Das Forest Stewardship Council (FSC) hat zum Ziel, dass Wälder weltweit umweltgerechter, sozialverträglicher und ökonomisch tragfähiger genutzt werden. Der WWF setzt sich dafür ein, die ökologische Wirkung des FSC weiter zu stärken. Was bringt das Siegel wirklich? Was funktioniert, was wird kritisiert?

Kanu fährt stromaufwärts von Pan nach Mataje. Rio Pan, Awa-Reservat in Ecuador. © Pablo Corral / WWF
Für viele Indigene Völker ist der Wald essentielle Grundlage des Überlebens. Wie etwa bei den Awa in cuador. © Pablo Corral / WWF

Wald ist wertvoll – und begehrt. Allerdings verbinden sich sehr unterschiedliche Interessen damit. Umweltverbände wollen den artenreichen Lebensraum schützen, weil er unverzichtbar ist, um die Kipppunkte des ökologischen Gleichgewichtes der Erde möglichst zu verhindern. Auch für indigene Völker ist er eine essentielle Grundlage ihrer Lebensweise. Unternehmen der Holz- und Forstwirtschaft sehen in Wäldern vor allem eine ökonomische Holzressource. Wer für sie arbeitet, tut dies unter sehr unterschiedlichen Sozial- und Sicherheitsstandards, um die vielerorts wiederum Gewerkschaften ringen. Können die Wälder unserer Erde gleichzeitig umweltgerechter, sozialverträglicher und ökonomisch tragfähiger genutzt werden? All diese Interessen miteinander zu vereinbaren, hat sich der Forest Stewardship Council (FSC) zum Ziel gesetzt. 

FSC-zertifiziertes Holz aus der Holz-Natur-Fabrik in Shanghai, China. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
Das Forest Stewardship Council wurde 1993 gegründet. Bis Ende 2019 wurden rund 200 Millionen Hektar Wald nach FSC-Standards zertifiziert. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Der FSC wurde 1993 infolge der Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro als unabhängige, gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation gegründet. Er führt Unternehmer aus der Holz- und Forstwirtschaft, Umweltverbände, Gewerkschaften, Vertreter der Zivilgesellschaft und indigene Völker zusammen. „Alle am Wald beteiligten Interessensgruppen sind hier gleichberechtigt anerkannt“, sagt Albert Wotke, Programmleiter Flächennaturschutz beim WWF. „Durch seine Struktur als Mitgliedschaftsorganisation bietet er eine Diskussionsplattform für unterschiedliche Interessengruppen und ermöglicht demokratische Beteiligungs- und Entscheidungsfindungsprozesse.“ Der FSC International hat weltweit über 1.100 Mitglieder. Im November 2021 waren weltweit rund 230 Millionen Hektar Wald nach FSC-Standards zertifiziert, etwa 64 Prozent davon naturnahe Wälder und knapp ein Fünftel der Flächen in den Tropen.

Erfolgreich, aber auch in der Kritik

Bill Apusae vom WWF Solomon Islan prüft geerntete Stämme der Kolombangara Forest Products Limited, einer vom FSC Forest Stewardship Council zertifizierten Holzplantage auf den Salomonen. © Jürgen Freund / WWF
Holzkontrolle auf einer Holzplantage © Jürgen Freund / WWF

So viel zu den Erfolgen des FSC. Doch hin und wieder steht das Siegel auch unter Kritik. Dann ist von Unklarheiten, Lücken oder gar von Skandalen die Rede. So nahm das ARD-Magazin Kontraste in diesem Sommer das schwedische Möbelhaus Ikea ins Visier

Das Unternehmen ist Mitglied im FSC und lässt seine Holzprodukte entsprechend zertifizieren. Ein Zulieferer lieferte dem Konzern laut Kontraste über Jahre Holz aus illegalen Rodungen. Allein im Jahr 2020 sollen daraus mehr als zwei Millionen Produkte für Ikea gefertigt worden sein, die geschützten Waldflächen entstammen. Ein anderes Fernsehteam der ARD deckte vor Jahren auf, dass Unternehmen die Holzkohle herstellen und das FSC-Siegel nutzten, dessen Kriterien unterlaufen habe. 2017 wurden daraufhin 21 Unternehmen vom FSC-Siegel suspendiert. „Je erfolgreicher FSC wird, umso häufiger es weltweit präsent ist, desto mehr schwarze Schafe wollen das Siegel missbrauchen“, sagt Wotke. Die Kontrollen würden deshalb auch ständig verschärft. „Es handelt sich bei diesen schwarzen Schafen allerdings um Ausnahmen, auch wenn dies durch den medialen Fokus in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen wird.“
 

