Hunderte Millionen von Menschen weltweit sorgen sich um den Verlust der biologischen Vielfalt und fordern drastischere Maßnahmen von politischen Entscheidungsträgern. Das zeigt eine neue globale Studie der „Economist Intelligence Unit“ (EIU) im Auftrag des WWF.

Im Rahmen des Forschungsprogrammes „An EcoWakening: Measuring awareness, engagement and action for nature“ wurde die öffentliche Stimmung zu den Themen Naturverlust und Artenvielfalt in 27 verschiedenen Sprachen und 54 Ländern weltweit gemessen. Die beeindruckenden Ergebnisse decken somit das Stimmungsbild von etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung ab.

Sorge um biologische Vielfalt steigt rasant

Twitter Erwähnungen biologische Vielfalt & Natur © WWF

Der Bericht zeigt, dass das öffentliche Interesse an der Umwelt und die Sorge um die Natur in den vergangenen fünf Jahren um 16 Prozent gewachsen sind. Auch während der COVID-19-Pandemie ist die Tendenz weiter steigend.

Besonders interessant: Weltweit werden die Menschen vor allem digital immer aktiver. So stieg die Anzahl von Twitter-Erwähnungen, welche die Sorge um die Natur thematisieren, um ganze 65 Prozent. Beiträge, die sich auf Natur und Biodiversität beziehen, sind in den vergangenen vier Jahren von 30 auf 50 Millionen angewachsen. In Deutschland stieg demnach die Anzahl von Google-Suchanfragen zum Thema Naturverlust und Biodiversität um 64 Prozent (global 16 Prozent), die Anzahl der Tweets steigerte sich um 294 Prozent und auch die Nachrichten berichteten 2020 22 Prozent häufiger zu Biodiversitätsthemen als noch 2016 – der Corona-Pandemie zum Trotz.

Deutschland sorgt sich. Zurecht, denn das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Wenn eine künftige Bundesregierung ihre Bevölkerung ernst nimmt, dann muss sie den Erhalt der biologischen Vielfalt viel stärker als bisher angehen und als Querschnittsthema in allen Politikbereichen integrieren.

Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz WWF Deutschland

Trend geht zur Nachhaltigkeit

Google-Suchen nach nachhaltigen Produkten in der Kategorie "Einkaufen" © WWF
Google-Suchen nach nachhaltigen Produkten in der Kategorie "Einkaufen" © WWF

Für die Forschung wurden sowohl soziale Medien und Google-Trends-Daten analysiert, als auch Informationen von Partnerorganisationen eingeholt und Umfragen durchgeführt. Die Analyse zeigt einen erheblichen Anstieg der Verbraucherklicks für nachhaltige Güter in Ländern mit hohem Einkommen, wie Großbritannien, den USA, Deutschland, Australien und Kanada. Aber der Trend geht über diese Volkswirtschaften hinaus - er hat sich auch in Entwicklungs- und und Schwellenländern wie etwa Indonesien (24 Prozent) und Ecuador (120 Prozent) gezeigt. Diese Entwicklung schafft neue Marktchancen und ist ein deutliches Zeichen für Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Kosmetik, Pharma, Mode und Lebensmittel.

Aktivismus wächst

Seit 2016 wurden mehr als 159 Millionen Unterschriften für biodiversitätsbezogene Kampagnen gesammelt. Die Proteste auf der ganzen Welt nehmen an Stärke und Häufigkeit zu. Menschen schließen sich vermehrt zusammen, um von den politischen Entscheidungsträgern radikale Maßnahmen im Namen des Planeten und für zukünftige Generationen zu fordern. Diese Bewegung wächst nicht nur, sondern ist besser vernetzt als je zuvor.

Allerdings nimmt auch die Geschwindigkeit der Naturzerstörung zu. Die Staats- und Regierungschefs werden noch in diesem Jahr wichtige Entscheidungen zum Thema Umwelt treffen, die den Verlust der Natur umkehren müssen, um eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. Ein wichtiges Ereignis steht bereits bevor: Die 15. Weltbiodiversitätskonferenz wird im Oktober 2021 stattfinden. Die teilnehmenden Länder sollen ein neues globales Biodiversitätsrahmenwerk verabschieden, da das alte bereits 2020 abgelaufen ist.  

Das fordert der WWF

Der Verlust der Natur erhöht unsere Anfälligkeit für Pandemien, untergräbt die Bemühungen zur Bewältigung der Klimakrise und bedroht unsere Lebensgrundlagen. Ohne Maßnahmen gegen den Naturverlust werden wir viele der Ziele für nachhaltige Entwicklung nicht erreichen können.

Der WWF fordert die Länder auf, ein Biodiversitätsabkommen im "Pariser Stil" abzuschließen, das sowohl die direkten als auch die indirekten Ursachen des Naturverlustes bekämpft.
 

Download der Studie: