Luftbild des Tagungsorts der UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya, Türkei mit dem COP31-Logo auf dem Gebäude.

Zurück auf den 1,5-Grad-Pfad: Die Emissionen müssen runter!

UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya
Stand: 04.11.2026

Vom 9. bis 20. November 2026 findet in der türkischen Millionenstadt Antalya die 31. Klimakonferenz (COP31) statt. Erstmals teilen sich zwei Länder die Präsidentschaft: Die Türkei ist Gastgeberland und verantwortet die Action Agenda, Australien leitet die Verhandlungen. Zwei Wochen lang kommen die Vertreter:innen der Vertragsstaaten des Klimarahmenabkommens zusammen, um zu verhandeln und Beschlüsse zu fassen. Doch in diesem Jahr muss mehr drin sein: Wir müssen vom Beschließen ins Handeln kommen, denn derzeit befinden wir uns auf einem Pfad, auf dem wir die 1,5-Grad-Grenze nicht einhalten können.

Fast täglich macht das Klima Schlagzeilen: Überschwemmungen und Dürren, Hitze und Stürme treffen die Menschen vielerorts auf der Welt in nie dagewesenem Ausmaß. Sie zeigen schon heute, welchen Preis Menschen weltweit für die Klimakrise zahlen – und was wir riskieren, wenn wir nicht entschlossen handeln.

Das wissen auch die Vertragsparteien der Weltklimakonferenz. Seit Jahrzehnten verhandeln sie über Klimaschutz, die Finanzierung von Klimafolgeschäden, den Ausstieg aus fossilen Energien – jedes Jahr aufs Neue. Es sind zähe Verhandlungen, die sich über zwei Wochen hinziehen und anspruchsvolle Ziele setzen.

Die Welt steuert auf 2,8 Grad Erderhitzung zu

WWF-Unterstützer:innen protestieren für die Einhaltung des 1,5°-Grad-Ziels während der COP26 mit einem Schild mit der Aufschrift: Keep 1.5°C alive. Every climate promise must be kept. #WeWontForget
Für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels braucht es zeitnah Emissionssenkungen © David Bebber / WWF-UK

Doch bislang sind sie nicht anspruchsvoll genug. Schon jetzt sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar. Auch der im Oktober 2026 veröffentlichte Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms zeigt: Bei Fortführung der aktuellen Klimapolitik bis zum Jahr 2100 gehen wir auf eine Erderwärmung von 2,8 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu.

Wir befinden uns derzeit nicht auf einem 1,5 Pfad und selbst mit der ambitioniertesten Minderung werden 1,5 Grad überschritten werden. Allerdings können wir die Überschreitung noch begrenzen und die Erderhitzung wieder absenken. Dafür sind schnelle und steile Emissionssenkungen notwendig und zusätzlich werden wir CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre entnehmen müssen.

Deswegen müssen alle Staaten ihre Ziele im Klimaschutz verstärken und sie schnell und umfassend umsetzen. Das zu erreichen wird die Aufgabe der Klima-COP31 sein.

„Die Warnungen könnten nicht lauter tönen, aber noch immer scheinen viele nur mit einem Ohr hinzuhören – oder gleich die Kopfhörer aufzulassen.“

Fentje Jacobssen, Co-Leiterin Klima und Energie beim WWF Deutschland

Wir müssen vom Verhandeln ins Handeln kommen

Die auf den vorherigen Klimakonferenzen beschlossenen Ziele mögen zum Teil ehrgeizig gewesen sein, doch sie reichen längst nicht aus. Darüber hinaus muss auch an ihrer tatsächlichen Umsetzung gearbeitet werden.

Blick auf die Logo-Skulptur der COP31 vor den Länderflaggen am Tagungsort in Antalya, Türkei.
Die 31. UN-Klimakonferenz findet statt in Antalya, Türkei © IMAGO / Anadolu Agency

Die Schere zwischen dem, was eigentlich nötig ist und dem, was tatsächlich beschlossen und umgesetzt wird, darf nicht weiter auseinander gehen: Statt die Energiewende auszubremsen und Geld für umweltschädliche Praktiken wie den Tankrabatt auszugeben, wie es die Bundesregierung hierzulande gerade tut, müssen Blockaden für eine schnelle, gerechte und sozialverträgliche Transformation abgebaut werden.

