Seit Beginn des völkerrechtwidrigen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar ist die Debatte über unsere Energieversorgung in vollem Gange. Es ist deutlich geworden, wie massiv die letzten Regierungen die Energiewende verschleppt und uns abhängig von fossilen Energieimporten gemacht haben. Angesichts einer drohenden Energiekrise blicken viele Menschen verunsichert auf die nächste Heizperiode. Und die aktuellen hohen Energiepreise treffen vor allem einkommensschwächere Haushalte mit besonderer Wucht.

Hintergrund zur Energiekrise

Erdgasspeicher © IMAGO/Sven Simon
Erdgasspeicher © IMAGO/Sven Simon

Deutschland hat in den vergangenen Jahren die Erneuerbaren nicht in dem Tempo ausgebaut, wie es eigentlich notwendig gewesen wäre. Dies ist für die Einhaltung unserer Klimaschutzziele und des 1,5-Grad-Limits zentral. Stattdessen haben die vergangenen Bundesregierungen die Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen stetig gefestigt. So kam es, dass Deutschland vor dem Krieg mehr als die Hälfte seines Erdgasbedarfs aus Russland decke.

Auch wenn die Importe seit Beginn des Krieges reduziert werden konnten, werden auch heute noch signifikante Mengen des deutschen Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland gedeckt. Explodierende Energiepreise für Strom, Gas und Benzin sorgen für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Zum Teil sind diese Mehrkosten so hoch, dass einige darin eine Gefahr für ihre Existenz sehen. Diese aktuelle Energiekrise macht deutlich: Wir müssen den Ausbau der Erneuerbaren Energien Wind und Photovoltaik nun endlich beschleunigen, den die letzten Bundesregierungen über Jahre aktiv blockiert hat. Denn die Erneuerbaren sind die Lösung und der Ausweg aus der Energiekrise!

Energieeffizienz und Energiesparen haben oberste Priorität

Eine entfesselte Energiewende befreit uns mittelfristig aus der Energie-Abhängigkeit. Kurzfristig muss die Bundesregierung jetzt den Fokus auf die Förderung von Energiespar- und Effizienzmaßnahmen setzen. Und sie muss weitere Entlastungsmaßnahmen aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise vorlegen, die vor allem einkommensschwachen Haushalte helfen.

Die gute Neuigkeit: Die Gasspeicher werden derzeit etwas schneller gefüllt als ursprünglich angenommen. Aber um das Risiko einer Gasmangellage im Winter dennoch abzumildern, sollten jetzt vor allem Energiesparmaßnahmen getroffen werden. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sind gefragt so viel Energie einzusparen wie möglich. Letztlich ist Energiesparen auch aufgrund der steigenden Energiepreise gut für den eigenen Geldbeutel.

Energiewende nicht gefährden

Das Reichstagsgebäude in Berlin © Tomas Sereda / Thinkstock
Das Reichstagsgebäude in Berlin © Tomas Sereda / Thinkstock

Doch ob Fracking in Niedersachsen, Gasbohrungen im Wattenmeer oder längere Laufzeiten der Atomkraftwerke in Bayern: Teile der Bundesregierung verharren in der fossilen und nuklearen Vergangenheit. So ist im Sommer 2022 die Debatte aufgeflammt, den Atomausstieg aufzuweichen und die drei sich noch am Netz befindenden Atomkraftwerke Isar 2, Emsland sowie Neckarwestheim 2 aus Gründen der Energiesicherheit weiterlaufen zu lassen. Der WWF positioniert sich entschieden gegen einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke über den 31. Dezember 2022 hinaus. 

Ein Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ist aus mehreren Gründen abzulehnen. Diese reichen von Sicherheitsrisiken, Fragen der technischen Realisierbarkeit, rechtlichen Unsicherheiten bis hin zu hohen klimapolitischen, gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Kosten. Zudem lässt sich Erdgas so nur zu einem Bruchteil (ca. 1 Prozent) kompensieren. An der Abhängigkeit von russischem Gas ändert das also nichts. Wir finden: Die Bundesregierung ist jetzt angehalten, Lösungen für die Energiekrise zu finden, die weder immense Sicherheitsrisiken mit sich bringen noch die Energiewende gefährden und die Menschen sozial gerecht entlasten.

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