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Stand: 17.09.2018

Verhindern, dass den Fischern die Falschen ins Netz gehen

Weniger Beifang bedeutet stabilere Fischbestände sowie gesündere Meere und kann zu mehr wirtschaftlich verwertbarem Fang führen. Daher sind zahlreiche Fischereibetriebe schon dazu übergegangen, auf selektives Fischereigerät umzurüsten. Manchmal bieten sich auch andere, weniger schädigende Fischereimethoden an. 

Taucher versucht erfolglos eine Lederschildkröte aus dem Netz zu befreien.
© Michel Gunther WWF
Taucher versucht erfolglos eine Lederschildkröte aus dem Netz zu befreien.  © Michel Gunther WWF

Der WWF sucht ständig nach Erfindungen, die den Beifang vermeiden. Im Rahmen des Wettbewerbs ‚Smart Gear’ (= schlaues Fanggerät) sind mehrere solcher technischen Innovationen bis zur Marktreife entwickelt worden. Der WWF und seine Partner aus der Fischereiindustrie sorgen dafür, dass diese technischen Trick und innovativen Erfindungen in der praktischen Fischerei eingesetzt werden und so das Leben bislang unschuldig beigefangener Lebewesen retten. 

Schildkröten

Der Einsatz von Rundhaken (rechts) anstelle von J-Haken (links) kann die Beifangrate von Meeresschildkröten signifikant reduzieren. © Jill Hatzai / WWF-US
Der Einsatz von Rundhaken (rechts) anstelle von J-Haken (links) kann die Beifangrate von Meeresschildkröten signifikant reduzieren. © Jill Hatzai / WWF-US

In der Langleinenfischerei wurden zum Beispiel Rundhaken entwickelt. Diese so genannten „Circle Hooks“ unterscheiden sich von den bis dahin ausschließlich verwendeten J-förmigen Haken darin, dass sie kreisförmig und fast ganz geschlossen sind. Eine simple Veränderung mit großer Wirkung: Schildkröten können sich an den Circle Hooks nicht mehr verbeißen, weil der Durchmesser der Haken nun zu groß ist – den Beifang von Schildkröten kann das um bis zu 90 Prozent verringern, ohne den Thunfischfang zu gefährden. Die Schildkröten bekommen höchstens eine leichte Wangenverletzung, wenn sie zuschnappen. Und für die Fischer ist es sehr viel einfacher, die Tiere vom Haken zu befreien.

Wale und Delfine

Es gibt Netze mit akustischen Signalgebern, den so genannten „Pingern“. Ihr Piepton hält die Meeressäuger fern. Eine ebenso gute Lösung ist der Einsatz passiver Reflektoren. Diese „Abschrecker“ (Deterrents) werden im Netz an mehreren Stellen eingehängt. Sie reflektieren und verstärken die Ortungslaute, zum Beispiel das Klicken der Schweinswale. Die Tiere bekommen den Eindruck, sich einem sehr großen Objekt zu nähern und machen einen Umweg um das Hindernis. 

Rochen und Haie

Dieser Hai verendet qualvoll als Beifang im Fischernetz. © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF
Dieser Hai verendet qualvoll als Beifang im Fischernetz. © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF

Durch einen Magneten am Haken einer Langleine oder am Netz können die für magnetische Felder sensiblen Tiere abgehalten werden. Haie besitzen besondere Sinnesorgane, die magnetische Felder wahrnehmen. Werden an den Haken Seltene-Erden-Magneten angebracht (Magneten mit hoher und konzentrierter magnetischer Feldstärke), schreckt dies die meisten Arten ab.

 

Dieser Ansatz ist deshalb besonders attraktiv, weil auf diese Weise eine biologische Eigenschaft der Tiere genutzt wird, um sie vor dem Beifangtod zu bewahren. 

Seevögel

Auch Meeresvögel sind vor dem Tod als Beifang nicht sicher. © Nils Aukan / WWF-Canon
Auch Meeresvögel sind vor dem Tod als Beifang nicht sicher. © Nils Aukan / WWF-Canon

Wird die Langleine mit Gewichten versehen, sinkt der Köder schneller in die Tiefe, und die Vögel erreichen ihn nicht mehr. Farbige Bänder an den Netztauen halten Albatrosse und andere Seevögel auf Abstand und verringern den Beifang von Seevögeln dadurch deutlich. 

"Wertlose" Fische

© Rudolf Svensen / WWF-Canon
© Rudolf Svensen / WWF-Canon

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Netzen, die mit Klappen, Notausgängen und Fluchtschleusen ausgestattet sind. Während der Fang im Netz verbleibt, können ungewollte andere Arten wieder aus dem Netz heraus schwimmen. Dabei kann man sich oft ganz einfach das instinkthafte Verhalten der Fische zunutze machen. Während beispielsweise die Zielart in Stresssituationen prinzipiell nach oben schwimmt, versuchen andere Arten nach unten zu entkommen. Dort gibt es ausreichend große Öffnungen, durch die der Beifang entweichen kann, während die Zielart weiterhin im Netz gefangen bleibt.

   
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