Sie schlagen sich durch den Dschungel Südamerikas, pflanzen Bäume in der Uckermark, überzeugen Politiker von den Vorteilen des Waldschutzes, inspizieren kleine Holzstückchen unter dem Mikroskop und vieles andere mehr. Die Arbeit der Waldexpert:innen beim WWF ist so bunt und vielfältig wie die Wälder der Erde selbst. Wir stellen einige der Menschen hinter der Waldarbeit des WWF näher vor und zeigen, was ihre Arbeit für und mit Wäldern beim WWF eigentlich ausmacht.

„Urwaldschutz bzw. eine fast unberührte Natur zu erhalten, bedeuten sehr viel für mich.“ Den Waldexperten für Südamerika, Roberto Maldonado, haben viele sicher schon mal in einem der zahlreichen Videos zum Amazonas gesehen. Seine Arbeit dreht sich stark um die Schutzgebiete des südamerikanischen Kontinents und um die Bekämpfung der Entwaldung vor Ort. „Selber habe ich mich auf Schutzgebietsmanagement und die Konfliktlösung zwischen dem Schutz und der Nutzung von natürlichen Ressourcen spezialisiert“.

Waldexperte Roberto Maldonado

Roberto Maldonado ist einer der erfahrensten Waldexperten des WWF und für Südamerika im Einsatz. © Roberto Maldonado / WWF
Roberto Maldonado ist einer der erfahrensten Waldexperten des WWF und für Südamerika im Einsatz. © Roberto Maldonado / WWF
  • Referent Südamerika
  • seit 2007 beim WWF
  • Lieblingsbaum/-wald: „Mein Lieblingswald ist der Amazonas Regenwald. Eine Anekdote: Einmal konnte ich drei ausgewachsene Schwarze Kaimane bei Tageslicht sehen. Anstatt dass sie untergetaucht sind, ist einer mit seinem ganzen Rücken und Schwanzflosse aus dem Wasser gekommen (wie ein schrägstehender Baumstamm im Wasser), ist zu uns geschwommen und hat uns ‚angebellt‘. Da hofft man wirklich, dass er nicht angreift. Einer meiner Lieblingsbäume ist der Kapokbaum (Ceiba pentandra).“
  • Motivation: „Die Chance, einen Teil von fast unberührter Natur, nämlich tropischen Regenwald, zu erhalten, ist unglaublich motivierend.“

Dafür verbringt Roberto Maldonado allein zwei bis drei Monate im Jahr mit Dienstreisen und ist in der atemberaubenden Naturlandschaft des Amazonas unterwegs. Dann geht es in den Wald und in Nebenflüsse, beispielsweise zum Zählen der Flussdelfine. Den Rest des Jahres verbringt er, ganz klassisch, in Berlin im Büro. „Da bin ich entweder ein Schreibtischtäter der an E-Mails, Telefon und Meetings teilnimmt bzw. mit externen Partnern diskutiert. Kümmere mich um Projektmanagement und Antragstellung, begleite die externe Kommunikation des WWF zum Amazonas fachlich, stehe für neue Videos vor der Kamera oder vertrete in Arbeitsgruppen zu Ländern und Themen die Position des WWF.“

Die Schutzgebiete im Nordamazonas © WWF
Die Schutzgebiete im Nordamazonas © WWF

Die größte Herausforderung im akut bedrohten Regenwald: auf lokaler Ebene den Menschen, die in und um Schutzgebiete leben, reale und nachhaltige wirtschaftliche Alternativen bieten zu können. Auf nationaler Ebene die Politik zu überreden, angemessen zu planen und nicht großflächig Land der Industrie zu übergeben, ohne die Menschen vor Ort mitzunehmen bzw. ohne deren Natur vor allem Schutzgebiete und indigene Territorien zu schaden. „Oft muss man dabei länger als 10 Jahre an einem Ziel arbeiten, wie etwa der Ausweisung des Nationalpark Güeppí-Sekime und der indigenen Territorien Airo Pais und Huimeki. Hier haben wir über 10 Jahre gegen eine Ölkonzession von Petrobras in Peru argumentiert. Am Ende mit Erfolg. „Kulturlandschaften in Deutschland können wunderschön sein, aber sie sind für mich nicht annähernd so inspirierend wie (fast) unberührte Natur. Zu wissen, dass wir hier und da etwas davon erhalten können, z. B. mit der Erweiterung des Chiribiquete Nationalpark zum größten tropischen Nationalpark der Welt ist einfach unglaublich.“

Achtung und Respekt vor den ältesten Wäldern der Welt: Susanne Gotthardt

„Waldschutz ist Lebensschutz für mich. Denn ohne Wälder können wir nicht leben. Wald liefert so viel: Holz- und Nichtholzwaldprodukte, Grundlagen für Medizin, Klimaregulierung, CO2-Speicher, Wasserhaushaltsregulierung, Erholung“, sagt unsere zweite Wald-Expertin, Susanne Gotthardt. Sie beschäftigt sich ebenfalls mit Regenwäldern, aber nicht in Südamerika, sondern in Südostasien, vor allem in Indonesien, Myanmar und Thailand. Sie zählen zu den vielfältigsten Wäldern der Welt und beherbergen eine Vielzahl von Arten wie Orang-Utans, Tiger, Elefanten und Nashörner. Am meisten faszinieren Susanne die großen Torfwälder Indonesiens.

