Die Heizung macht in privaten Haushalten bis zu 75 Prozent des Energieverbrauchs aus. Entsprechend groß ist hier der Hebel, um angesichts rasant steigender Heizkosten Geld zu sparen – und dabei auch noch Klima und Umwelt zu schonen.

Mit schwarzem Humor auf der einen und zunehmender Sorge auf der anderen Seite schauen derzeit Viele auf den kommenden Winter. Bevor man sich jedoch tatsächlich zuhause auf dem Sofa in Wollpullis und Decken hüllen muss, gibt es noch so manches Einsparpotenzial bei den Heizkosten, das das Haushaltsbudget um mehrere hundert Euro pro Jahr entlasten kann. Denn laut Heizspiegel 2021 zahlen 90 Prozent aller Haushalte zu viel fürs Heizen und könnten durchschnittlich fast 500 Euro pro Jahr sparen. Kennen Sie schon die folgenden Tricks?

Die richtige Raumtemperatur einstellen

Heizungsthermostat © Volodymyr Kalyniuk / GettyImages
Achten Sie auf die richtige Temperatur in jedem Raum © Volodymyr Kalyniuk / GettyImages

Wird die Raumtemperatur nur um ein Grad gesenkt, ergibt das bereits eine Ersparnis von 5 bis10 Prozent! Die empfohlenen Temperaturen für ein gutes Wohnklima sind 20 Grad Celcius für Wohnzimmer und Kinderzimmer sowie 16 bis 18 Grad für Schlafräume. Wem das zu kühl erscheint, um gut schlafen zu können, legt sich einfach eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen an die Füße.

In der Küche genügt es sogar, den Heizkörper auf 15 Grad einzustellen, da die Abwärme von Kühlschrank, Herd, Backofen und anderen Geräten die Raumtemperatur noch erhöht.

Thermostatventile nachrüsten

Sind die Heizkörper mit Thermostatventilen ausgestattet, lässt sich die Raumtemperatur individuell und auf das Grad genau regulieren. Ideal sind programmierbare elektronische Thermostatventile, mit deren Hilfe die Heiztemperatur während der Abwesenheit automatisch auf 15 Grad Celcius gesenkt und zum Zeitpunkt der Rückkehr wieder erhöht werden kann. Thermostatventile kann man leicht nachrüsten – es gibt sie im Baumarkt oder beim Installateur.

Effizient heizen

Heizung entlüften © GettyImages
Regelmäßig entlüften ist wichtig © Getty Images

Heizungen sollten regelmäßig entlüftet werden, da sie sonst ineffizient werden, und einmal im Jahr vom Schornsteinfeger beziehungsweise einem Handwerker überprüft werden.

Vor den Heizkörpern sollten sich außerdem keine Möbelstücke oder langen Vorhänge befinden und auch nichts darauf liegen, sonst verteilt sich die Wärme nicht im Raum.

Wärme in der Wohnung und im Haus halten

Geschlossene Vorhänge und Rollläden haben nachts ihren großen Auftritt, wenn die Heizkörper abgedreht sind: Sie verringern den Wärmeverlust durch Fenster um ein Fünftel. Es lohnt sich außerdem, die Dichtungen der Fenster zu überprüfen. Zieht es rein? Dann schnell selbstklebende Dichtungsgummis im Baumarkt besorgen und anbringen! Oder die Fenster gegen moderne austauschen.

Nur im Notfall mit Strom heizen

Steigende Gaspreise und drohende Knappheit haben in den letzten Monaten Hamsterkäufe bei Strom betriebenen Radiatoren ausgelöst. Bei aller Sorge, im Winter frieren zu müssen: Heizlüfter und Elektroheizungen sind ineffizient und dadurch im Dauerbetrieb echte Energie- und Geldverschwendung. Man sollte sie also wirklich nur im Notfall einsetzen.

Richtig lüften

Offenes Fenster © Felipe Dupouy / GettyImages
Lieber Fenster kurz ganz öffnen statt stundenlang kippen © Felipe Dupouy / GettyImages

Der Begriff Stoßlüften ist seit der Coronapandemie ein geflügeltes Wort. Es ist jedoch nicht nur eine Hygiene- sondern auch eine effiziente Sparmaßnahme beim Heizen. Denn Frischluft lässt sich aufgrund des geringeren Feuchtigkeitsanteils besser erwärmen als abgestandene Luft. Und gesünder, da sauerstoffhaltiger, ist sie obendrein.

