Die europäische Wasserrahmenrichtlinie ist ein zentrales Gesetz für den Schutz unserer Flüsse, Seen und Grundwasservorkommen. Sie sorgt dafür, dass Gewässer sauberer werden und bleiben, Lebensräume geschaffen und geschützt werden und wir langfristig Zugang zu bezahlbarem und gesundem Trinkwasser haben.

Doch genau dieses Gesetz ist aktuell in Gefahr. Unter dem Vorwand der „Vereinfachung“ stehen wichtige Umweltstandards zur Debatte. Mit dem Risiko, dass Schutzregeln abgeschwächt werden, insbesondere im Interesse einzelner Industrien.

Gemeinsam mit vielen Partnerorganisationen stellt sich der WWF Deutschland dagegen. Im Rahmen der europaweiten #HandsOffNature-Allianz setzen wir uns dafür ein, dass bewährte Umweltgesetze nicht aufgeweicht werden. Denn sie schützen nicht nur unsere Gewässer, sondern auch unsere Gesundheit und unsere Zukunft.

Jetzt aktiv werden: Ihre Stimme für sauberes Wasser

Bis zum 14. April 2026 haben Sie die Möglichkeit, sich direkt einzubringen: Die EU-Kommission führt eine öffentliche Konsultation zur europäischen Wasserpolitik durch.

Das bedeutet: Ihre Meinung zählt. 

Je mehr Menschen sich beteiligen, desto deutlicher wird das Signal an die Politik, den Gewässerschutz zu stärken. Und nicht zu schwächen.

Wie die Wasserrahmenrichtlinie aufgeweicht werden soll

Ohre - Drömling-Zufluss © WWF
Ohre - Drömling-Zufluss © WWF

Zu den Forderungen der gegen den Gewässerschutz lobbyierenden Verbände zählt, dass das Verbot der Verschlechterung des Zustands von Gewässern und Grundwasservorkommen gestrichen wird. Somit könnte es wieder zu mehr Verschmutzung durch Industrie oder Landwirtschaft kommen. Außerdem soll das in der Wasserrahmenrichtlinie enthaltene Ziel, bis 2027 Europas Gewässer und Grundwasservorkommen insgesamt wieder in einen besseren Zustand zu bringen, in weitere Ferne verschoben werden.

Die Industrieverbände wollen auch das „one-out-all-out“-Prinzip abgeschafft wissen. Dieses regelt, dass die ökologische Bewertung sich nach der am schlechtesten abschneidenden Teilkomponente richtet. Fällt diese Regelung, könnten Gewässer und Grundwasservorkommen beispielsweise durch den Eintrag bestimmter Chemikalien massiv im roten Bereich sein, aber dennoch eine gute Gesamtbewertung bekommen. „Das ist, als ob man einem Gebäude, dessen Fundament verrottet ist, dennoch einen guten Zustand bescheinigt, weil das Dach intakt ist und die Wände gestrichen sind. Diese Logik ist völlig absurd und öffnet Tür und Tor für die Verschmutzung unserer Flüsse, Stillgewässer und Grundwasserspeicher“, kritisiert Wasserexperte van Treeck.

„Wir fordern die EU-Kommission auf, sich den einseitigen Interessen einzelner Industrieverbände nicht zu beugen und die Finger von der Wasserrahmenrichtlinie zu lassen. Die Wasserrahmenrichtlinie wirkt und schützt Europas Gewässer und Europas Grundwasserqualität. Das hat die EU-Kommission geprüft und im sogenannten „Fitness-Check“ 2019 bestätigt. Europas Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf saubere, sichere und bezahlbare Wasserressourcen und intakte Gewässerökosysteme“.

WWF-Gewässerschutzexperte Dr. Ruben van Treeck

Der WWF fordert statt einer Aufweichung eine Stärkung des Gewässerschutzes. Die beschlossenen Maßnahmen der müssen umgesetzt werden, statt Richtlinien zu lockern und Fristen zu verlängern. Gesunde Gewässer und sauberes Grundwasser sind von grundlegender Bedeutung für Wasser- und Ernährungssicherheit, öffentliche Gesundheit und die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Was für unsere Gewässer passieren muss:

  • Deutlich mehr politischen Willen die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Die Umsetzung muss klar priorisiert werden.
  • Sektoren wie Landwirtschaft, Verkehr und Industrie müssen verpflichtend zur Einhaltung der Schutzziele verpflichtet werden, um Gewässer beispielsweise vor Nitratbelastungen zu schützen.
  • Barrieren in Flüssen wie Wehre sollen zurückgebaut werden, um die ökologische Durchgängigkeit der Gewässer wiederherzustellen.
  • Die Maßnahmenplanung muss besser gestaltet und mit ausreichenden Finanzmitteln unterlegt werden.
  • Es muss ein Flächenmanagement etabliert werden, um Flächen für die ökologische Gewässerentwicklung zu sichern.
  • Alle relevanten Akteure müssen frühzeitig einbezogen werden und die Öffentlichkeit soll besser über die Nutzen der Umsetzung informiert werden. 

Der WWF kann bereits seit Jahren seine Forderungen im politischen Raum mit echter Expertise aus eigenen Projekten verstärken: Mit unseren zahlreichen Kooperationspartnern erreichen wir mehr frei-fließende Flüsse durch strategische Rückbaumaßnahmen und Leuchtturmprojekte und bringen so das Leben in die vielen kleinen und mittelgroßen Bäche und Flüsse zurück. Mit unserem Team an der mittleren Elbe kümmern wir uns um die Revitalisierung großer Auenökosysteme, deren positive, ökologische Effekte weit in die Landschaft ausstrahlen und an den Ästuaren der großen deutschen Ströme renaturieren wir die einzigartigen, tidegeprägten Lebensräume und kämpfen gegen ihre weitere Zerstörung durch Flussvertiefungen.

Unterstützen Sie unsere Arbeit

  • Ammer: Altenauer Schleife © Sigrun Lange / WWF Zustand der Gewässer in Deutschland

    Eine neue Analyse des WWF zeigt den Zustand der Gewässer in Deutschland und vergleicht den Stand der Umsetzung der WRRL in den 16 Bundesländern. Weiterlesen ...