Die zehn Prinzipen des FSC International

  1. Einhaltung der Gesetze: Der Forstbetrieb hält sämtliche geltende Gesetze, Verordnungen und internationale Verträge, Konventionen und Vereinbarungen, die auf nationaler Ebene ratifiziert sind, ein.
  2. Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen: Der Forstbetrieb erhält oder verbessert die soziale und wirtschaftliche Situation aller im Forstbetrieb Beschäftigten.
  3. Rechte indigener Völker: Die gesetzlichen und gewohnheitsmäßigen Rechte der indigenen Gruppen hinsichtlich Besitz, Nutzung und Bewirtschaftung von Land, Territorien und Ressourcen, die durch Bewirtschaftungsmaßnahmen betroffen sind, sind vom Forstbetrieb zu identifizieren und aufrecht zu erhalten.
  4. Beziehungen zur lokalen Bevölkerung: Der Forstbetrieb trägt zur Erhaltung oder Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens der lokalen Bevölkerung bei. 
  5. Leistungen des Waldes: Der Forstbetrieb bewirtschaftet den Wald so, dass durch entsprechende Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen die wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die Fülle der sozialen und ökologischen Leistungen des Waldes langfristig erhalten oder verbessert werden.
  6. Auswirkungen auf die Umwelt: Der Forstbetrieb erhält die Ökosystemdienstleistungen und die Umweltgüter des Waldes oder stellt diese wieder her. Negative Umweltauswirkungen durch die Bewirtschaftung werden vermieden, behoben oder abgeschwächt.
  7. Management: Der Forstbetrieb hat ein Management, das Leitbild und Ziele im Verhältnis zu Umfang, Intensität und Risiko der Bewirtschaftung definiert. Dieses setzt er basierend auf Monitoring-Ergebnissen um und aktualisiert es, um ein adaptives Management zu fördern. Er gestaltet die damit verbundene Planung und Verfahrensdokumentation so, dass sie in ausreichendem Maß Beschäftigte anleitet, betroffene und interessierte Stakeholder informiert und als Grundlage für betriebliche Entscheidungen dienen kann.
  8. Monitoring und Bewertung: Der Forstbetrieb weist nach, dass er die Fortschritte bei der Erreichung von Betriebszielen sowie die Auswirkungen von Bewirtschaftungsmaßnahmen und den Zustand des Waldes kontrolliert und auswertet, um adaptives Management umzusetzen. Dies erfolgt im Verhältnis zu Umfang, Intensität und Risiko der Bewirtschaftung.
  9. Besondere Schutzwerte: Der Forstbetrieb erhält oder verbessert den Zustand besonderer Schutzwerte im Wald durch die Anwendung des Vorsorgeprinzips.
  10. Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen: Die Auswahl und Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen, die durch oder für den Forstbetrieb im Wald ausgeführt werden, müssen den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen des Forstbetriebes entsprechen und mit sämtlichen Prinzipien und Kriterien des FSC konform sein.
LKW transportiert illegal geschlagenes Holz aus dem Amazonas-Regenwald, Mato Grosso, Brasilien. © imago stock&people
Illegaler Holzhandel gehört zu den weltweit größten Kriminalitätsschwerpunkten. Auch FSC kann davor nicht komplett schützen, schafft aber größere Transparenz und hilft dabei, Missstände aufzudecken. © imago stock&people

Eine WWF-Studie über den gesamten Markt zeigte, in welch schwierigem Umfeld der FSC sich bewegt: Der illegale Holzhandel rangiert weltweit auf Platz drei der transnationalen organisierten Kriminalität. 15 bis 30 Prozent der Holzimporte, die die EU erreichen, stammen aus illegalem und den Wald schädigenden Holzeinschlag. „Der FSC ist nicht perfekt, aber gibt uns das anspruchsvollste Siegel an die Hand, das wir zurzeit international finden können“, sagt Susanne Winter, Programmleiterin Wald im WWF Deutschland. „Durch verschiedene Mechanismen, bis hin zum Entzug des Zertifikats, kann der FSC auf Missstände reagieren.“ Dies sei ein guter Weg, Schritt für Schritt mehr Transparenz zu schaffen. „Eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft kann helfen, Wälder vor einer weiteren Zerstörung oder gar Entwaldung zu bewahren.“ Deshalb setzte der WWF sich mit konkreten Forderungen dafür ein, den FSC besser zu machen und weiterzuentwickeln. 

