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Stand: 08.08.2018

Ferien (fast) ohne Plastik

Tipps zur Vermeidung von Plastik und überflüssigen Einwegartikeln im Urlaub

Plastik-Müll zu Hause im Alltag vermeiden – das kann mit etwas Einsatz ganz gut klappen. Im Urlaub ist das schon schwieriger: Wir müssen die Einkaufsmöglichkeiten am Urlaubsort erst kennen lernen, wir wollen die Zeit genießen und entspannen und uns auch mal spontan etwas gönnen. Unsere Autorin nimmt uns mit in den Sommerurlaub nach Südfrankreich und zeigt, wie sie versucht auch dort möglichst wenig Plastikmüll zu hinterlassen.

Plastikverpackung am Strand © Greg Armfield / WWF
Plastikverpackung am Strand © Greg Armfield / WWF

8:00 Uhr Aufstehen

Die Sonne hat sich ihren Weg durch einen kleinen Spalt zwischen den Vorhängen gebahnt, schon jetzt ist es richtig warm. Ich springe aus dem Bett und gehe in die Küche unseres Ferienhauses, um Espresso zu kochen. Zu Hause trinken mein Mann und ich immer Cappuccino mit frischer Milch vom Bauernhof im Dorf. Aber hier in den Weinbergen am Mittelmeer ist weit und breit keine Kuh in Sicht. Milch wird im Supermarkt in stabilen, dickwandigen, weißen Plastikflaschen angeboten. Bei unserem Cappuccino-Konsum kämen wir locker auf drei bis vier Plastik-Milchflaschen pro Woche. Für ein kurzes Vergnügen wie den Morgenkaffee ziemlich viel Müll. Also trinken wir hier Espresso.

Tipp 1: Wer keinen Espresso mag und seinen Kaffee unbedingt weißen will, könnte Kaffeeweißer oder Kondensmilch nehmen – die sind zwar leider auch oft in Plastikgläsern oder Dosen verpackt, aber immerhin sehr ergiebig und hinterlassen so am Ende weniger Müll.

9:00 Uhr Einkaufen auf dem Wochenmarkt

Auf dem Markt Gläser abfüllen lassen oder Körbe nutzen © iStock / Getty Images
Auf dem Markt Gläser abfüllen lassen oder Körbe nutzen © iStock / Getty Images

Inzwischen ist der Rest der Familie wach und alle wuseln hungrig in der Küche herum. Im Küchenschrank sind leere Marmeladengläser mit Deckel. In den Rucksack damit und los geht’s auf den Markt: Baguette, Marmelade, Honig, Käse, Salami. Hier gibt’s alles! Und wir dürfen probieren. Lecker! Hinter ein paar Holzkisten steht eine Bäuerin. Die Frau hat Tapenaden zubereitet – ein Mus aus Tomaten, Oliven oder Knoblauch. Etwas umständlich füllt sie das Mus und verschiedene Olivensorten in meine Marmeladengläser statt in die dafür parat stehenden kleinen Plastikschälchen. Vorher wiegt sie die leeren Gläser, damit sie korrekt abrechnen kann. Zwei Männer hinter uns zeigen auf uns und reden laut – dauert ihnen das alles zu lange? Die Bäuerin lächelt. Vielleicht findet sie uns etwas seltsam, weil wir auch jede Plastiktüte ablehnen, die sie für Tomaten, Zwiebeln, Aprikosen und sogar für die Wassermelone anbietet. Aber am Ende gehen Obst und Gemüsevorräte für uns für mehrere Tage über ihren Tresen – ganz ohne Verpackung.

Tipp 2: Markt statt Supermarkt – wer frisch und unverpackt einkaufen will, ist hier richtig. Oft sind Obst und Gemüse auf dem Markt auch deutlich günstiger. Alle Markttermine gibt’s im Internet.

10:00 Uhr Endlich Frühstück

Sind Plastikflaschen irgendwie vermeidbar? © Peter Chadwick / WWF
Sind Plastikflaschen irgendwie vermeidbar? © Peter Chadwick / WWF

Essen haben wir jetzt reichlich. Aber bei über 30 Grad im Schatten muss jeder viel trinken. Das Leitungswasser kommt aus einer Quelle in den Weinbergen, es ist bräunlich-trüb und fließt nur in einem schwachen Strahl. Sedimente lagern sich darin ab, sagt der Freund, von dem wir das alte Bauernhaus gemietet haben. Und: Bitte nur abgekocht trinken. Alles klar. In der Vorratskammer stapeln sich durchsichtige Fünf-Liter-Plastikkanister mit Trinkwasser aus dem Supermarkt - immerhin besser als kleine Plastikflaschen. Ich rechne kurz hoch: Wir sind zu fünft. Wenn jeder von uns täglich mindestens zwei Liter Wasser trinkt, wären das zwei Kanister am Tag. Nach drei Wochen wären wir bei über 40 Kanistern. Ein gigantischer Plastik-Müllberg. Die Lösung ist einfach: Wir kochen Tee. In Thermoskannen abgefüllt, steht er den ganzen Tag literweise parat.

