Wir alle freuen uns über Igel im Garten. Aber mittlerweile sehen wir sie immer seltener. Das liegt an Pestiziden, Straßenverkehr und dem Insektensterben – aber auch an Mährobotern, die Igeln schwere Verletzungen beibringen, an denen sie in aller Regel sterben. Gerade nachts und in der Dämmerung treffen Igel immer häufiger auf Mähroboter, die ihnen nicht ausweichen.
Das Problem: Igel fliehen nicht
Igel sind im Frühjahr nach dem Winterschlaf, aber auch im Sommer und Frühherbst in Gärten auf Futtersuche.
Bemerken sie den Rasenmäher-Roboter, ist er meist schon sehr nah. Und dann wird den Tieren ihr Abwehrverhalten zum Verhängnis: Igel laufen bei Gefahr bekanntlich nicht weg, sondern rollen sich zu einer Kugel zusammen. Das hilft gegen tierische Feinde, aber nicht gegen die Messer des Mähroboters.
Damit der heimische Igel uns erhalten bleibt, setzt der WWF sich zusammen mit anderen Verbänden für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter ein.
Fast die Hälfte der Igel überlebt nicht
Für die autonomen Rasenmäher sind Igel nur ein kleines Hindernis wie Äpfel oder Birnen. Die Mähroboter überrollen die Tiere und verursachen schlimmste Verletzungen: Die Messer skalpieren die Igel, trennen Gliedmaßen ab oder schneiden in ihre Schnauzen.
Am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) wurden 2023 hunderte Fälle von Schnittverletzungen durch Mähroboter analysiert. Die meisten verletzten Igel werden demnach erst Tage oder sogar Wochen nach dem Unfall gefunden.
Auch die eher leichten Verletzungen können später zu schweren Entzündungen etwa durch Ablage von Fliegeneiern in den Wunden und damit zum Tod führen. Knapp die Hälfte der aufgefundenen Igel überlebten die Verletzung nicht oder mussten eingeschläfert werden.
Die Bestände des Igels sinken
Das ist inzwischen nicht mehr nur ein trauriges Tierschutzproblem: Der Bestand des Braunbrustigelsist rückläufig. 2020 wurde der Igel auf die Vorwarnliste der Roten Liste gesetzt.
Die Gründe sind natürlich nicht nur Mähroboter: Land- und Forstwirtschaft lassen den natürlichen Lebensraum des Igels schwinden. Sehr viele Igel fallen dem Straßenverkehr zum Opfer. Die Zahl seiner Futtertiere sinkt. Und aufgeräumte Gärten bieten wenig geeignete Nist- oder Überwinterungsmöglichkeiten.
Wir fordern ein Nachtfahrverbot für Mähroboter
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Immer mehr Städte diskutieren oder verhängen Nachtfahrverbote für Mähroboter, doch bedarf es dringend einer bundesweiten Regelung.
Der WWF fordert zusammen mit anderen Umwelt- und Tierschutzverbänden die Bundesregierung auf, dass politische Maßnahmen wie ein Nachtbetriebsverbot für Mähroboter bei der geplanten Nivellierung des Tierschutzgesetzes endlich umgesetzt werden. Unterstützt wird die Initiative vom Deutschen Städtetag.
Durch ein bundesweites Verbot des Einsatzes von Mährobotern von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang, könnte das Risiko für den Tod zahlreicher Igel deutlich gesenkt werden. Es ist ein wichtiger Baustein für den Schutz des Igels, aber auch für andere Tier wie Reptilien, Amphibien und Insekten.
Was können Sie tun, um Igel-sicher mit dem Mähroboter zu mähen?
- Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Mähroboter – wenn überhaupt – am besten um die Mittagszeit einsetzten, nie in der Dämmerung oder bei Nacht.
- Mähroboter immer unter Aufsicht arbeiten lassen! Auch bei Tag lohnt es sich, den Rasen vorher abzusuchen. Hungrige Igel halten sich nicht an Uhrzeiten.
- Lieber seltener mähen, denn: Ein kurz geschnittener Golfrasen ist aus biologischer Sicht wertlos. Mähroboter sind auch gefährlich für andere Kleintiere wie Kröten, Insekten, Larven und Würmer.
- Häufiges und gründliches Mähen nimmt außerdem Igeln und anderen Tieren ihre Nahrungsgrundlage, denn es schmälert die Artenvielfalt des Gartens. Es fehlen Blüten und Kräuter – Nahrung für Insekten, die wiederum die Nahrung für Igel sind.
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