Ein Holzfäller beim Schneiden eines gefällten Iroko-Baums in der Pallisco-Abholzungskonzession in Kamerun. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
Ein Holzfäller beim Schneiden eines gefällten Iroko-Baums in der Pallisco-Abholzungskonzession, Kamerun. Pallisco ist FSC-zertifiziert. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Da sich zum Beispiel die nationalen FSC-Standards in ihren Ansätzen unterscheiden, sind auch die Ergebnisse der Praktiken unterschiedlich. „Wenn die FSC-zertifizierte Waldbewirtschaftung im Vergleich zu nicht-zertifizierter Bewirtschaftung eine kaum bessere ökologische Leistung zeigt oder die Auswirkungen nicht bekannt sind“, so Winter, „sollte man andere Ansätze bevorzugen, um die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung zu erhöhen.“ Ein weiterer Punkt, an dem Handlungsbedarf besteht: Einige FSC-Auditoren wurden bedroht, wenn sie in Ländern mit risikoreicherem Umfeld Korrekturmaßnahmen erwähnten. Hier dringt der WWF ebenso auf wirksame Gegenmaßnahmen. 

Das FSC-Siegel

  • FSC 100 % wird Produkten verliehen, deren Holzanteil vollständig aus FSC-zertifizierten Wäldern stammt. Man findet es vor allem auf Vollholzprodukten, etwa auf Sägeholz oder Möbeln.
  • FSC Recycled findet sich auf Produkten, die ausschließlich aus FSC-Recyclingmaterial bestehen, zum Beispiel Papier.
  • FSC Mix steht für Produkte, deren Materialien aus FSC-zertifizierten Wäldern oder Recycling und kontrollierten Quellen kommen. Das können zum Beispiel Spanplatten, Papier und Getränkekartons sein. Beim Mix-Label müssen mindestens 70 Prozent der gesamten Holzmenge eines Unternehmens aus FSC-zertifiziertem oder zugelassenem Recyclingmaterial bestehen. Das Label bezieht sich ausschließlich auf Teile des Produkts, die aus dem Wald stammen. Es trifft keinerlei Aussagen über Herstellung oder Qualität von weiteren Materialien am Produkt (etwa Kunststoff). Zur Kennzeichnung von Produkten muss das verarbeitende Unternehmen FSC-zertifiziert sein.

Optimierung notwendig

Blick auf eine WWF-Waldfläche in der Uckermark, Deutschland. © Fabian Schuy / WWF
Der WWF lässt als erste Nichtregierungsorganisation eigenen Wald nach FSC zertifizieren. In der Uckermark sollen rund 1.500 Hektar an zwei Standorten langfristig wieder zu Wildnis werden. © Fabian Schuy / WWF

Weil sie in den letzten 26 Jahren komplexer geworden ist, muss auch die Organisation des FSC neu überdacht werden. Vor allem kleinere Nichtregierungsorganisationen können dadurch nicht immer Schritt halten. Die drei FSC-Kammern haben zwar nach wie vor gleiches Stimmrecht. „Dennoch ist die Wirtschaftskammer aufgrund der höheren Mitgliederzahl und der größeren und dauerhaften Ressourcen mächtiger geworden“, erläutert Winter. „Die geringere Stärke der Umweltkammer spiegelt sich in der geringen Mitgliederzahl, den Personalwechseln mit häufigerem Verlust von FSC-Experten wider.“

Ein weiterer Aspekt, den der WWF am FSC verbessern möchte: Unter den vielen unterschiedlichen nationalen Waldstandards gibt es einige, die dem deutschen Standard deutlich unterlegen sind – vor allem was die ökologischen Aspekte bei der Waldbewirtschaftung angeht. Nicht nur global betrachtet, auch in vielen Ländern Europas ist Kahlschlag ein übliches – also auch legales – Verfahren, das sich in vielen nationalen FSC-Standards wiederfindet. Trotz hoher forstwirtschaftlicher Standards in Deutschland, heben die Prinzipien des FSC auch hierzulande das ökologische Niveau.

Die Struktur des FSC

Den Ausgleich der Beteiligten innerhalb des FSC soll ein Drei-Kammer-System garantieren: Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Einem Beschluss muss jede Kammer zustimmen. Umweltschutzorganisationen und soziale Gruppen (etwa indigene Völker und Gewerkschaften) können ebenso wenig überstimmt werden wie Wirtschaftsvertreter (Forstbetriebe und die holzverarbeitende Industrie).

Das FSC-Siegel wird auf nationaler Ebene vergeben, wofür eine entsprechende Arbeitsgruppe des FSC gegründet werden muss, die ebenfalls nach dem Drei-Kammer-System organisiert ist. Sie schafft Standards, die sich an den internationalen Richtlinien des FSC und den Rahmenbedingungen des jeweiligen nationalen Rechts orientieren.

Der WWF unterstützt die Arbeit des FSC und rät dazu, beim Einkauf von Papier-, Pappe- und Holzprodukten auf das FSC-Siegel zu achten.
 

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