Tipp 3: Tee statt Wasser aus Plastik-Einwegflaschen trinken – das vermeidet im Urlaub den meisten Müll. In warmen Ländern machen das die Menschen ja sowieso schon immer so. Allerdings muss man sich über die Wasserqualität informieren, da neben Keimen auch Schwermetalle oder andere Schadstoffe im Leitungs- oder Quellwasser sein können. Bei einer Hotelübernachtung kann man nach einem Wasserspender fragen, bei dem die Mehrwegflasche aufgefüllt werden kann. Und wenn nichts anderes geht, am besten nach den großen Wasserkanistern im Supermarkt greifen – die sind immer noch besser als die 1-Liter-Flaschen.

11:00 Uhr Ab an den Strand

Jetzt brauch ich dringend eine Abkühlung. Aber vorher: Mit Sonnencreme eincremen. Keiner von uns mag das klebrige Zeug aus der Plastik-Flasche auf dem Körper haben und schon gar nicht, wenn es in die Augen kommt. Aber Sonnenbrand ist schließlich auch keine Alternative. Ohne eincremen geht es nicht. Wir haben aber seit vielen Jahren einen Weg gefunden, um uns an einem langen Strandtag zumindest an Schultern, Rücken, Bauch und Armen seltener nachcremen zu müssen. Beim Wassersport ,spielen und chillen am Strand ziehen wir UV-Shirts mit langen Ärmeln und Lichtschutzfaktor 50 an. Und dazu eine Kappe auf den Kopf. Das reduziert den Sonnenmilchflaschen-Müll deutlich. Und auch den ekligen Schmierfilm, der sich oft an stark frequentierten Stränden auf der Meeresoberfläche bildet. Zwar bestehen UV-Shirts ggf. auch aus Kunststoff, also leider keine perfekte Lösung, aber wir nutzen unsere bereits seit mehreren Jahren. Damit beim Waschen nach dem Urlaub keine Mikrokunststoffpartikel über das Abwasser in die Meere gelangen, tun wir die Shirts in einen speziellen Waschsack (http://guppyfriend.com). Die abgebrochenen Fasern lagern sich nach dem Waschen im Waschbeutel ab und wir können sie einfach und fachgerecht entsorgen.

Tipp 4: UV-Shirts und Shorts gibt es für 30 bis 50 Euro in jedem Sportladen. Einmal gekauft, schützen sie die Haut viele Urlaube lang vor Sonnenbrand – alternativ schützen natürlich auch lange Baumwollshirts vor der Sonne, nur trocknen sie nicht so schnell, wenn sie nass werden.

Sonnenschutz ist wichtig, vor allem am Strand © iStock / Getty Images
Sonnenschutz ist wichtig, vor allem am Strand © iStock / Getty Images

Die kleine Badebucht ist um diese Zeit schon recht voll. Um uns herum französische Familien. Ganz offensichtlich Vollprofis. Sie sehen aus, als würden sie am Strand wohnen. Viele sitzen bequem auf Strand-Klappstühlen mit PVC-Bezug, sie haben bunte Polyester-Matten dabei, auf die sie ihre Handtücher legen, dazu aufblasbare Nackenkissen, Luftmatratzen, Pop-up-Strandmuscheln und Kühlboxen mit Cola- und Bier-Dosen. Ich breite unser großes, blaues Strandtuch aus. Der riesige Sonnenschirm meiner Schwiegereltern mit seiner verrosteten Metall-Stange könnte zwar als Requisite in einem 50er-Jahre-Film durchgehen, aber er tut auch nach vielen Jahren noch, wozu er einst produziert wurde: Schatten spenden. Ich strecke meine Hände und Füße aus und lasse den warmen Sand durch die Finger rieseln. Sitzen kann ich zu Hause am Schreibtisch den ganzen Tag; Hände und Füße im Sand vergraben, das geht nur im Urlaub.

Tipp 5: Weniger ist manchmal mehr. Urlaub darf ruhig auch mal provisorisch sein, im Gegensatz zum oft perfekt organisierten Alltag zu Hause – außerdem haben wir deutlich weniger zu schleppen.

14:00 Uhr Sport? Sport!

