Die Uckermark: beliebtes Urlaubsziel, grüne Lunge Brandenburgs und Seen soweit das Auge reicht. Viele Wälder der Uckermark gehören zu den beeindruckendsten Wäldern Deutschlands: Bedrohte Arten wie Seeadler und Kranich, von Bibern über Wölfe zu seltenen Fledermäusen finden hier viele Tiere geeignete Lebensräume. Dies freut nicht nur die Natur, sondern auch die Bewohner der Uckermark sowie tausende an Besuchern, die hier jedes Jahr Erholung suchen.

Blick in einen typischen Wirtschaftswald mit Kiefern © Sonja Ritter / WWF
Blick in einen typischen Wirtschaftswald mit Kiefern © Sonja Ritter / WWF

Doch wie 97 Prozent aller Wälder in Deutschland werden auch fast alle uckermärkischen Wälder forstwirtschaftlich genutzt. Zwar gibt es auch viele stattliche Buchenwälder, doch noch immer dominieren in weiten Bereichen angepflanzte Forste aus Kiefern. Eigentlich gehören Nadelwälder nur als Randerscheinung beispielsweise an Mooren und sehr nährstoffarmen und trockenen Bereichen der Uckermark zur natürlichen Vegetation. Die Artenvielfalt in den angepflanzten Nadelholzforsten ist hier erheblich niedriger als in Laubwäldern. Sie verändern zudem die Beschaffenheit der Böden und bevor sie alt genug werden, um auch für die Ökologie eine wertvolle Rolle zu spielen, werden sie gefällt. Die Kiefernforste bilden viel weniger Grundwasser als naturnahe Laubwälder. Die Gefahr wächst, dass die Wälder weiteren Dürren oder den Borkenkäfern zum Opfer fallen könnten.  

Naturnahe Laubwälder sind also besser gegen die Folgen der Klimakrise gewappnet. Der WWF setzt sich seit über 30 Jahren in der Uckermark aktiv für den Schutz und die Entwicklung naturnaher Wälder ein. Dabei arbeiten wir auch mit lokalen Förstereien zusammen. Mit Hochdruck werden so beispielsweise in der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf Laubbäume im Unterwuchs aufgelichteter Kiefernforsten gepflanzt und die Naturverjüngung von Laubbäumen gefördert. Der Leiter der Försterei, Dietrich Mehl, ist ein tatkräftiger Vertreter der naturnahen Waldwirtschaft. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern macht er seine Wälder fit für die Zukunft und geht so mit positivem Beispiel voran.

Gemeinsam Bäume pflanzen – für Klima, Natur und Mensch

Am 24.04.21 fand sich eine kleine Gruppe von WWF-Mitarbeiter:innen, Verantwortlichen der Oberförsterei Reiersdorf und 20 Freiwilligen zum gemeinsamen Pflanzen von 3.000 Traubeneichen und 2.000 Rotbuchen zusammen. Ermöglicht wurde diese Aktion über eine freundliche Spende von 7Mind. Über den Tag verteilt konnten die Menschen mehr über den Wald in Deutschland lernen und ihn hautnah erleben. Statt Maschinen, die den Boden verdichten und es so den Baumwurzeln schwer machen, wurden die Böden mit Hilfe zweier Rheinisch-Deutscher Kaltblutpferde umgepflügt. Die Anwesenheit dieser schönen Tiere trug dabei auch zur Freude der Anwesenden bei!

Bestärkt von der positiven Erfahrung sollen künftig weitere Aktionen folgen, bei denen der WWF gemeinsam mit Freiwilligen und lokalen Forstbetrieben zu zukunftsfähigen Wäldern beiträgt.

Baumpflanzungen sind nur eines von vielen Werkzeugen

Reh im Wald © Ralph Frank
Reh im Wald © Ralph Frank

Das Pflanzen von Bäumen ist aber nur die drittbeste Methode. Das Beste ist, dass sich die Bäume natürlich ansamen können. Von Mutterbäumen aus der Umgebung fliegen die Samen herbei oder werden von Tieren wie Eichelhähern und Eichhörnchen herbeigetragen. Doch Rehe und Hirsche fressen gerne die jungen Pflänzchen. Gibt es zu viele von ihnen, können keine Bäume mehr natürlich hochkommen. Deshalb ist ein gutes Wildmanagement essenziell.

Neue Laubbäume sind wichtig, doch muss mehr getan werden, um die Zukunft unserer Wälder zu sichern. Um den natürlichen Prozessen Raum zu geben, sollten Teile der Wälder aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. So können Bäume wieder alt werden. Sie bieten Lebensraum für tausende selten gewordener Tiere, Insekten und Pflanzen, von Spechten über Fledermäuse bis hin zu schillernden Käfern und Pilzen. Wenn ein alter Baum stirbt, bietet er neue Lebensräume für Zersetzer.

Der „Umbau“ unserer Wälder – wie die Förster sagen – ist eine Mammutaufgabe. Nur wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, können wir unsere Wälder erhalten und zukunftsfähig machen.

Unsere Vision für die Wälder der Zukunft

Wald und Mensch sollen friedlich miteinander koexistieren und das schließt eine Nutzung der Wälder nicht aus. Forstwirtschaft kann naturnah praktiziert werden, sodass auch genug Platz für eine natürliche Entwicklung ist und Teile der Wälder auch alt werden dürfen. Wir sollten den Wald nicht mehr nur als Produktionsstätte sehen, sondern auch seine vielen anderen Vorteile, die er für Natur, Wasserhaushalt, Kohlenstoffhaushalt, Kultur und Erholung bringt, anerkennen. Einen Einblick in diese Zukunftsvision können Sie in der Zerweliner Heide im Norden Brandenburgs erhalten. Auf 800 Hektar schützt der WWF natürliche Prozesse und überlässt den Wald weitgehend sich selbst. Unser Ziel ist es, dass in Zukunft viele weitere solcher naturbelassenen Wälder entstehen.  

Die Zukunft des deutschen Waldes ist ungewiss. Doch vor allem der Einsatz vieler engagierter Menschen gibt einen Grund zum Optimismus. Gemeinsam können wir viel bewirken. Wir bleiben dran und hoffen auf Ihre Unterstützung, um die Zukunft der Wälder für die kommenden Generationen zu sichern.

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