Wenn das Fundament betroffen ist, gilt die höchste Alarmstufe. Uns droht der Verlust von Krill, der marine Nahrungsketten zusammenbrechen lässt. Uns drohen flüchtende Fische, gebleichte, sterbende Riffe und das Verschwinden schützender Mangrovenwälder. Letztendlich ist es die Klimakrise, die all dies verursacht. Unsere Meere werden nicht mehr sein, wie bisher. Wir müssen Schlimmeres verhindern.

Wal braucht Krill. Krill braucht Eis.

Antarktischer Krill / Weddelmeer © naturepl.com / Ingo Arndt / WWF
Antarktischer Krill / Weddelmeer © naturepl.com / Ingo Arndt / WWF

Wie winzige, grasende Kühe fressen sich kleine Leuchtgarnelen durch mikroskopisch feinen Algenrasen unter dem Eis: Der Krill. Das schwimmende Meereis sind seine Weiden. Ohne Eis kein Krill. Und ohne Krill kein Wal, keine Robbe und kein Pinguin. Eine halbe Tonne Krill saugt der Blauwal in einem riesigem Schwarm auf einmal ins Maul. Zahlreiche Fisch- und Seevogelarten sind auf die nahrhaften Krebstiere angewiesen. Krill ist der Grundstein eines komplexen Nahrungsnetzes, der durch schmelzendes Eis verloren geht. Mit verheerenden Konsequenzen für das Ökosystem Meer.

Weit mehr als der Anstieg des Meeresspiegels

„Temperaturen von 20 Grad in der Antarktis gab es seit den Dinosauriern nicht.“ Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland, beobachtet die Entwicklung besorgt. „Abtauende Pole und Gletscherschmelzen in Himalaja oder Alpen bedeuten nicht nur mehr Wasser im System. Wärmeres Wasser dehnt sich auch weiter aus.“ Uns droht ein Meeresspiegelanstieg mit schlimmen Folgen für Mensch und Tier. Selbst das Wattenmeer läuft Gefahr, zu ertrinken: Wo es nicht mehr trockenfällt, gehen Lebensräume und Arten verloren.

Wenn die Hitze im Meer spürbar wird, bleibt die Überflutung der Küsten nicht das einzige Problem. Fische machen sich auf die Suche nach neuem Lebensraum; und Korallen sterben schon heute großflächig ab.

Wo Korallen ihr Herz verlieren

Korallen © Cat Holloway / WWF
Korallen © Cat Holloway / WWF

Im türkisblauen Wasser der Karibik ernten Taucher:innen Eimer voller Korallen in riesigen Unterwassergärtnereien, um sie auf dem Riff wieder anzupflanzen. Seit zehn Jahren züchtet und erforscht der WWF mit seinen Partnern hier Arten, die der Wärme trotzen. Denn Korallenriffe gehören zu den wichtigsten Lebensräumen unseres Planeten. Wie der Krill sind sie ein wichtiger Baustein marinen Lebens, bieten Nahrung, Höhlen und schützen unsere Küsten vor Fluten.

Kleinste Algen in den Korallen halten diese am Leben und sorgen für ihre schillernden Farben. Erwärmt sich das Meer, geraten die Mikro-Algen in Stress, erzeugen giftige Stoffe und werden von den Korallen abgestoßen. Das Riff stirbt, die Korallen bleichen und bröckeln.

„Die weltweite Forschung zeigt, welche Auswirkungen die Klimakrise hat und welche Maßnahmen greifen. Bei einer Erderhitzung von 1,5 Grad werden 70 Prozent der Korallenriffe betroffen sein. Bei zwei Grad alle Riffe!“

Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland

Große Chance Mangroven

Wie lange Finger stecken knorrige Bäume und Sträucher ihre stelzenden Wurzeln in Salzwasser und schlammigen Küstengrund. Mangroven wachsen dort, wo kein anderer Baum überlebt. Sie säumen die Tropen, schützen das Land vor dem Wasser, beherbergen den Nachwuchs zahlreicher Fische. Und Mangroven binden fünfmal mehr CO2 als tropische Regenwälder.

Mangroven Setzling © WWF Kenia
Mangroven Setzling © WWF Kenia

Über ein Drittel aller Mangroven wurde in den letzten Jahrzehnten vernichtet. Die Not an ihren Küsten ist groß, Feuerholz knapp und schädliche Garnelenzucht ein gerne gesehener Wirtschaftszweig.  Durch die Abholzung der Mangroven schwindet mit ihren Fischbeständen eine wichtige Lebensgrundlage. Ein Kreislauf der Zerstörung, der sich immer weiter fortsetzt. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas schützt der WWF Mangroven deshalb gemeinsam mit der Bevölkerung und forstet viele tausend Hektar Mangrovenwälder wieder auf.

Wenn es selbst den Fischen zu warm wird

Auf den Philippinen, in Ecuador und Südafrika weisen WWF-Analysen auf ein weiteres, großes Problem hin: Fischereimöglichkeiten schrumpfen, weil die Fische abwandern. Sardinen, Sardellen, Thunfische werden zu Opfern der Klimakatastrophe des Meeres. Arten, die den Kleinfischer:innen in den Äquatorländern das Überleben sicherten. Diese spüren die Klimakrise deutlich, erkennen die Veränderungen ihres Meeres, kehren ohne oder mit viel kleineren Fischen nach Hause.

Hier wie überall auf der Welt arbeitet der WWF deshalb an Einkommensalternativen, an einem sozialeren Fischereimanagement, einer besseren Überwachung der Großfischerei und der Durchsetzung nachhaltiger Fangmethoden, um Fischbestände nicht zusätzlich zu gefährden.

Klima schützen. Leben retten. Meere bewahren

Unsere Ozeane sind heute so warm wie noch nie. Hitzewellen erschüttern die Unterwasserwelt. Nur umfassende, konsequente und globale Klimaschutzmaßnahmen können die Zukunft sichern.

Doch auch vor Ort und sofort brauchen unsere Meere und die Menschen an ihren Küsten jede Unterstützung, um mit dem zu leben, was schon heute kaum noch umkehrbar ist. Dazu gehört der Schutz des Weddelmeers, der Heimat des Antarktischen Krills. Dazu gehören Forschung und Fischereipolitik. Und dazu gehören vor allem Meeresschutzgebiete weltweit, die Mangroven, Korallen und Fischbestände bewahren und den Meeren eine Chance auf Anpassung an die Klimakrise geben. Setzen Sie sich mit Ihrer Spende für Klima- und Meeresschutz ein!

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