Susanne Gotthardt betreut die Region Südostasien und Indonesien © Sugeng Hendratno / WWF Indonesien
Susanne Gotthardt betreut die Region Südostasien und Indonesien © Sugeng Hendratno / WWF Indonesien
  • Referentin Südostasien und Koordinatorin Indonesien 
  • seit 2011 beim WWF 
  • Lieblingsbaum: Walnussbaum 
  • Motivation: „Das Privileg weltweit mit unglaublich tollen und motivierten Kolleg:innen zusammenzuarbeiten, die die Liebe zu den Wäldern teilen.“

So unterschiedlich die Wälder Südostasiens sind, die Herausforderungen sind doch sehr ähnlich: Das Ausbalancieren von ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen. „Häufig steht das schnelle Geld im Vordergrund, ohne die negativen mittel- und langfristigen Konsequenzen von Waldzerstörung zu berücksichtigen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es vor Ort viele arme Menschen gibt, die ein Recht auf Entwicklungsperspektiven haben. Deswegen setzen wir uns unter anderem für nachhaltige Einkommensmöglichkeiten ein.“

Besonders am Herzen liegen Susanne Projekte, bei denen die Stärkung von indigenen Rechten mit Waldschutz einhergeht. © Sugeng Hendratno / WWF Indonesien
Besonders am Herzen liegen Susanne Projekte, bei denen die Stärkung von indigenen Rechten mit Waldschutz einhergeht. © Sugeng Hendratno / WWF Indonesien

Auch wenn die meiste Arbeit Susannes ganz normal vom Schreibtisch aus passiert, sind die Wälder Südostasiens immer nah. Denn Waldschutz dort bedeutet auch Lebensschutz hier. Die Regenwälder Borneos zum Beispiel gehören mit zu den ältesten Wäldern der Welt. Sie sind ein superkomplexes, aber ausbalanciertes System und wichtig für das globale Klima. „Das, was wir heute tun, auch in Deutschland, hat teils heftige Auswirkungen woanders und jahrzehntelange Konsequenzen.“ 

Durch unseren Konsum von zum Beispiel Kautschuk, Holz und Palmöl tragen wir zur Entwaldung in Südostasien bei. Sind die Wälder erst zerstört, dauert es Generationen, sie wiederherzustellen

"Waldschutz ist Lebensschutz für mich. Denn ohne Wälder können wir nicht leben."

Susanne Gotthardt, Referentin Südostasien und Koordinatorin Indonesien

Im Einsatz für Nachhaltigkeit: Laura Prill

Von der Wissenschaft in den Unternehmenseinsatz: Laura Prill kommt immer dann ins Spiel, wenn es darum geht, Unternehmen von einer nachhaltigen Nutzung der Ressource Holz zu überzeugen, diese dann zu beraten, Strategien und Ziele zu entwickeln und die Umsetzung zu begleiten. „Wir befinden uns in einer Situation, in der der Großteil der globalen Entwaldung in der einen oder der anderen Form auf den privaten Sektor zurückzuführen ist. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir als Umweltorganisation mit diesem Sektor – also in meinem Fall mit Unternehmen der Holz- und Papierbranche – zusammenarbeiten und deren Stellung im Markt und der Lieferkette nutzen. Wenn wir es nicht schaffen, hier ein Umdenken zu bewegen, sieht es schlecht aus für den Wald.“ 

Laura Prill überzeugt Unternehmen davon, mit dem Wald und seinen Ressourcen nachhaltig umzugehen. © Perdo Cornejo Tuesta
Laura Prill überzeugt Unternehmen davon, mit dem Wald und seinen Ressourcen nachhaltig umzugehen. © Perdo Cornejo Tuesta
  • Projektmanagerin im Fachbereich Ökosystem und Ressourcenschutz, zuständig für den Bereich Holz, Papier und Tissue (Hygienepapiere)  
  • beim WWF seit Mitte 2021  
  • Lieblingswald: „Ich finde, jeder natürliche Wald hat seine Faszination, aber auf Grund der Vielfalt und Fülle wahrscheinlich tropische Wälder.“

Wälder beschäftigen Laura dabei schon eine ganze Weile. „Am meisten beeindruckt hat mich sicherlich mein Praktikum während meines Bachelorstudiums im ‚Fire and Vegetation Management‘ 2009 mitten in den Rocky Mountains in Kanada. Ich habe selten etwas Schöneres gesehen!“ Fünf Jahre arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltforstwirtschaft der Uni Hamburg, wo sie auch promovierte, bevor es sie näher ans tatsächliche Geschehen zog. „Wälder sind für mich der Ausdruck von Natur. Das war ursprünglich auch meine Motivation Holzwissenschaften zu studieren“. 

