Es kommt vor, dass Wildtiere unsere Hilfe brauchen. Finden Sie ein verletztes oder krankes Tier, heißt es, einen kühlen Kopf bewahren, damit Sie sich und Ihre Familie nicht gefährden und dem Tier bestmöglich helfen können.
Heimische Wildtiere zu beobachten und kennenzulernen ist für kleine Tierliebhaber:innen und große Naturfreund:innen hochinteressant. Manchmal brauchen die Tiere auch unsere Unterstützung oder Hilfe. Dann ist es gut, wenn Familien wissen, was zu tun ist!
Tiere beobachten macht allen Spaß!
Haben Sie das Zirpen der Heuschrecke gehört? Den schnuppernden Igel auf der Wiese gesehen? Den Vögeln beim Wasserbad und den Eichhörnchen beim Nüssesuchen zugeschaut? Tiere beobachten ist für Kinder und Erwachsene ein spannender Zeitvertreib und auch Jugendliche sind oft fasziniert.
Ob Rehe auf einer Waldlichtung, Insekten im Blütengarten oder kleine Nager im Unterholz: Nicht nur in der Savanne gibt es Wildtiere zu beobachten. Auch bei uns huschen, kriechen, schwimmen und fliegen auf Wiesen und in Wäldern, selbst in Gärten und Parks sind allerhand kleine und große Tiere zu finden. Die meiste Zeit halten sie sich versteckt, doch wenn Sie ganz genau hinschauen und hinhören, werden Sie das ein oder andere heimische Wildtier beobachten können.
Egal, ob Sie in der Stadt leben oder auf dem Dorf, in den Bergen oder am Meer: Wildtiere gibt es überall. Packen Sie Ihr Fernglas ein und planen den nächsten Familienausflug zum Beispiel in den Wald, an den See oder sogar zum Wattenmeer. Von Tierspuren bis zu Wildtierhaaren: Selbst im nächsten Park und im eigenen Garten gibt es viel zu entdecken. Lassen Sie sich überraschen von der vielfältigen Tierwelt, die Ihre Heimat zu bieten hat!
Tieren helfen vor der eigenen Haustür
Igeln helfen
Igel sind oft in unserer Umgebung anzutreffen. Karin Oehl betreibt seit mehreren Jahrzehnten in Pulheim eine Igel-Auffangstation und hat alle Hände voll zu tun.
Sie sind schon seit 1973 für Igel im Einsatz. Gibt es heute mehr Igel-Notfälle als früher?
„Ja, es gibt deutlich mehr Igel-Notfälle als früher und dafür gibt es viele Gründe: Kleiner werdende Lebensräume und mehr Verkehr, in privaten Gärten erschweren Zäune, Steingärten, Mähroboter und Teiche, aus denen die Igel nicht wieder herausklettern können, das Leben. Außerdem geht die natürliche Nahrungsvielfalt zurück, denn Igel sind ja Insektenfresser. Jetzt müssen sie oft Schnecken und Würmer fressen, die teilweise Parasiten haben.“
Wann und wieso werden die Tiere zu Ihnen gebracht?
„Igelfreunde, die ein verletztes oder schwaches Tier finden, rufen an und möchten das Tier sofort bringen. Aber auch Tierärztinnen und Tierarzthelfer oder Katzenbetreuerinnen, die am Futterplatz kranke oder verletzte Igel finden, bringen die Tiere und oft ist Eile geboten, damit man noch helfen kann.“
Darf ich einen hilfsbedürftigen Igel mit nach Hause nehmen und selbst pflegen?
„Davon rate ich ab, denn viele solcher Pflegeversuche sind lebensbedrohlich für die Tiere, weil das Fachwissen rund um Überwinterung und das richtige Futter fehlt. Aber jede Igelstation ist froh, wenn Finderinnen und Finder die Igel nach einer ausführlichen Beratung zu Hause weiter versorgen, sobald ein Igel stabil ist. Igelstationen sind keine Abgabestellen, sondern eher wie Krankenhäuser, die akut versorgen, dann aber möglichst Finderin oder Finder die Verantwortung übergeben. Igelstationen werden privat organisiert und finanziert und sind auf die Unterstützung von Igelfreunden angewiesen, die die Igel bringen und bei der Pflege helfen.“
Vögeln helfen
Wenn junge Vögel aus dem Nest gefallen sind, beobachten Sie sie erst eine Weile. Oft sind das schon die ersten Flugübungen und die Eltern kommen bald und füttern noch. Ganz kleine Vögel darf man vorsichtig zurück ins Nest setzen, der Menschengeruch stört die Eltern nicht. Ist das nicht möglich oder ist ein erwachsenes Tier verletzt, fragt ihr am besten in einer Auffangstation
Helfen Sie mit, Brutplätze für Eulen zu schaffen und bauen Sie einen Brutkasten für eine Schleiereule – für Ihren Garten oder einen anderen passenden Platz. Sprechen Sie gerne mal mit der Försterin oder dem Naturschutzbeauftragten Ihrer Stadt, wie diese Plätze geschützt und noch eulenfreundlicher werden können.
