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Stand: 01.08.2018

Wie steht der WWF zur Trophäenjagd?

Der WWF hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Natur zu bewahren. Eine gewaltige Aufgabe. Seit 1970 sind die Wildtierpopulationen global um mehr als die Hälfte geschrumpft. Für erfolgreichen Artenschutz braucht es eine ganze Palette von Maßnahmen, Ansätzen, Strategien und Ideen. Die Trophäenjagd kann nach Auffassung des WWF nur in einem extrem engen Rahmen dazu gehören.

Bei der Trophäenjagd handelt es sich um eine Form des Jagdtourismus, bei dem Hobby-Jäger (vor allem aus Nordamerika und Europa) viel Geld dafür bezahlen, besondere Wildtiere erlegen zu dürfen. Solche Jagden werden üblicherweise von Reiseunternehmen angeboten. Die Jäger sollten dabei von erfahrenen Scouts zu den zugewiesen Tieren geführt werden und dürfen nach dem Erlegen Teile des Tieres als Trophäe behalten. Die Jagd-Unternehmen erwerben vom Staat Jagd-Konzessionen. Die jagdbaren Wildtiere sind mit einem Quotensystem limitiert. Die einzelne Abschusslizenz kostet Geld, bis zu sechsstellige Beträge. Ein wesentlicher Teil davon soll dem Naturschutz und den Menschen vor Ort zu Gute kommen.

Im Naturschutz sind Maßnahmen besonders wirksam, wenn die Menschen von ihnen profitieren. Erhält “Umwelt” einen Wert, steigen die Anreize, diese zu bewahren. Diesen Ansatz verfolgt der WWF in vielen Projekten weltweit. Der WWF sucht dabei immer nach Möglichkeiten, diese Inwertsetzung von Natur auch ohne Jagdtourismus zu erzielen – ob durch Fototourismus, alternative Einkommensquellen, landwirtschaftliche Beratungsdienste oder Zugang zu Märkten. Gleichzeitig ist Jagdtourismus nur eine Möglichkeit unter vielen, Naturschutzarbeit zu finanzieren.

Mensch-Tier-Konflikte in Afrika

Die Trophäenjagd wird nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch unter Tier-, Arten- und Naturschützern widersprüchlich bewertet. Der WWF lehnt jede Jagd ab, die Arten oder Lebensräume bedroht. Auch der Trophäenjagd steht der WWF ablehnend gegenüber. Nur in einem extrem engen Rahmen ist der WWF bereit, nach strenger Prüfung Trophäenjagd als ein Naturschutzinstrument in Kombination mit anderen Maßnahmen zu tolerieren. Diese sind in einer ausführlichen Position dargelegt.

Ganz abgesehen von moralischen Aspekten hat sich gezeigt, dass Trophäenjagd zum Naturschutz häufig nicht funktioniert. Zu viele Tiere werden geschossen, Regulationen werden nicht hinreichend umgesetzt und das Geld fließt in die falschen Kanäle. Deswegen spricht sich der WWF in den allermeisten Fällen gegen Trophäenjagd aus. In Sambia hat der WWF daher beispielsweise ein Moratorium der Regierung auf Löwen-Trophäenjagd unterstützt, das zu einer Erholung der Löwenbestände beigetragen hat. Auch in Kenia unterstützt der WWF ein Moratorium der Trophäenjagd auf bedrohte Arten, weil die Regulierungssysteme aktuell unsere Bedingungen an Trophäenjagd nicht erfüllen können.

Trophäenjagd hatte aber auch schon positive Effekte für den Artenschutz. Es gibt gut dokumentierte Belege dafür, dass streng kontrollierte Trophäenjagd eine effektive Artenschutzmaßnahme sein kann, bei der sowohl Naturschutz als auch die Gemeinden vor Ort profitieren.

Das Beispiel Namibia

Mitte der 1990er Jahre waren die Wildtierbestände auf einem historischen Tiefstand.  Dann übergab die Regierung die Verantwortung für den lokalen Naturschutz weiter an die Gemeinden. Conservancies heißen die dabei entstandenen Gemeinde-SchutzgebieteSie bringen Einkommen für über 180.000 Menschen auf einer Gesamtfläche etwa der halben Größe Deutschlands. Seit dort eine streng regulierte Trophäenjagd erlaubt ist, haben sich die Wildtierbestände wieder erholt. Heute leben in Namibia die weltgrößte Population an Geparden und Spitzmaulnashörnern und eine wachsende Zahl an Elefanten, Löwen und Giraffen.

 

Das Beispiel Pakistan

In Pakistan hat die Trophäenjagd auf Schraubenziegen lokalen Gemeinden über die Jahre Mehreinkünfte von fast zwei Millionen Euro gebracht. Die Bestände der Schraubenziege haben sich währenddessen mehr als verdreißigfacht. Die Menschen arbeiten nicht mehr als Jäger, sondern als Guide oder als Ranger, und die Schraubenziege selbst wird auf der Internationalen Roten Liste nicht mehr als bedroht geführt. Zwölf Schraubenziegen dürfen landesweit pro Jahr geschossen werden. Dazu kommt, dass in dieser unwirtlichen Bergregion alternative Tourismusformen kaum möglich sind.

Das Problem Trophäenjagd

Trotz dieser Positivbeispiele ist klar: Trophäenjagd funktioniert lange nicht überall. Zu viele Tiere werden geschossen, Regulationen funktionieren nicht. Regeln werden nicht hinreichend umgesetzt und das Geld kommt nicht ausreichend bei der lokalen Bevölkerung und dem Naturschutz an. Gleichzeitig ist Trophäenjagd vor allem in Teilen Afrikas Teil der Realität. Nichtsdestotrotz sucht der WWF stets nach Artenschutzansätzen, die ohne Jagdtourismus auskommen.

   
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