Auf dem Meer sind Surfer unterwegs, Kanufahrer paddeln von Bucht zu Bucht, und Stand-Up-Paddler balancieren auf ihren Boards übers Wasser. Das wollen wir auch! Vom Urlaub hatte ich mich schlau gemacht – ein aufblasbares Stand-Up-Paddle-Board gibt’s für um die 300 Euro. Am Strand gibt’s einen Verleih. 25 Euro die Stunde. Nicht billig. Aber das muss jetzt sein. Am Ende stehen wir zwei Stunden in wechselnder Besetzung auf dem Board, stürzen ins Wasser und haben Riesenspaß. So können wir testen, ob Stand-Up-Paddeln wirklich ein Hobby werden kann und ob sich ein Familien-Board als Anschaffung lohnen könnte.

Tipp 6: Leihen statt kaufen. Viele Sportgeräte liegen oft ungenutzt im Keller und sind schnell technisch überholt. Wer leiht, kann aktuelle Trends testen ohne sich mit Besitz zu belasten.

16:00 Uhr Höchste Zeit für ein Eis

Eis am besser aus der Waffel schlecken © iStock / Getty Images
Eis am besser aus der Waffel schlecken © iStock / Getty Images

Der freundliche Eisverkäufer an der Strandpromenade hat von Ananas bis Zabaione mindestens 30 verschiedene Eissorten im Angebot. Ich schaue auf die Preistabelle und wundere mich: Eine Kugel Eis in der Waffel ist 80 Cent teurer als eine Kugel Eis im kleinen Pappbecher. Wir nehmen selbstverständlich die Waffel. Aber trotzdem – irgendwie ärgert es mich, dass wir fürs Müll vermeiden selbst beim Eismann auch noch teurer bezahlen müssen. Am Ende kann ich gerade noch verhindern, dass er jede Eistüte mit einem bunten Plastiklöffel bestückt.

Tipp 7: Eis gehört im Urlaub einfach dazu – günstig geht’s mit Eisformen fürs Gefrierfach. Orangen- oder Kirschsaft einfüllen, frieren lassen und genießen.

Die Kinder sind vom langen Strandtag geschafft. Aber beim Anblick der Geschäfte entlang der Promenade sofort wieder hellwach. Da gibt’s aufblasbare Schwimmtiere, Vollgesicht-Tauchermasken, bunte Seifenblasenmaschinen (mit Musik!), imposante Wasserpistolen und Prinzessinnen-Strandeimer. Am liebsten möchte meine kleine Tochter alles haben. Vor allem die überdimensionale weiß-pinke Einhorn-Schwimminsel. Sehnsuchtsvolle Blicke, händeringendes Betteln und sogar Tränen. Das war ein harter Kampf. Wir kaufen ein Beach-Ball-Spiel aus Holz – da haben alle etwas davon. Und meine Tochter bekommt am Ende auch ihr Schwimmtier. Es ist ein gelber Delfin, 10 Jahre alt, ein Erbstück ihrer großen Schwester. Wir hatten ihn ebenso wie den alten Strandeimer, Schippe und Förmchen mit im Gepäck.

Tipp 8: Unnötige Souvenirs vermeiden. Wer planvoll packt muss im Urlaub nicht immer wieder neues Plastik-Strandspielzeug einkaufen.

19:00 Uhr Abendessen

Am liebsten hätten die Kinder schnell eine Take-Away Pizza an der Strandpromenade gegessen, oder Hamburger, oder Pommes. Wieder gibt’s Diskussionen, ein letztes Mal setzen wir uns durch. Essen wollen wir im Ferienhaus auf der großen Terrasse. Den Fisch haben wir direkt am Hafen gekauft, dazu gibt’s Süßkartoffeln und frischen Salat vom Markt, und zum Dessert Obst. Dazu trinken wir Wein aus der Region, der hier überall an Ständen am Straßenrand angeboten wird. Alles frisch. Alles regional. Alles superlecker. Alles unverpackt.


Fazit

Plastik vermeiden im Urlaub, das geht. Aber es kostet Zeit und ist oft auch mit Entbehrungen verbunden. Meine Tochter wäre super glücklich gewesen mit einem Einhorn-Schwimmtier und den Smoothie an der Strandbar hätte ich auch gerne getrunken – aber den gibt es hier nur im Plastikbecher. Verzichten fällt manchmal schon ganz schön schwer. Und oft haben wir nur die Chance auf halbwegs akzeptable Alternativen ausweichen. Die hinterlassen dann zwar weniger Plastikmüll, aber eben nicht gar keinen. Beim Anblick der vielen kleinen Plastikmüllreste, die das Meer auch hier in Südfrankreich jeden Tag an den Strand spült, weiß ich aber, das auch der kleinste Schritt ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Von Susanne Schwarzenberger

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