Unser Tipp:
Schon kleinere Kinder können dafür sorgen, dass immer Futter und Wasser bereitstehen und regelmäßig aufgefüllt werden. Das fördert ganz nebenbei das Verantwortungsbewusstsein!
Fledermäusen helfen
Bauen Sie zum Beispiel gemeinsam ein eigenes Fledermaushaus. Fertige Fledermaus-Nisthöhlen gibt es auch im Zoofachgeschäft.
Sollten Sie eine Fledermaus am Boden finden, beachten Sie folgende Punkte um ihr zu helfen:
1. Liegt sie matt am Boden oder ist erkennbar verletzt?
Ziehen Sie möglichst Handschuhe an (eine Fledermaus kann beißen und in seltenen Fällen Krankheiten übertragen) und nehmen Sie das Tier vorsichtig auf. Setzen Sie die Fledermaus vorsichtig in einen Schuhkarton oder Ähnlichem mit weichem Tuch darin und bringen Sie die Fledermaus zum Tierarzt.
2. Ist die Fledermaus unverletzt, nackt und hat einen erkennbaren dunklen Punkt auf der Unterlippe?
Dann ist es ein Jungtier, das vermutlich noch nicht fliegen kann. Nehmen Sie es ebenfalls möglichst mit Handschuhen vorsichtig auf und wärmen es in Ihren Händen. Dann schauen Sie am Fundort nach dem Nest, wo seine Familie lebt. Bringen Sie das Tier möglichst nahe an das Nest, damit es von dort allein hineinklettern kann. Oder wo die Mutter es hintragen kann.
3. Wenn das nicht klappt oder Sie nicht wissen, wo das Nest ist:
Dann bringen Sie das Jungtier am besten in einem Pappkarton zum Tierarzt oder zu einem Fledermausexperten in Ihrer Nähe.
4. Fledermaus versorgen - wie geht das?
Sind Ärztinnen oder Experten nicht gleich zu erreichen, können Sie die Fledermaus auch für ein paar Stunden selbst versorgen. Versuchen Sie, dem Tier Wasser zum Trinken anzubieten – mit einer Pipette oder einem Teelöffel seitlich ans Maul. Auch Streichhölzer oder Esstäbchen eignen sich gut, um den Tieren Wasser zu geben. Achten Sie aber darauf, dass kein Wasser in die Nase gelangt.
- Fledermaus gefunden — Was tun? Tipps von der Autorin Samantha Look
Ein tierisches Wochenende liegt hinter Samantha Look: Sie hat eine hilflose Fledermaus gefunden. Wie die meisten war auch sie zunächst ratlos - deshalb gibt es hier ein paar nützliche Tipps.
Tipp: Handschuhe schützen vor Bissen
Hier schonmal der erste wichtige Tipp: Wenn Sie eine Fledermaus anfassen, dann nur mit Handschuhen! Denn Fledermäuse haben sehr spitze Zähne und können kräftig zubeißen. Außerdem ist es in seltenen Fällen möglich, dass sie Krankheiten übertragen. Wenn Sie gebissen werden, sollten Sie sich also umgehend an einen Arzt wenden.
Fledermaus gefunden: Fachkundige Hilfe nötig!
Einige Telefonnummern von Beratungsstellen sind im Internet für Berlin zu finden. Das Wichtigste sei Wasser, ein kleiner, mit Küchenrolle ausgekleideter Karton und Ruhe. Denn in einem großen Karton können sich Fledermäuse verletzen. Und sie seien super im Ausbrechen, so dass Luftlöcher möglichst klein sein sollten.
Vorsicht: Eine Fledermaus richtig zu versorgen geht nicht ohne Fachkenntnis. Oft geht es den Tieren auch schlechter, als es auf den ersten Blick scheint. Sollten Sie einmal in eine ähnliche Lage geraten, zögern Sie nicht, sofort eine Pflegestelle aufzusuchen oder zumindest gleich mit Fachleuten zu telefonieren!
