Es klafft eine gewaltige Lücke im Versicherungsschutz für Klimafolgeschäden – zu diesem Ergebnis kommt ein WWF-Bericht. Der WWF warnt: Extremwetterereignisse verursachen immer höhere Schäden, von denen in Zukunft ein wachsender Teil unversichert bleiben könnte. Diese Entwicklung betrifft nicht nur einzelne Haushalte oder Unternehmen, sondern belastet auch öffentliche Haushalte und gefährdet die wirtschaftliche Stabilität.

Versicherungen bilden das Fundament moderner Volkswirtschaften. Durch die Absicherung von Risiken ermöglichen sie Investitionen, schützen Vermögenswerte und unterstützen den Wiederaufbau nach Katastrophen. Sie bieten Privatpersonen, Unternehmen und der öffentlichen Hand finanzielle Absicherung und tragen so zum Wohlergehen der Menschen bei.

Klimakrise verursacht hohe Kosten

Ein Waldbrand im Brasilia Nationalpark
Ein Waldbrand im Brasilia Nationalpark © Jacqueline Lisboa / WWF Brasilien

Doch die Klima- und Naturkrise untergräbt das Versicherungssystem zunehmend. Immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und Stürme in Kombination mit dem Verlust natürlicher Schutzbarrieren, wie zum Beispiel Wälder und Feuchtgebiete, machen Versicherungen entweder unerschwinglich oder gar nicht erst verfügbar.

Versicherer ziehen sich aus besonders gefährdeten Regionen zurück oder erhöhen die Prämien. In Europa sind derzeit nur 20 Prozent der Katastrophenschäden versichert – und die Schutzlücke wird immer größer. Wo Versicherungen fehlen, muss der Staat mit öffentlichen Geldern einspringen, um Schäden – beispielsweise an Infrastruktur wie Straßen und Brücken – zu beheben. Das ist eine enorme Last für die öffentlichen Kassen. In Deutschland machte der rund 30 Milliarden Euro schwere Fonds zum Wiederaufbau nach der Flut im Ahrtal dies ebenso deutlich wie die Nothilfen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro, mit denen Spanien seine Landwirtschaft nach der Dürre im Jahr 2023 unterstützte.

Was kostet die Klimakrise?

Schätzungen des UN-Büros für Katastrophenvorsorge zufolge belaufen sich die globalen Kosten von Naturkatastrophen inzwischen auf rund 2,3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Dabei werden neben den direkten Schäden auch die Folgekosten sowie die Verluste an Ökosystemen berücksichtigt. Allein im Jahr 2025 gab die Europäische Union 43 Milliarden Euro aufgrund von Hitzewellen, Dürren und Überflutungen aus. Mit dem Fortschreiten der Klimakrise werden diese Kosten weiter ansteigen.

Pflichtversicherung im Koalitionsvertrag

Die Innenstadt von Bad Münstereifel ist durch das Erft-Hochwasser zerstört © picturealliance / dpa / Roberto Pfeil
Die Innenstadt von Bad Münstereifel ist durch das Erft-Hochwasser zerstört © picturealliance / dpa / Roberto Pfeil

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 wurden laut Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 7,5 Milliarden Euro an 200.000 Versicherte ausgezahlt – und das, obwohl nur ein Fünftel der Schäden versichert war. Für Menschen ohne Versicherung wurde die Katastrophe zum finanziellen Desaster.

Um das in Zukunft zu vermeiden, hat die derzeitige Bundesregierung die Einführung einer Pflichtversicherung für Elementarschäden in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Doch es bleiben Fragen: Wie hoch würden die Prämien für eine solche Pflichtversicherung ausfallen? Und würden Versicherungsgesellschaften in Regionen, die von Extremwetterereignissen gefährdet sind, eine solche Versicherung überhaupt anbieten? Es klafft eine Versicherungslücke.

Alleingelassen mit den Schäden

Diese Lücke lässt Menschen schutzlos zurück, wenn sie von Extremwetterereignissen hart getroffen werden. Weltweit sind mehr als die Hälfte der klimabedingten Schäden unversichert, in Entwicklungsländern sind es sogar mehr als 90 Prozent. Dies stellt eine systemische Bedrohung für die Lebensgrundlagen der Menschen, die Widerstandskraft der Wirtschaft sowie die Stabilität der Staatsfinanzen und des Finanzsystems dar.