Genau das soll auf der 31. Klimakonferenz COP31 in der Türkei passieren. Sie steht im Zeichen der konkreten Umsetzung von Beschlüssen, die ab jetzt Priorität haben muss. Denn der große Rahmen steht: Die Erderhitzung soll auf möglichst 1,5 Grad begrenzt werden. Ein Überschreiten dieser Grenze darf nur temporär sein, die Kurve muss also langfristig wieder darunter führen. Hier klaffen derzeit noch große Lücken – die COP31 muss dazu beitragen, genau diese Lücken zu schließen.

Wir müssen weg von fossilen Energieträgern

Der Weg dorthin ist klar: Wir müssen die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas beenden. Auf diese Abkehr, im Konferenzjargon „TAFF“ (Transition Away from Fossil Fuels) genannt, hat sich die Staatengemeinschaft längst geeinigt.

Einige Länder haben bereits begonnen, einen Fahrplan für diese Abkehr zu zeichnen, darunter auch Deutschland. International hat Deutschland damit ein wichtiges Signal gegeben, allerdings wurde es nicht mit den notwendigen ambitionierten Maßnahmen unterfüttert. Denn statt die Abkehr zu beschleunigen, setzt Deutschland weiter insbesondere auf fossiles Gas. Die Erneuerbaren wiederum, unsere Zukunftsgarantien, werden weiter ausgebremst.

Vor und während der COP31 geht es auch darum, ob weitere Länder eigene, konkrete Pläne zur Abkehr von fossilen Energieträgern und zur Verringerung des CO2-Ausstoßes vorlegen.

„Die gute Nachricht ist: Noch sind die 2,8 Grad nicht gesetzt, wir können die Klimakrise noch eindämmen. Dafür sollte Deutschland zuhause konsequent auf Erneuerbare setzen, unter anderem mit einem Netzpaket für eine moderne und digitalisierte Stromnetzinfrastruktur ohne Bremsklötze für die Wind- und Solarenergie.“

Fentje Jacobssen, Co-Leiterin Klima und Energie beim WWF Deutschland

Weiterer Schwerpunkt der COP31: Elektrifizierung

Eine Wärmepumpe neben einer Ladestation für E-Autos an einer Hauswand
Elektrifizierung mit Erneuerbaren: klimaneutral fahren und heizen © snapshotfreddy / iStock / Getty Images

Klimakonferenz-Gastgeber Türkei setzt sich dafür ein, dass Strom bis 2035 rund 35 Prozent des Energieverbrauchs deckt. Elektrifizierung allein reicht allerdings nicht. Sie hilft nur, wenn sie mit dem Ausbau der Erneuerbaren und dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einhergeht.

Wenn der Strom für E-Autos und Wärmepumpen aus Wind und Sonne stammt, lässt sich klimaneutral fahren und heizen. Stammt er weiter aus fossilen Kraftwerken, bleibt die Klimabilanz schlecht, auch wenn die Technik effizienter ist.

Unterstützung für einkommensschwache Länder

Weiterer Agendapunkt in Antalya: die Klimafinanzierung für einkommensschwache Länder. Bis 2035 sollen dafür jährlich 1,3 Billionen US-Dollar bereitstehen, davon mindestens 300 Milliarden aus den Industrieländern.

Doch bislang hat Deutschland – wie die meisten anderen Industrieländer – noch nicht dargelegt, wie viel es beitragen wird. Und selbst bei der bisherigen Zusage klafft eine Lücke: Statt der versprochenen sechs Milliarden Euro an Haushaltsmitteln pro Jahr wurden 2025 nur 4,7 Milliarden Euro bereitgestellt und auch im laufenden und kommenden Jahr droht dieser Trend fortgesetzt zu werden.