Essstäbchen tun’s auch
Streichhölzer wurden empfohlen, um der Fledermaus Wasser zu geben. Sollten Sie diese nicht zuhause haben, funktionieren auch Essstäbchen aus Holz. Diese mit der Spitze ins Wasser tauchen und die Fledermaus schleckt das Holz ab. Wichtig ist, das Stäbchen seitlich anzubieten, da die Nasenlöcher sehr nah am Mund sind. Wenn Wasser in die Nase der Fledermaus kommt, kann das zum Ersticken führen.
Auf in die Freiheit, kleine Fledermaus!
Am Abend sollte die Fledermaus in die Natur zu entlassen werden. In einem Waldstück, auf einem passenden Ast, kletterte die Fledermaus aus dem Karton und krabbelte etwas umher, doch auch nach gut zwei Stunden machte sie keine Anstalten zu fliegen.
Neuer Tag, neues Glück?
Die Fledermaus schien am nächsten Tag deutlich fitter zu sein und krabbelte eifrig auf dem Küchentisch herum. Nach Rücksprache mit einer nahen Fledermaus-Pflegestelle sollte an diesem Abend nochmal ein Flugversuch unternommen werden – ansonsten solle sie Montag vorbeigebracht werden. Leider blieb auch dieser Versuch erfolglos.
Auf zur Pflegestelle
Der Fledermauskeller der Zitadelle Spandau nimmt zu jeder Zeit Tiere in Not an. Die Mitarbeiter:innen sind sehr freundlich und es wurde noch einiges Interessantes erklärt.
So war der Findling ein Weibchen und allein in diesem Jahr schon die einundachtzigste abgegebene Fledermaus dort.Nach einer kurzen Untersuchung wurde gesagt, dass sie fit aussieht und äußerlich keine Verletzungen zu erkennen sind. Möglich ist, dass sie etwas an den Schultern oder den Bändern hat, was sie vom Fliegen abhält. Das Wichtigste war, dass sie jetzt in guten Händen ist und hoffentlich ihren Weg zurück in die Natur schafft.
So können Sie als Familie heimische Wildtiere im Garten schützen
- Gestalten Sie einen naturnahen Garten
- Schaffen Sie Zugänge für Tiere
- Lassen Sie Laub und Grünschnitt liegen
- Achten Sie auf Brutzeiten der Vögel beim Beschnitt von Hecken und Bäumen
- Legen Sie einen Komposthaufen an
- Schaffen Sie Nistplätze – gekauft oder selbstgebaut
- Bieten Sie Futter- und Wasserstellen an
Haben Sie keinen Garten und auch keinen Balkon, dann helfen Sie in der Nachbarschaft. Vielleicht gibt es ältere Menschen, die sich Unterstützung wünschen oder Menschen mit wenig Zeit für den eigenen Garten. Bieten Sie als Familie Ihre Hilfe an, den Garten oder Balkon naturfreundlich zu gestalten.
Was kann noch getan werden, um Wildtiere zu schützen?
Ganz besonders wichtig für alle: Achten Sie auf Naturschutzgebiete. Sie sind wichtige Rückzugsgebiete und geben Lebensraum für Tiere und ihre Jungen sowie Platz für viele Pflanzenarten. Trampelpfade und Müll haben in der Natur nichts zu suchen. Wie wäre es, wenn Sie bei Ihren Waldausflügen immer einen Beutel dabeihaben und Abfall gemeinsam mit Ihrer Familie einsammeln und entsorgen?
Geht’s noch wilder?
Immer mehr heimische Wildtiere wie der Fuchs sind inzwischen wegen des größeren Nahrungsangebots in die Städte gezogen. Hier können Sie den Tieren helfen, in dem Sie ihnen, wo es möglich ist, sichere Rückzugsgebiete überlassen.
Auch unter unseren heimischen Wildtieren gibt es bedrohte Arten. Durch verschiedene Naturschutzprojekte in Deutschland setzt sich der WWF für diese Tierarten und ihre Lebensräume ein, damit sie auch in Zukunft bei uns ein Zuhause haben.
Luchs und Wisent in 3-D
Große Wildtiere bekommen Sie normalerweise kaum in freier Wildbahn zu sehen. Mit unseren Augmented-Reality-Tieren in 3-D hingegen können Sie direkt in Kontakt treten, sie in Ihr Wohnzimmer holen und dazu noch spannende Fakten über ihre Merkmale und Fähigkeiten erfahren.
Weitere Informationen
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Familienaktivitäten -
Artenschutz: Projekte für den Erhalt der Artenvielfalt -
Biodiversität