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Stand: 01.12.2018

Die Zeit drängt - Klimakonferenz COP 24 in Katowice

Die USA ziehen sich aus dem Klimaabkommen zurück, in Brasilien wird so viel Regenwald abgeholzt wie noch nie und in Deutschland rennt eine erstarkende, zivile Klimabewegung beim Kampf um den schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung gegen parteipolitische Mauern. Das sind nur einige Beispiele für den schwierigen internationalen Kontext, vor dem sich die 24. Klimakonferenz COP 24 Anfang Dezember im polnischen Katowice abspielt.

Die Umsetzung einer nachhaltigen Klimapolitik ist dringend notwendig © Jack Huynh / Orange Photography / WWF-US
Die Umsetzung einer nachhaltigen Klimapolitik ist dringend notwendig © Jack Huynh / Orange Photography / WWF-US

 

Zudem untermauerte der Weltklimarat IPPC mit seinem Sonderbericht vom Oktober 2018 noch einmal die Dringlichkeit, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Denn für den Artenschutz, die Begrenzung des Meeresspiegelanstiegs, den Schutz der Arktis und die Verringerung von Extremwetterlagen zählt sogar jedes Zehntelgrad.

 

Zugleich klafft eine Lücke zwischen den Klimazielen der Länder und den tatsächlich notwendigen Maßnahmen, die sogenannte "Minderungslücke". Das bedeutet: Selbst wenn die Vertragsländer alle geplanten Klimaschutzmaßnahmen umsetzen würden, würde dies nicht ausreichen, den Temperaturanstieg auf zwei, geschweige denn 1,5 Grad zu begrenzen. Die Ziele der Pariser Klimakonferenz von 2015 wären verfehlt.

Talanoa-Dialog: Was muss passieren?

Die COP 24 muss diese Minderungslücken in den Fokus rücken und neben einer Bestandsaufnahme konkret dafür sorgen, dass die nationalen Klimaziele (Nationally Determined Contributions/ NDC) im Sinne des IPCC-Sonderberichtes nachgeschärft werden. Mit dem sogenannten Talanoa-Dialog hat die Staatengemeinschaft sich ein Werkzeug für diese Bestandsaufnahme und Korrektur geschaffen, denn mit ihm wird geprüft, was noch getan werden muss, um die Ziele von Paris doch noch erreichen zu können.

 

Denn bei aller Dringlichkeit zeigt der IPCC-Sonderbericht auch: Eine Begrenzung der Erderhitzung ist möglich, wenn schnell die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Das heißt, dass die Kurve der globalen Treibhausgasemissionen schon ab 2020 steil bergab gehen muss.

Das "Rulebook": Eine Gebrauchsanweisung für den Klimaschutz

Es gilt als Gebrauchsanweisung für das Paris-Abkommen: Das "Rulebook" soll unter anderem nationale Klimschutzmaßnahmen vergleichbar und überprüfbar machen. Wie viel Treibhausgasreduktion bringt die Umstellung eines Landes auf erneuerbare Energien ganz konkret? In welchem Umfang können Aufforstungsmaßnahmen industriellen CO2-Ausstoß kompensieren? Das alles muss berechenbar und vergleichbar werden, um die Klimaschutzmaßnahmen der unterschiedlichen Länder gerecht bewerten zu können. Die Klimakonferenz hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Regelwerk Anfang Dezember 2018 in Katowice fertig zu stellen.

Forderungen des WWF an die COP 24

  • Vom Talanoa-Dialog muss ein starkes politisches Signal ausgehen, dass die Vertragspartner ihre nationalen Klimaziele bis 2020 überarbeiten und verschärfen werden. Dazu sollten sich auf der COP 24 eine große Anzahl von Vertragspartnern bereit erklären, darunter vor allem Großemittenten von Treibhausgasen und reichere Industrieländern wie die EU.
  • Auch schon vor 2020 braucht es mehr Klimaschutz und mehr Unterstützung, vor allem durch die Industrieländer.
  • Ein umfassendes und robustes Regelwerk für die Umsetzung und Überprüfung der Klimaschutzmaßnahmen der Länder ("Rulebook") muss abgeschlossen und verabschiedet werden.
  • Die Diskussion um die Klimafolgenfinanzierung muss weiter fortschreiten.

Keine Kohle für den Klimaschutz?

Klimaschutz kostet Geld. Gerade in ärmeren Ländern brauchen Menschen, die von häufigeren Dürreperioden, einem steigenden Meeresspiegel und dem Verlust der Artenvielfalt besonders betroffen sind, finanzielle Unterstützung.

 

Aber auch in Industrieländern wird der Klimawandel neben der umfassenden Umstrukturierung von Energiesektor, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft Geld kosten. Extreme Wetterphänomene nehmen bereits jetzt zu, Großbrände wie in Kalifornien können sich durch längere Trockenperioden schneller ausbreiten, Überschwemmungen werden häufiger.

 

Deshalb wird im Fokus der COP 24 auch das Thema stehen, wie Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen finanziert werden können. 100 Milliarden US-Dollar wollen die Industrieländer den Entwicklungsländern ab 2020 dafür zur Verfügung stellen. Woher das Geld genau kommen soll, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Klare Zusagen zur Klimafinanzierung sind jedoch wichtig, weil sie auch die Kooperationsbereitschaft in anderen Verhandlungen stark beeinflussen.

Klimaschutz zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Angesichts der Dringlichkeit der Probleme reibt sich die Klimabewegung mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Entsetzen die Augen, wenn ein Regierungschef wie US-Präsident Donald Trump beharrlich den Klimawandel leugnet. Nach Trump hat auch Bolsanoro angedroht, ganz aus dem Klimabkommen auszusteigen.

 

Leider bleiben aber auch Deutschland und die EU bisher weit hinter dem zurück, was nötig wäre, um ihren fairen Anteil zum Klimaschutz und dem Pariser Abkommen beizutragen. Deutschlands Treibhausgas-Emissionen stagnieren seit fast einem Jahrzehnt. Es ist ein politischer Streit um den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken entbrannt, der den Ausstieg aus dieser klimaschädlichen Energieform zu verzögern droht. Die Kohlekommission, die eigentlich schon vor der COP 24 einen konkreten Kohleausstiegsplan liefern und damit auch ein wichtiges Signal an andere Ländern senden sollte, ist nicht rechtzeitig zu einer Einigung gekommen und ihr Ergebnis auf den 1. Februar 2019 vertagt.

 

Auf der Klimakonferenz in Katowice muss jetzt die Chance ergriffen werden, nicht nur ganz konkret für die Verschärfung der Klimaziele, die Umsetzung des Regelwerkes und Transparenz bei der Finanzierung der Klimafolgeschäden zu sorgen, sondern auch das starke politische Signal in die Welt zu senden, dass der Sonderbericht des Weltklimarates allen weltpolitischen Widerständen zum Trotz ernst genommen wird.

 

Von der deutschen Bundesregierung fordert der WWF daher einen schnellen Kohleausstieg und dass sie die Blockadehaltung gegen mehr Klimaschutz in der EU aufgibt. Bis 2020 soll die EU ein höheres NDC einreichen, das mit den Pariser Klimazielen im Einklang steht. Eine Einigung auf ein Ziel von Nettonull-Emissionen bis 2040 und eine entsprechende Anpassung der Ziele bis 2030 sind dafür erste Schritte.

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