichen: Rötung an der Bissstelle, die sich langsam ausbreitet (Wanderröte). Gut zu wissen: Da die Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, lässt sie sich vor allem im Frühstadium gut antibiotisch behandeln.

Weitaus seltener sind Zecken mit FSME-Viren befallen. Das Virus kann die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen angreifen. In den deutschen FSME-Risikogebieten tragen 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus in sich. Und nicht jede Infektion führt zu einer Erkrankung: Von den Menschen, die von einer FSME-Viren-infizierten Zecke gebissen werden, erkrankt etwa jeder Dritte. Im Jahr 2021 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 390 FSME-Erkrankungen übermittelt.

2025 gelten mehr als 40 Prozent der deutschen Kreise als FSME-Risikogebiete. Die Parasiten breiten sich offenbar immer weiter in Richtung Norden aus. 

Welche Zecken gibt es in Deutschland?

Weltweit gibt es mehr als 900 Zeckenarten. Etwa zwanzig davon kommen in Deutschland vor, zum Beispiel die Igelzecke, die Schafzecke oder die Auwaldzecke. Einige Arten haben sich stark spezialisiert und leben fast nur an Vögeln, andere sind sehr selten oder vorübergehend eingeschleppt.

Heimisch, häufig und wirklich lästig bis gefährlich ist hierzulande der 2,5 bis 4 Millimeter große Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Der Holzbock ist die Zecke, die in Deutschland am häufigsten Menschen belästigt.

Unangenehm bis gefährlich: die invasive Hyalomma Zecke

Die viel größere Hyalomma ist gut an den gestreiften Beinen zu erkennen © picture alliance/dpa | Fabian Sommer
Die viel größere Hyalomma ist gut an den gestreiften Beinen zu erkennen © picture alliance/dpa | Fabian Sommer

In unseren Breiten droht inzwischen die Bekanntschaft mit einem Neuzugang unserer Tierwelt: der Hyalomma Zecke. Eigentlich lebt sie in Afrika und Asien, Nachweise gibt es 2022 aber auch für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Tendenz klar steigend. Eingeschleppt wurde sie wahrscheinlich von Zugvögeln, von denen sie irgendwann abfallen. Und wenn genau dort die Lebensbedingungen günstig sind machen sie sich heimisch. Das scheint in Teilen Deutschlands inzwischen der Fall zu sein.

Sie leicht an ihren gestreiften Beinen zu erkennen — und an ihrer schieren Größe. Hyalomma-Zecken sind mehr als doppelt so groß wie der heimische Holzbock und werden daher gern auch mal “Monsterzecke” genannt.

Unangenehm: Anders als heimische Zecken wartet die Hyalomma nicht auf den Wirt, sondern jagt ihn gezielt. Sie hat Augen und folgt dem erspähten Opfer angeblich bis zu hundert Meter weit. Die Hyalomma sucht bevorzugt Pferde und andere große Säugetieren, geht aber eben auch an Menschen. Und dann kann es durchaus gefährlich werden:

Hyalomma-Zecken können Zeckenfleckfieber und potenziell auch Krim-Kongo-Fieber (CCHF) übertragen. Nach Analysen der Universität Hohenheim zufolge trägt fast jede zweite in Deutschland gefundene Hyalomma-Zecke den Zecken-Fleckfieber-Erreger. Typisch für die Infektion ist ein Hautausschlag. Immerhin: Zecken-Fleckfieber verläuft im Unterschied zum klassische Fleckfieber meist vergleichsweise mild.

Beruhigend: Eine Zecke mit dem Erreger des Krim-Kongo-Fiebers wurde in Deutschland bisher nicht gefunden.

Zeckenzeit inzwischen fast ganzjährig

Zeckenzeit in Deutschland ist von Februar bis Oktober: Ab Temperaturen von sieben Grad sind Zecken aktiv. Von November bis Februar halten die Spinnentiere eigentlich Winterruhe. Doch durch die vergleichsweise milden Winter krabbeln sie mittlerweile sogar ganzjährig durchs Gebüsch. Es gibt also auch für den Herbst keine Entwarnung.

Wie kann man sich schützen?

  • Am besten die Zecke gar nicht an die Haut ranlassen. Hohe, geschlossene Schuhe im Grünen tragen. Wenn möglich eine lange Hose. Und die am besten in die Socken stopfen.
  • Auf breiteren Wegen gibt es natürlich auch weniger Zecken als querfeldein. Nach dem Spaziergang gründlich nach dunklen Pünktchen auf Haut oder Kleidung suchen. Kinder und Hunde gleich mituntersuchen.
  • Gegen FSME gibt es eine Impfung (oft als “Zeckenimpfung” bezeichnet). Wenn man sich in Risikogebieten oft draußen aufhält empfehlenswert.

