Das Fazit des Weltbiodiversitätsrats fällt fatal aus, was die Bemühungen um Arten- und Umweltschutz angeht.

Schlechte Noten für den Artenschutz

Fortschritte beim Erreichen der 2010 bei einer Konferenz im japanischen Nagoya gemeinsam von den Staaten beschlossenen Ziele gibt es viel zu wenige. Nur wenn sofort und gleichzeitig auf allen Ebenen gehandelt werde, könne der Verlust der genetischen Vielfalt verlangsamt, eingedämmt oder sogar rückgängig gemacht werden, so der Bericht.

Unerlässlich dafür ist die internationale Zusammenarbeit. Denn Naturschutz und Umweltschutz kennen keine Grenzen. Nicht nur der IPBES-Bericht, sämtliche Umweltschutzorganisationen, einschließlich des WWF und ein Großteil der Bevölkerung fordern, politisches Handeln an Naturschutzzielen auszurichten. Der Wert der Artenvielfalt muss im öffentlichen Bewusstsein verankert werden, Unternehmen von rücksichtslosem Wirtschaften Abstand nehmen. Christoph Heinrich, geschäftsführender Vorstand der Umweltorganisation WWF Deutschland, fordert, das "Paradigma vom ewigen und alternativlosen weltweiten Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Natur" zu beenden. "Wir müssen schleunigst beginnen, in den natürlichen Grenzen der Erde zu wirtschaften."

Ein dramatischer Rückgang der biologischen Vielfalt auch bei uns

Elchsichtungen sind in Deutschland eine Seltenheit. © Michael Gandl
Elchsichtungen sind in Deutschland eine Seltenheit. © Michael Gandl

In Deutschland kommen natürlicherweise etwa 48.000 Tierarten vor, das sind immerhin vier Prozent der weltweit bekannten Fauna. Dazu kommen etwa 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. Doch Deutschlands Natur hat über die Jahrhunderte hinweg schwere Verluste erlitten. Bereits im frühen Mittelalter verschwanden die letzten geschlossenen Urwälder und mit ihnen Teile der ehemals heimischen Großtierfauna: Auerochse, Wisent, Elch und Wildpferd, um nur einige Beispiele zu nennen. Bär, Wolf und Luchs zogen sich in der Neuzeit in abgelegene Gebiete zurück und wichen somit dem flächendeckenden Einfluss des Menschen aus.

Deutschland ist das zentrale Verbreitungsgebiet der Buchenwälder. Wo jedoch heute Wälder stehen, sind dies zumeist Nadelbaumforste. Flüsse gleichen eher Kanälen als jenen Lebensadern, die noch bis ins 19. Jahrhundert hinein weite Auenlandschaften mit großer Artenfülle formten.

Die Rote Liste zeigt für Deutschland den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt an:

  • 26 Prozent der rund 3.000 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen sind bestandsgefährdet, fast zwei Prozent ausgestorben oder verschollen;
  • 36 Prozent der einheimischen Tierarten sind bedroht, 3 Prozent ausgestorben oder verschollen;
  • Über 70 Prozent der Lebensräume werden als „gefährdet“ eingestuft.

Deutschland erreicht mit diesen Gefährdungsraten mit die höchsten Werte in Europa. Unsere Landschaften sind kulturell und technologisch extrem überformt. Sie bieten nur noch vereinzelt und auf kleinen Flächen ein reichhaltiges Naturerbe. Vom norddeutschen Wattenmeer bis hinauf in die Bergwelt der Alpen reihen sich in Deutschland 690 verschiedene Ökosysteme aneinander, darunter größere Waldgebiete, sandige Heidelandschaften und artenreiche Seen und Flussauen.

Das macht der WWF zur Bewahrung der Artenvielfalt in Deutschland

Der WWF beteiligt sich an der Verwirklichung des deutschen Aktionsplans und leistet in Schlüsselökosystemen einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie der Einzigartigkeit und Schönheit von Naturgebieten. In Deutschland setzt sich der WWF besonders für den Schutz von Nord- und Ostsee, den Küstengebieten, den Flüssen, großen Feuchtgebieten und Wäldern ein. Wir wollen erreichen, dass noch naturnahe Lebensräume erhalten bleiben oder renaturiert werden und bedrohte Arten wie Wolf, Luchs, Bär, Fischotter, Seeadler und Stör ihre Lebensräume ungestört besiedeln können und als Bewohner unserer Kulturlandschaften geachtet werden.

So können Sie den WWF beim Artenschutz unterstützen:

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