Es scheint noch nicht verstanden worden zu sein, dass sich Investitionen in den Klimaschutz rechnen! Vorsorge ist günstiger als die Kosten für die Folgen der Klimakrise zu tragen.

Der WWF fordert deshalb, dass Deutschland bis zur COP31 seinen Beitrag klar benennt und die öffentliche Klimafinanzierung bis 2030 auf mindestens 12 Milliarden Euro jährlich erhöht. Davon profitiert auch Deutschland, denn in einer vernetzten Welt sind eine stabile Wirtschaft und eine intakte Natur anderswo auch in unserem Interesse.

Es braucht neue Zusagen und Geld, das fließt

Von der diesjährigen COP erwartet der WWF, dass das Arbeitsprogramm zur Klimafinanzierung genutzt wird, um die Zusagen der Industrieländer verbindlicher, transparenter und besser planbar zu machen. Länder im globalen Süden brauchen Klimafinanzierung, die ausreichend, verlässlich und zugänglich ist, um Klimaschutz, Anpassung sowie den Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten wirksam voranzubringen.

Außerdem muss die Finanzierung der Klimaanpassung auf Basis des Ziels von 2025 bis 2035 verdreifacht werden. Dieses Ziel sollte bei der COP31 verbindlich festgehalten und mit einem glaubwürdigen Pfad, der auf der Bereitstellung öffentlicher Mittel beruht, unterlegt werden. Gleichzeitig braucht es eine deutliche Stärkung der Finanzierung für klimabedingte Schäden und Verluste.

Eine Torfmosaik-Jungfer (Aeshna juncea) nach der Metamorphose von der Larve zur Libelle.
Das internationale Finanzsystem muss einer Transformation im Sinne der Klimagerechtigkeit unterzogen werden © snapshotfreddy / iStock / Getty Images

Zusätzliche Mittel stünden zur Verfügung, wenn zum Beispiel umwelt- und klimaschädliche Subventionen abgebaut und umgewidmet würden. Gleichzeitig sollten Staaten die COP nutzen, um Artikel 2.1 (c) des Pariser Abkommens mit Leben zu füllen: Finanzströme müssen weg von fossilen Energien und hin zu einer gerechten, klimaverträglichen Entwicklung gelenkt werden. Dafür braucht es auch Reformen des internationalen Finanzsystems, die Schuldenlasten senken, Finanzierungskosten reduzieren und klimafreundliche Investitionen insbesondere im Globalen Süden erleichtern.

Ein gerechter Übergang gelingt nur, wenn die Menschen, die besonders stark von der Klimakrise betroffen sind, aktiv an Entscheidungen beteiligt werden. Indigene Völker und lokale Gemeinschaften müssen Klimamaßnahmen mitgestalten und an ihrer Umsetzung teilhaben können. Klimapolitik ist letztlich immer auch Gesellschaftspolitik: Entscheidend ist, wer von Maßnahmen profitiert, wer Risiken trägt und wer bei den Entscheidungen mit am Tisch sitzt.

Die Ergebnisse der COP dürfen dabei nicht im Verhandlungsraum bleiben. Die COP31 sollte ihre Aktionsagenda nutzen, um die Umsetzung zu beschleunigen und Regierungen, Städte, Unternehmen, Finanzinstitutionen, Zivilgesellschaft, indigene Gruppen und lokale Gemeinschaften zusammenzubringen. Nur wenn Zusagen in konkrete Maßnahmen vor Ort übersetzt werden, kann die notwendige Transformation gelingen.

Die Zeit drängt – mehr denn je

Die COP31 in Antalya ist die Chance, vom Verhandeln zum Handeln zu kommen. Die 1,5-Grad-Grenze ist derzeit nicht erreichbar – umso mehr zählt jetzt jedes Zehntelgrad, um wieder auf diesen Pfad zu kommen. Die Entscheidungen, die in Antalya getroffen werden, werden zeigen, ob die Staatengemeinschaft die Klimakrise noch in den Griff bekommt. Die Zeit dafür wird knapp.

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