Denken Sie einmal an ein Kind, dass Sie liebhaben – Ihr eigenes, Ihre Nichte oder Ihr Neffe, Ihre Enkeltocher oder Ihr Enkelsohn. Möchten Sie, dass es die bestmögliche Zukunft hat? In einen schönen Kindergarten geht? Gut gefördert wird? Na klar! Wahrscheinlich sind Sie selbst sogar bereit, sehr viel dafür auszugeben.
Die Zukunft unserer Kinder entscheidet sich auch im Bundeshaushalt. Doch wieviel Geld fließt tatsächlich in Bildung, Klimaschutz und nachhaltige Infrastruktur? Mit der Zukunftsquote machen der WWF und das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstmals gemeinsam sichtbar, wie stark staatliche Ausgaben wirklich auf kommende Generationen ausgerichtet sind.
Ein Blick in die Zukunft
Aber wenn es um alle Kinder in Deutschland geht, stehen wir vor Engpässen im Kitabereich, vor bröckelnden Schulen und einer ziemlich miesen Aussicht für Klima und Natur. Es gelingt bisher nicht ausreichend, die Zukunft der Kinder (und unsere eigene) in den Haushaltsentscheidungen auf Bundesebene mitzudenken.
Hier setzt die Zukunftsquote an. Sie zeigt uns auf einen Blick, wie viel Geld tatsächlich in Zukunftsausgaben fließt. Das erhöht die Transparenz, denn oft wissen viele Menschen gar nicht, wofür der Bund wie viel Geld ausgibt. Und es macht möglich zu beobachten, ob Zukunftsausgaben mehr oder weniger werden und wie sich ihr Verhältnis zu gegenwartsbezogenen Ausgaben verändert. Sie ist wie ein Zukunftskompass im Dickicht des Bundeshaushalts. Das hilft uns, Alarm zu schlagen, wenn nicht ausreichend Geld in Bildung, Klima- und Naturschutz fließt, so wie es aktuell der Fall ist.
Im März 2025 veröffentlichten der WWF und das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstmals gemeinsam die Zukunftsquote. Diese zeigt, wie viel Geld aus dem Bundeshaushalt in Ausgaben wie Bildung, Klimaschutz oder Forschung fließt. Das ist daher spannend, da der Bundestag im Frühjahr 2025 die Einrichtung eines Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität beschlossen hat. Einen Geldtopf, der ganz explizit für Zukunftsausgaben gedacht ist. Unsere Analyse prüft, ob wirklich ausreichend Geld ausgegeben wird.
Was ist die Zukunftsquote?
Die Zukunftsquote ist ein innovativer Indikator, der vom ZEW entwickelt wurde. Er bewertet die Zukunftsorientierung im Bundeshaushalt. Im Gegensatz zur klassischen Investitionsquote betrachtet die Zukunftsquote nicht nur Investitionen. Sie klassifiziert und gewichtet alle Bundesausgaben nach deren Zukunftsorientierung. Hierfür werden die Ausgaben anhand folgender Kriterien bewertet: wachstumsrelevante Infrastruktur, technisches Wissen, Humankapital und Naturkapital.
Warum sind Zukunftsinvestitionen wichtig?
Investitionen im Verständnis der Zukunftsquote sind staatliche Ausgaben für Bildung, Infrastruktur, Klima- und Naturschutz und die Mehrung technischen Wissens, die langfristig nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen schaffen – konsequent, überprüfbar und frei von fossilen und umweltschädlichen Abhängigkeiten. Sie dienen dabei insbesondere:
- der Erreichung nationaler und internationaler Klima- und Biodiversitätsziele,
- der nachhaltigen Modernisierung von Infrastruktur,
- der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz,
- der Impulsgebung für eine nachhaltige Wirtschaft.
Beispiele sind der Ausbau von Schiene und öffentlichem Personennahverkehr, Investitionen in den Schutz von Moorlandschaften und Gelder für öffentliche Bildungsangebote. Verschiedene Studien zeigen, dass es ausreichend staatlicher Finanzierung bedarf, damit eine resiliente, nachhaltige Gesellschaft aufgebaut werden kann. Aktuell ist die Finanzierungslücke groß.
Instrumente wie das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und eine Reform der Schuldenbremse können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Aber nur, wenn die zusätzlichen Gelder auch wirklich in ausreichendem Maße in solche Zukunftsausgaben fließen. Das ist nicht immer der Fall. Besonders schädlich: Mit Zukunftsgeldern LNG-Terminals und fossile Infrastruktur zu finanzieren. Das passiert gerade im Sondervermögen.
Die Zukunftsquote schafft also einen Maßstab, um zu bewerten, ob der Bundeshaushalt auf den nachhaltigen Wandel von Infrastruktur und Gesellschaft, der von vielen als notwendig erkannt wurde, ausgerichtet ist.
Weitere Informationen
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Sondervermögen für Zukunftsfähigkeit -
Klimaschutz und Energiewende in Deutschland