Schöne Landschaftaufnahme an einem Fluss in Schweden mit Kanus und Menschen die die Natur geniessen

Nachhaltig reisen: Die WWF-Tipps für sanften Tourismus

Stand: 26.06.2026

Über Märkte in anderen Ländern schlendern, in türkisblaues Meer springen, lokale Delikatessen probieren oder einfach nur entspannen und den Alltag hinter sich lassen – Reisen hat viele Facetten, bringt uns zu faszinierenden Naturlandschaften und mit anderen Menschen zusammen und erweitert unsere Sicht auf die Welt. Doch das Reisefieber hat auch Schattenseiten. Dabei müssen Reisen und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein.

Ob im Supermarkt, beim Kauf von Lebensmitteln und Kleidung oder Möbeln und Fahrrädern: Nachhaltiger Konsum gewinnt in vielen Lebensbereichen an Bedeutung. Immer mehr Menschen fragen sich: Was kann ich benutzen, was es schon gibt? Sie werden sich zunehmend über die Folgen ihres Kaufverhaltens bewusst und stellen es infrage. Auch beim Reisen sollten die etablierten Nachhaltigkeits-Routinen aus dem Alltag in das jeweilige Reiseland übertragen werden. Denn eine Reise ist letztendlich auch ein Konsumgut.

Was ist nachhaltiger Tourismus?

Eine Frau legt Obst in Körbe auf einem lokalen Marktstand.
Eine Frau verkauft Obst auf einem lokalen Markt. Nachhaltiger Tourismus bedeutet auch, dass Menschen vor Ort profitieren © Adennysyahaputra/iStock/GettyImages

Weltweit werden immer neue Hotelanlagen an Küsten und in bedrohte Ökosysteme gebaut, kulturelle Stätten von Overtourism bedroht, wertvolle Ökosysteme beschädigt oder zerstört. Nachhaltiger Tourismus bedeutet, genau das zu vermeiden und Natur, Umwelt und Kultur vor Ort zu schützen. Nachhaltiger Tourismus bedeutet auch, dass die Menschen vor Ort von ihm profitieren, anstatt mit den Reisenden im Wettstreit um ihre Ressourcen zu stehen. Nachhaltiger Tourismus beruht auf einem Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem, wobei alle drei Dimensionen gleichwertig sind.

Wie aber gelingt nachhaltiges Reisen?

Nachhaltig reisen – das Wichtigste im Überblick

  • Hotspots entlasten und entschleunigen: Hinterland, kleinere Orte und weniger bekannte Naturerlebnisse sind oft entspannter, günstiger und authentischer. Beliebte Ziele sollten am besten abseits der Hauptzeiten besucht werden.
  • Müll vermeiden, besonders Einwegplastik: Trinkflasche, Brotdose und Stoffbeutel im Gepäck sparen unterwegs viel Verpackungsmüll – Zigarettenkippen gehören niemals in die Natur. Mehr dazu in unserem WWF-Ratgeber!
  • Bewusst mit Wasser umgehen: In südeuropäischen Urlaubsregionen wird Wasser im Sommer knapp, weshalb kurze Duschen, seltener Wäschewechsel und eine reduzierte Zimmerreinigung schon viel ausmachen können.
  • Weniger Fliegen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen: Bahn und Bus sind deutlich klimafreundlicher als das Flugzeug und auch vor Ort lohnt sich der Umstieg auf ÖPNV, Fahrrad oder die eigenen Füße.
  • Keine Souvenirs aus geschützten Arten kaufen: Korallen, Muscheln, Reptilienleder oder Elfenbein sind keine harmlosen Mitbringsel, weshalb man besser auf lokales Kunsthandwerk oder fair produzierte Waren zurückgreift. Informieren Sie sich vorab am besten mit unserem Souvenir-Ratgeber.
  • Die Küche im Reiseland genießen mit Respekt für Natur und Umwelt: Bei Fisch und Meeresfrüchten lohnt ein zweiter Blick, da teils bedrohte Arten auf der Karte landen – im Zweifel ist ein vegetarisches Gericht die unkompliziertere Wahl.
  • Wildtiere respektieren: Wildtiere gehören in ihren natürlichen Lebensraum und nicht als Fotokulisse oder Touristenattraktion, weshalb seriöse Schutzprojekte und Nationalparks die deutlich bessere Alternative sind.

Vor der Reise: Planung und Vorbereitung

Sanfter Tourismus beginnt bei der Reiseplanung. Es gibt viele Reiseveranstalter:innen und Reiseportale mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, die vor Ort etwa auf faire Löhne und Ausbildung der Hotelangestellten achten und nachhaltig geführte Unterkünfte in ihrem Programm anbieten, die beispielsweise einen sparsamen Umgang mit Wasser pflegen oder kein Einwegplastik verwenden, Natur und Umwelt vor Ort gut kennen und schützen.

Bahn, die sich auf einem Viadukt durch eine grüne Berglandschaft schlängelt
Wer im Urlaub Zug fährt sieht mehr © KvdB50/iStock/GettyImages

Ein paar Fragen vorab sind hilfreich: Wo möchte ich hin? Was sind meine Wünsche und Erwartungen? Die meisten Menschen sehnen sich nach Abstand vom Alltag, Sonne, Meer und Strände ohne Müll. Oft liegt das perfekte Reiseziel, das die individuellen Bedürfnisse erfüllt gar nicht so weit weg und ist mit der Bahn, dem Bus oder Auto erreichbar. So spart man schon mal Treibhausgasemissionen. Und wenn es doch nicht ohne Flugzeug geht, gilt weniger fliegen und länger bleiben. Entfernung und Aufenthaltsdauer sollten in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Ab 3.500 Kilometer Entfernung sollte man mindestens zwei Wochen vor Ort bleiben. Dann profitieren auch die Menschen und Wirtschaft vor Ort von ihrer Reise.