WWF-Plan: So lässt sich die Lücke schließen

Überflutete Auenwälder an der mittleren Elbe © Bernd Eichhorn / WWF
Überflutete Auenwälder an der mittleren Elbe © Bernd Eichhorn / WWF

Um der wachsenden Versicherungslücke entgegenzuwirken, hat der WWF gemeinsam mit Versicherungsgesellschaften und Wissenschaftler:innen konkrete Strategien für mehr Resilienz entwickelt. Regierungen und Finanzaufsichtsbehörden müssen jedoch die Grundursachen – die Klimakrise und der Naturverlust – angehen, damit unsere Gesellschaften weiterhin versicherbar bleiben. Dazu ist eine systematische Bewertung von Klimarisiken und Widerstandsfähigkeit, eine umfassende Naturschutz-Offensive sowie ein stärkerer Fokus auf naturbasierte Lösungen zur Schadensprävention notwendig.

„Die exponentiell wachsenden Verluste und Schäden durch Extremwetterereignisse, die den Versicherungsmarkt untergraben, werden sowohl durch steigende Temperaturen als auch durch die Zerstörung von Ökosystemen verursacht, die uns schützen. Wälder, Mangroven oder Feuchtgebiete sind entscheidend für die Verringerung der verheerenden Auswirkungen dieser Extremereignisse und müssen daher im Zentrum der Strategien stehen, um unsere Resilienz zu erhöhen und Regionen versicherbar zu halten.”

Kirsten Schuijt, Generaldirektorin von WWF International

Das fordert der WWF:

In seinem Bericht „Tackling the Insurance Protection Gap“ fordert der WWF politische Entscheidungsträger:innen und Finanzaufsichtsbehörden auf:

  • Risiken und Resilienz ganzheitlich und zukunftsorientiert zu bewerten, wobei sowohl direkte als auch indirekte Verluste berücksichtigt werden müssen, um politische Maßnahmen zu steuern und die Stabilität unseres Finanz- und Wirtschaftssystem langfristig zu erhalten.
  • Klimaschutz und Naturschutz voranzutreiben. Treibhausgasemissionen müssen reduziert und der Verlust von Ökosystemen gestoppt werden, um langfristige Risiken zu begrenzen und Versicherungsschutz zu ermöglichen.
  • Natur muss zu einem Kernelement von Resilienz- und Anpassungsstrategien gemacht werden und ihr Schutzwert muss anerkannt werden.
  • Marktanreize und Versicherungsregulierung so anpassen, dass Versicherungslücken verringert werden und der Transfer von Residualrisiken erleichtert wird.

Weitere Informationen

  • Hochwasser in Tschechien mit Feuerwehreinsatz © Imago / CTK Photo / Caclav Pancer Mit der Natur, nicht gegen sie: Forderungen für mehr Hochwasserschutz

    Bereits zum dritten Mal im Jahr 2024 herrschte im September in Deutschland eine Hochwasserlage. Weiterlesen...

  • Aktive Feuer im August 2019 © NASA Verbrannte Erde – Unsere Wälder in Flammen

    Waldbrände gibt es, seit es Wälder auf der Erde gibt. Gefährlich wird es, wenn Waldbrände zu heftig, zu lange, zu großflächig an den falschen Orten oder zu ungewöhnlichen Jahreszeiten toben. Weiterlesen...

  • Kohlefabrik nahe Köln © Andrew Kerr / WWF Klimaschutz und Energiewende in Deutschland

    Der WWF Deutschland fordert Verbindlichkeit für die Klimaschutzziele und setzt sich für ein Klimaschutzgesetz auf Bundesebene ein. Weiterlesen...

  • Klimastrategien für Paris © Shérif Scouri / WWF Frankreich Internationale Klimapolitik

    Im Dezember 2015 wurde das Pariser Abkommen beschlossen um die Erderwärmung zu beschränken. Weiterlesen...