Ob Twitter-Account von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) oder Telegram-Schwurbelgruppe: An vielen Stellen wird aktuell die Angst vor einem Blackout geschürt und Panik verbreitet. Aber was ist überhaupt ein Blackout? Müssen wir uns Sorgen machen? Und was hat die Atomkraft damit zu tun?

Was bedeutet „Blackout“? Und müssen wir im Winter damit rechnen?

Von einem Blackout spricht man, wenn das Stromnetz großflächig und unkontrolliert zusammenbricht. Nicht jeder Stromausfall ist also ein Blackout.

Dass es zu einem Blackout kommt, ist sehr unwahrscheinlich. Die Netzbetreiber in Deutschland haben im Auftrag der Bundesregierung im zweiten Stresstest verschiedene Szenarien für diesen Winter durchgerechnet. Selbst auf Basis des schlechtesten Szenarios rechnen die Netzbetreiber nicht mit einem Blackout. 

Garantieren kann dies natürlich niemand komplett. Aber das Stromnetz wird gut und lückenlos überwacht, so dass die Netzbetreiber auf Krisensituationen reagieren können.

Was heißt das für diesen Winter?

Der Netzbetreiber Amprion rechnet für den Winter mit einer äußerst angespannten Versorgungssituation. Die Gründe dafür seien vielfältig: Die Gasversorgung ist natürlich ein Thema, aber auch die Frage, wie sich die zugespitzte Lage auf dem Energiemarkt in unseren Nachbarländern auswirkt und über welche Kraftwerkskapazitäten wir in Europa insgesamt im Winter verfügen. Amprion betont auf Twitter aber auch: „Die vier Übertragungsnetzbetreiber sorgen seit Jahrzehnten für ein sicheres und stabiles Stromnetz. Wir halten Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht.

Amprion nennt als letztes Mittel, wenn alle anderen Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes nicht ausreichen, die kontrollierte Lastabschaltung. Dabei wird Unternehmen und Privathaushalte für eine kurze Zeit der Strom abgeschaltet und dann wieder zugeschaltet. Im Unterschied zum Blackout sei dieser sogenannte Lastabwurf aber regional und zeitlich begrenzt und zudem gut von den Netzbetreibern zu steuern.

Sicher ist sicher: So können Sie vorsorgen.

Kerzen © Ivan Mikhaylov
Kerzen © Ivan Mikhaylov

Wie gesagt ist ein Blackout sehr unwahrscheinlich. Aber es kann nie schaden, auf einen Ausfall des Stroms vorbereitet zu sein, zu dem es zum Beispiel auch durch Unwetter kommen kann. Viele Tipps hierfür gibt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Als Lichtquellen bieten sich Taschenlampen, Solarlampen und Kerzen an. Das Bundesamt empfiehlt darauf zu achten, dass Mobiltelefone etc. geladen sind oder man geladene Ersatzakkus bereithält. Auch solarbetriebene Batterieladegeräte oder Powerbanks können bei Stromausfall eine Hilfe sein. Gerade für einen langanhaltenden Stromausfall sollte man ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio bereit halten, um Mitteilungen der Behörden verfolgen zu können.

Wäre es nicht sinnvoll, in Deutschland die noch laufenden drei AKW in Betrieb zu behalten?

Atomkraftwerk © Michael Utech / iStock / Getty Images
Atomkraftwerk © Michael Utech / iStock / Getty Images

Statt die günstigen Erneuerbaren und die Stromnetze beschleunigt auszubauen, hat Deutschland zu lange auf klimaschädliche und unsichere fossile Energieträger und Atomkraft gesetzt. Für den WWF Deutschland ist klar: Atom-Strom ist keine Lösung für diese Energiekrise. Und wie gesagt: Die Netzbetreiber halten einen Blackout für sehr unwahrscheinlich. Diese Einschätzung erfolgte nachdem Bundeswirtschafts- und -klimaminister Robert Habecks Entscheidung, zwei AKWs in der Reserve zu behalten, über den Atomausstiegstermin 31. Dezember 2022 hinaus. Der Beschluss ist übrigens ein weiterer klarer Beweis für eine über zwei Jahrzehnte verschlafene Energiewende, insbesondere im Süden Deutschlands. 

Wir erwarten nun, dass die Bundesregierung nicht nur alte fossile Energiepolitik durch neue ersetzt, sondern ebenso ernsthaft bei der Energiewende in die Vollen geht. Die Bundesregierung muss so eine nationale Solar- und Windreserve aufbauen, um Engpässe zu beseitigen und echte Energiesicherheit garantieren zu können. Der Ausweg aus der Krise ist erneuerbar! 

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