Eine Flugreise auf die Kanarischen Inseln und zurück verursacht pro Person im Schnitt 1,2 bis 1,6 Tonnen Treibhausgase. Das System hinter der CO2-Kompensation, das den Ausgleich der Emissionen durch Klimaschutzprojekte verspricht, hat viele Schwächen und erreicht häufig nicht die erhoffte Wirkung. Besser für das Klima ist weniger fliegen.

Reisen mit Kreuzfahrtschiffen schlagen hier doppelt zu Buche: Denn oft beginnt die Reise mit einem Flug zum Ablegehafen. Und selbst die Schiffe, die damit werben, mit „Green Fuel“, etwa dem Flüssigerdgas LNG zu fahren, verbrennen Gas – einen fossilen Brennstoff. Wirklich grüne Alternativen gibt es im Regelbetrieb derzeit nicht.

Soll die Reise ins Ausland gehen, ist außerdem eine ausführliche Vorabrecherche wichtig. Folgende Fragen sollten Sie sich stellen: Kann ich die Hochsaison vermeiden? Schadet Tourismus meinem Reiseziel? Ist die Region von Overtourism betroffen?

Am Ziel angekommen: Die Küste meiden und abseits der Massen Neues entdecken

Wie wichtig ist es überhaupt, 200 Meter vom Strand zu wohnen? Nicht weit von den Stränden, im Landesinneren, trifft man oft auf das, was das Land ausmacht: Menschen, die hier leben und arbeiten, ihre Gaststätten und Märkte abseits des Massentourismus, der oft zu Wasserknappheit und Müll führt.

„Wer sich im Urlaub rücksichtsvoll verhält, schützt genau das, was Reisen so besonders macht: lebendige Natur, sauberes Wasser, wilde Tiere und Orte, an denen Menschen gern leben und Gäste willkommen heißen.“

Martina von Münchhausen, Expertin für nachhaltigen Tourismus beim WWF Deutschland

Natur vor Ort schützen

Lodge in Kaza © Gareth Bentley / WWF US
Lodge in Kaza © Gareth Bentley / WWF US

Im Urlaub dann möchten viele in die Natur. In unberührte Natur. Daher sind Nationalparks und Schutzgebiete wichtig. Sie bilden eine zentrale Basis für sanften Tourismus, wie unsere Erfahrungen in vielen WWF-Projektregionen zeigen. Wer Schutzgebiete besucht, eröffnet der lokalen Bevölkerung wirtschaftliche Perspektiven.

So entstehen etwa Eco-Lodges, also Unterkünfte, die nach ökologischen und ressourcenschonenden Prinzipien betrieben werden. Und: Die Menschen vor Ort können ihre Produkte an Reisende verkaufen – etwa Honig in WWF-Projektregionen – oder Touren anbieten, wie geführte Wanderungen in Naturschutzgebieten oder umweltverträgliche Bootsfahrten.

Kommen Reisende außerdem gezielt, um Natur und die dort lebenden Wildtiere zu erleben, entsteht vor Ort ein zusätzlicher Anreiz, sie zu schützen. Sanfter Tourismus kann so den Naturschutz, die Entwicklung der Region und die Lebenssituation der Einwohner:innen stärken.

Gruppenreisen mit versierten Reiseleiter:innen sind nachhaltig

Der UV-Filter Octocrylen schädigt Korallen und beeinträchtigt Fische. Eine Sonnencreme ohne ist die bessere Wahl © Antonio Busiello/WWF US
Der UV-Filter Octocrylen schädigt Korallen und beeinträchtigt Fische. Eine Sonnencreme ohne ist die bessere Wahl © Antonio Busiello/WWF US

Besonders in Schutzgebieten und Landschaften mit sensibler Natur und Tierwelt ist die Erkundung in Begleitung einer erfahrenen Person nicht nur erlebnisreich, sondern respektvoller gegenüber Kultur und Natur als individuelle Touren ohne ausreichende Vorbereitung und Kenntnisse. Bei fachkundig geführten Gruppentouren wird vermittelt, dass man in den Nationalparks zu Gast ist und Tiere niemals stören oder anfassen sollte. Und auch, dass man sich von Unterhaltungsshows mit Affen, Tigern oder Schlangen fernhalten sollte. Oft handelt es sich bei ihnen um Wildtiere, die illegal gefangen werden.

Ähnliches gilt für die Unterwasserwelt an der Küste: Wer gern taucht oder schnorchelt, sollte auf Korallen und Meerestiere achten. Korallen sind auch Tiere: Diese nicht anfassen, abbrechen oder gar auf ihnen stehen. Wichtig ist auch die Wahl der richtigen Sonnencreme, denn der chemische UV-Filter Octocrylen schädigt Korallen, beeinträchtigt bei Fischen die Entwicklung von Gehirn und Leber und reichert sich in Muscheln und Austern an. In deutschen Sonnencremes kommt er oft vor. Umweltfreundlich ist korallenfreundliche Sonnencreme ohne Mikroplastik.

Umweltverträglich verreisen – mit wem?

Aber woran erkennt man überhaupt, welche Reiseveranstalter:innen nachhaltig sind? Das Forum Anders Reisen beispielsweise ist ein Verband kleiner und mittelständischer Reiseveranstalter:innen für nachhaltigen Tourismus. Der Guide für nachhaltige Tourismuslabel gibt außerdem einen Überblick über ausgewählte Gütesiegel, die Urlaubsangebote auszeichnen, „die Menschenrechte respektieren, natürliche Ressourcen und das Klima schonen und der Bevölkerung in den Destinationen einen Nutzen bringen“.

Wir wünschen Ihnen eine gute Reise!

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