Wie entfernt man eine Zecke?

Zecken können sehr unangenehme Besucher auf unserer Haut werden © Ola Jennersten / WWF Schweden
Zecken können sehr unangenehme Besucher auf unserer Haut werden © Ola Jennersten / WWF Schweden

Wenn man sich trotzdem mal einen Zecke eingefangen hat: Schleunigst entfernen. Da die Borreliose-Bakterien zunächst im Darm der Zecke sind, kommen sie erst nach vielen Stunden in das Blut des Wirts. Je schneller Du die Zecke los wirst, umso niedriger ist das Risiko, an Borreliose zu erkranken.

Langsam und kontinuierlich mit einer feinen Pinzette, einer Zeckenzange oder ‑karte aus der Haut ziehen. Dabei das Tier möglichst nicht quetschen und dicht über der Haut packen. Dann die Einstichstelle desinfizieren.

Wie man es nicht macht!

  • Auf keinen Fall mit Öl, Kleber oder Alkohol entfernen! Dadurch erstickt die Zecke und würgt ihren Darminhalt samt Krankheitserreger in die Wunde.
  • Auch nicht nach links oder rechts drehen. Da bleiben häufig die Beißwerkzeuge der Zecke in der Haut stecken. Wenn es passiert: Keine Panik. Das Zeckenrest fällt irgendwann ab. Erst wenn die Haut rot wird, schmerzt oder juckt spricht das für einer Entzündung, die dann vom Arzt behandelt werden sollte.

Töten oder aussetzen?

Vor allem Hundebesitzer kennen den Anblick: Eine dicke, vollgesogene Zecke, hellgrau, bis zu kirschengroß. Man muss schon sehr großer Tierfreund sein, um die wieder auf der nächsten Wiese auszusetzen. Doch so eine Zecke um die Ecke zu bringen, ist gar nicht so leicht. Klo runterspülen? Keine gute Idee. Zecken können wochenlang im Wasser überleben. Aus dem Hausmüll können sie wieder raus kriechen. Im Eisfach überleben sie bis minus 18 Grad Celsius. Zerquetschen gibt einen Blutfleck. Nein, Verbrennen empfehlen wir jetzt nicht, auch wenn es sehr effektiv ist.

Warum gibt es Zecken?

Parasiten wie Zecken oder Stechmücken haben wenige Freunde, aber dennoch eine spannende Rolle im komplexen Zusammenspiel in Ökosystemen. Natürlich dienen Zecken als Nahrung. Vögel fressen Zecken. Einige Pilze siedeln auf ihnen. Fadenwürmer machen die Parasiten selbst zum Wirt und töten sie, ebenso wie die Larven der Erzwespe Ixodiphagus hookeri.

Parasiten können aber auch dazu beitragen, die Populationen anderer Lebewesen zu regulieren. Zudem gelten sie als Evolutionsbeschleuniger. Klingt paradox, ist aber durchaus plausibel. Ein Lebewesen kann an einem Parasiten zugrunde gehen. Wenn aber der Organismus zum Beispiel durch Parasiten sein Imunsystem verbessert und vielleicht sogar resistent wird, kann er das positiv an Nachkommen weitergegeben. Auf lange Sicht kann das für die weitere Evolution einer Tierart positiv sein.

Ob das allerdings auch auf Zecken zutrifft, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Der Autor

Oliver Samson

Digital Content Producer

Journalist und jetzt Redakteur beim Panda – weil unverändert überzeugt, dass wir Menschen es besser hinkriegen können. Noch immer optimistisch mit guten Vorsätzen.

Schützen Sie die Natur

  • Garten © GettyImages Mein schöner ökologischer Garten

    Im eigenen Garten und selbst auf dem Balkon in der Stadt können wir Oasen für Insekten schaffen und damit ihren Lebensraum wieder vergrößern. Denn jeder Quadratmeter zählt! Weiterlesen ...

  • Beet im Garten © Ola Jennersten / WWF-Sweden Tipps für den Garten

    Hobbygärtner aufgepasst: Mit nur wenigen Schritten kann man bei der Gartenarbeit jede Menge für die Umwelt tun. Mehr erfahren ...