Beim Stoßlüften werden alle Fenster für maximal fünf Minuten sperrangelweit geöffnet. Das genügt für einen Luftaustausch in der Wohnung, ohne dass diese vollkommen auskühlt. Vor dem Öffnen der Fenster sollten die Heizkörper herunter gedreht bzw. die Thermostatventile geschlossen werden.

Warmwasser sparen

Zu den Heizkosten gehören auch die Kosten für Warmwasser. Rund 44 Liter Wasser verbrauchen die Deutschen durchschnittlich pro Tag für die Körperpflege und ein Großteil davon wird erwärmt. Hier lässt sich zum einen Energie sparen, indem man kaltes Wasser verwendet, wo dies keinen Unterschied macht, zum Beispiel beim Händewaschen.

Beim Duschen lässt sich außerdem ganz grundsätzlich Wasser sparen, indem man einen Sparduschkopf oder Wasserspar-Perlatoren, die die durchfließende Wassermenge reduzieren, installiert. Und beim Einseifen auch einfach die Dusche abstellt.

Die Heizung nachrüsten

Neue Heiztechnologie wie eine Wärmepumpe hilft beim Energie sparen © David Bebber / WWF-UK
Neue Heiztechnologie wie eine Wärmepumpe hilft beim Energie sparen © David Bebber / WWF-UK

Die Hälfte der rund 21 Millionen in Deutschland installierten Heizungen sind veraltet. Die Folge sind zu hohe Heizkosten sowie Kosten für Reparaturen, verschwendete Wärme und vermeidbare klimaschädliche CO2-Emissionen. Ein Großteil der Emissionen geht auf das Konto alter und besonders klimaschädlicher Öl- und Gasheizungen.

Angesichts explodierender Energiekosten lohnt es sich selbst für Mieter und erst recht für Hausbesitzer, ihre Heizungen zu überprüfen. In so mancher Anlage schlummert ungeahntes Potenzial zum Klimaschutz und zur Senkung der Heizkosten. Eine Neuanschaffung ist oft nicht nötig und die einmaligen Kosten für eine Optimierung haben sich schnell amortisiert.

Beispielsweise kann es sich lohnen, den hydraulischen Abgleich zu überholen, der die Menge an Heizwasser steuert, welches die Heizungspumpe durch die Rohre pumpt. Um bis zu 15 Prozent lässt sich dadurch der Energieverbrauch senken. Veraltete Heizungspumpen sind ebenfalls echte Energiefresser – und ein Pumpenaustausch wird durch das BAFA gefördert.

Gedämmte Heizungsrohre sparen jährlich pro Meter Heizungsrohr zwischen elf und 19 Euro Heizkosten und mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich die Dämmschalen selbst anbringen. Ein riesiges Einsparpotenzial bieten auch die bereits oben erwähnten Thermostate. Weitere Informationen finden sich im WWF-Ratgeber für klimafreundliche Heizsysteme.

Wann sich eine neue Heizung lohnt

Die Bundesregierung will, dass bis 2030 die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugt wird. Um das zu erreichen, muss die Wärmewende bei Wohngebäuden gelingen – weg von fossilen Brennstoffen hin zu klimaschonenden Energien. Der Wechsel zu erneuerbaren Energien wird daher gefördert. Und: Bereits nach 15 Jahren laufen Heizungen nicht mehr effizient! Zu hohen Heizkosten bedeuten Risikoausfälle und teure Reparaturen.

Die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Heizungsarten von Wärmepumpe über Brennstoffzellenheizung, Pelletheizung, Holzscheitkessel bis hin zur Solarthermieanlage erläutert der WWF-Ratgeber für klimafreundliche Heizsysteme und führt Schritt für Schritt zur passenden neuen Heizung.

Womöglich steckt selbst in der Energiekrise etwas Positives, nämlich dass wir unseren Verbrauch einmal ganz grundsätzlich und kritisch unter die Lupe nehmen – und am Ende trotz höherer Preise womöglich sogar Geld sparen. Und obendrein unnötige, klimaschädliche Emissionen sparen.

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