Beim WWF fasziniert sie die Vielschichtigkeit der Arbeit. „Hier geht es Schlag auf Schlag.“ An einem Tag gehe es um chemische Verbindungen, die während der Bleiche der Papierproduktion auftreten, am anderen Tag um die Holzproduktion in Paraguay. All das findet in Form von Videokonferenzen statt, mit den Kollegen:innen vom WWF Deutschland und International, oder Unternehmen.  

Das Wichtigste bei der Arbeit sei die richtige Herangehensweise: „Es ist wichtig zu vermitteln, dass auch die Ressource Holz – obwohl nachwachsend – begrenzt verfügbar ist.“ Deshalb gehe es nicht nur darum, Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern zu beschaffen, sondern vor allem darum, Ressourcen einzusparen. „Wenn ich Toilettenpapier aus Frischfasern kaufe, verbrauche ich immer noch neue Ressourcen – unabhängig davon, ob es sich um zertifiziertes Papier handelt. Besser wäre hier Toilettenpapier aus Recyclingfasern.“ 

Unterwegs für eine erfolgreiche Waldpolitik: Johann Rathke

Lobbyarbeit genießt in Deutschland nicht den besten Ruf. Dabei ist sie für eine Einflussnahme auf die politische Entscheidungsfindung unerlässlich. „Der Begriff ‚Lobbyismus‘ ist – nicht ganz zu Unrecht – verpönt, weil besonders wenige mächtige Akteure auf viele Gesetze Einfluss ausüben. Umso wichtiger ist es, dass die Interessen der Zivilgesellschaft und des Umweltschutzes – zum Beispiel der Erhalt von Wäldern – ebenso politisch vertreten sind“, sagt Johann Rathke. Er beschäftigt sich beim WWF täglich mit der Wald- und Agrarpolitik in Deutschland.

Lobbyarbeit für den Wald gehört zum klassischen Aufgabengebiet von Fortwissenschaftler Johann Rathke. © Sonja Ritter / WWF
Lobbyarbeit für den Wald gehört zum klassischen Aufgabengebiet von Fortwissenschaftler Johann Rathke. © Sonja Ritter / WWF
  • Koordinator für Agrar- und Landnutzungspolitik 
  • beim WWF seit Mai 2020  
  • Lieblingsbaum: Ganz viele Bäume haben ihre Besonderheiten, ebenso sehr unterschiedliche Waldtypen. Sowohl eine einzelne Baumart als auch ganze Wälder haben ihre ökologische Nische und können – jeder für sich – Spezialisten sein. 
  • Motivation: „Es ist die Arbeit im politischen Umfeld, die Komplexität der Themen und Prozesse. Es ist faszinierend zu sehen, dass auch kleine Schritte große Wirkung haben können."

Beides hängt eng miteinander zusammen. Gerade der unmittelbare Vergleich beider Landnutzungsformen und auch die jeweiligen politischen Prozesse sind sehr spannend. „Ich fokussiere mich insbesondere auf den Wald und die Forstwirtschaft in Deutschland. Rund 11 Millionen Hektar Landfläche sind hier bewaldet. Forstpolitik in Deutschland ist recht komplex, da es sehr unterschiedliche Interessen gibt, die in Einklang gebracht werden müssen.“ 

Entsprechend vielfältig sind seine Aufgaben: So gehört die typische „Lobbyarbeit“ genauso dazu wie die Entwicklung von Strategien und Projekten, die von politischer Relevanz sind. Die politische Arbeit sei von einer hohen Dynamik und zum Teil starken Komplexität geprägt. Umso dynamischer und komplexer, umso besser sei es, denn dann böten sich Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. „Wichtig ist dann aber besonders auch die Sachkenntnis. Hierbei profitiere ich sehr von den vielen Expert:innen im WWF, sowohl in Deutschland als auch im Netzwerk weltweit.“ Und von seinen Erfahrungen aus der vorherigen Arbeit im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern, in dem er für die Steuerung politischer Prozesse und Rechtssetzungsverfahren zuständig war. 

Als Forstwissenschaftler war er früher selbst oft im Wald. Und ist es noch. „Sehr schön und wichtig finde ich Waldränder, also der Übergangsbereich vom Wald in die Offenlandschaft. Natürlicherweise ist dieser Bereich sehr vielfältig und stark strukturiert. Und im Übrigen auch ökologisch von einer besonderen Bedeutung. Diese Strukturvielfalt brauchen wir aber viel mehr im Wald. Der Schutz der Wälder insgesamt kann aber nur gelingen, wenn ihnen auch ein ökonomischer Wert beigemessen wird, in dem entweder auch nachhaltige Holznutzung stattfindet oder der aktive Erhalt und die Verbesserung der vielfältigen übrigen Ökosystemleistungen des Waldes honoriert werden.“ 

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