Ob Klimakrise, Artensterben oder Energiewende – das Pflanzen von Bäumen wird oft als eine Art „Wunderwaffe“ gehandelt, die fast alle unsere Probleme löst. Dabei ist die Thematik viel komplexer, als sie zunächst erscheint.

Baumpflanzungen sind kein Allheilmittel

Baumpflanzaktion in der Uckermark © Sonja Ritter / WWF
Baumpflanzaktion in der Uckermark © Sonja Ritter / WWF

Klar ist, dass wir etwas tun müssen, denn unseren Wäldern geht es so schlecht wie nie. Im Bundeswaldbericht 2021 sind die verheerenden Auswirkungen der Dürren der vorangegangenen Jahre deutlich geworden: 277.000 Hektar deutscher Wald, davon die große Mehrheit standortfremde Nadelwälder, sind stark beschädigt oder ganz abgestorben. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als das Saarland oder etwa dreimal so groß wie Berlin. Eben durch die massenhafte Anpflanzung von Nadelbaum-Monokulturen sind wir maßgeblich für dieses neue Waldsterben verantwortlich. Diese Monokulturen bieten zudem nur wenigen Arten einen Lebensraum und tragen so zum Artensterben bei. Ein erneutes Anpflanzen solcher Wälder wäre katastrophal und unverantwortlich.

Laub-Mischwälder, wie sie an den meisten Standorten natürlicherweise vorkommen würden, sind hingegen besser gegen extreme Wetterereignisse gewappnet. Aus diesem Grund ist bei Baumpflanzungen prinzipiell zu hinterfragen, welche Baumarten gepflanzt werden sollen. Bei standortfremden Bäumen ist höchste Vorsicht geboten.

Warum pflanzen wir dann nicht einfach Laubbäume?

Das wird in vielen Forstbetrieben bereits getan. Jedoch scheitert das großflächige Pflanzen neuer Wälder bereits daran, dass wir in Deutschland nicht ausreichend Flächen für Neubewaldung haben. Das bedeutet auch, dass für diese Flächen keine neuen CO2-Zertifikate ausgestellt werden können, denn das würde eine doppelte Berechnung bedeuten. Für die CO2-Kompensation von Unternehmen sind sie somit nicht geeignet.

Pflanzspaten bereit für den Pflanzeinsatz © Sonja Ritter / WWF
Pflanzspaten bereit für den Pflanzeinsatz © Sonja Ritter / WWF

Umso wichtiger ist es, dass wir unsere bestehenden Waldflächen zukunftsfähig machen. Und durchaus kann hier das Nachpflanzen von beispielsweise Eichen und Buchen an Stellen Sinn ergeben, an denen es keine Mutterbäume von Laubhölzern gibt. Also etwa in großflächigen Nadelholzmonokulturen.

Mithilfe von Pflanz-Helferlingen wie Eichelhäher und Co. und gepaart mit einem effektiven Wildmanagement pflanzt die Natur den Wald von ganz allein. Das schafft nicht nur einen strukturreichen, natürlichen Wald, sondern erspart uns auch viel Arbeit. Außerdem sind von der Natur gepflanzte Wälder widerstandsfähiger, da sich das Wurzelwerk von Anfang an am Standort entwickeln konnte. Und so können sie unter anderem auch länger mehr CO2 einsparen. Verabschieden müssen wir uns beim Schutz der natürlichen Prozesse vom Gedanken hochproduktiver Holzäcker. In Zukunft gilt stattdessen Qualität über Quantität.

Wir brauchen jedoch nicht nur Wirtschaftswälder, sondern auch Wälder, in denen die Säge ruht, die Bäume wachsen und alt werden dürfen. Denn besonders die Alters- und Zerfallsphasen der Wälder sind rar in unseren Wirtschaftswäldern. Die Nationalparks Bayerischer Wald und Harz gehen hier mit gutem Beispiel voran, denn hier darf sich der Wald großflächig ungestört durch den Menschen regenerieren. Aber auch der WWF zeigt auf seinen Eigentumsflächen, wie im Laufe der Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte „Urwälder von morgen“ entstehen.

Richtig ist: Alle Bäume binden viel Kohlendioxid (CO2) und wandeln diesen in Biomasse und Sauerstoff um. Sie sind wichtig für das regionale Klima, indem sie Wasser verdunsten und dadurch im Sommer kühlen und den Waldboden vor dem Austrocknen schützen, sie erhöhen den Wasserrückhalt in der Landschaft und reichern Humus im Boden an – auch da ist sehr viel CO2 gebunden.

Zudem sind sie Lebensraum, Nahrungsspender und Erholungsraum für Tier, Pflanze und Mensch zugleich. Die Ökosystemleistungen von Bäumen sind somit vielfältig und für einen lebendigen Planeten essenziell. Mit all diesen positiven Eigenschaften von Bäumen sollte die Frage selbsterklärend sein, ob Baumpflanzungen sinnvoll sind, oder?

Eichensetzlinge © Sonja Ritter / WWF
Eichensetzlinge © Sonja Ritter / WWF

Der WWF hilft der Natur sich selbst zu helfen

Auf über 4.500 Hektar Eigentumsflächen, davon etwa 3.500 Hektar Wald, wollen wir Natur einfach Natur sein lassen. Denn wenn man die Wälder sich selbst überlässt und nur mit minimalen Eingriffen nachhilft, passiert Erstaunliches. Ganz von allein pflanzen sich Buchen, Eichen, Ahorn, Linde und viele weitere Baumarten.

Auf unseren Flächen im Barsdorfer Wald und der Zerweliner Heide in Brandenburg lassen wir Urwälder von morgen entstehen. Eingriffe beschränken wir hier auf ein Minimum, Pflanzungen werden nur in Ausnahmen auf kleinen Flächen vorgenommen. Nur so hat unser Wald auch im Lichte der Klimakrise noch eine Zukunft.

So können Sie helfen