Bioökonomie – das ist eine Wirtschaft jenseits von fossilen Rohstoffen. Allerdings dürfen fossile Rohstoffe nicht eins zu eins durch Biomasse ersetzt werden. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe darf die Kapazitäten unserer Ökosysteme nicht überschreiten.

Unendliches Wirtschaftswachstum ist nicht vereinbar mit den Grenzen unseres Planeten. Eine Wirtschaft, die verstärkt nachwachsende Rohstoffe einsetzt, kann nur dann nachhaltig sein, wenn dies mit einer sozial-ökologischen Transformation einhergeht und sich unsere Gesellschaft vom energie- und rohstoffintensiven Wirtschaftsmodell abkehrt. Nur wenn wir den Ressourcenverbrauch in allen Bereichen der Wirtschaft deutlich verringern, werden wir den Bedarf an biologischen Rohstoffen nachhaltig decken können ohne Artenvielfalt und Weltklima weiter zu zerstören.

Kein Biomasseimport aus dem Globalen Süden

Bioökonomie muss ökologisch verantwortungsvoll und sozial gerecht sein. Der Import von Biomasse aus dem globalen Süden, der in vielen Bioökonomie-Szenarien ein Eckpfeiler der Rohstoffversorgung werden soll, ist hoch problematisch. Schon heute kann die industrielle Land- und Forstwirtschaft in den betroffenen Ländern dazu führen, dass Menschen vertrieben und ausgebeutet werden und Naturräume zerstört werden. Ein dramatischer Anstieg der Nachfrage nach Biomasse würde diese Probleme weiter verschärfen. Daher brauchen wir wirksame Maßnahmen zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs sowie verpflichtende ökologische und soziale Standards.

Ohne demokratische Beteiligung keine gesellschaftliche Akzeptanz

Die deutsche Bioökonomie-Diskussion findet bislang weitgehend in geschlossenen Expert*Innenzirkeln statt, die von Industrie, industrienaher Forschung und deren politischen Verbündeten dominiert werden. Wenn Bioökonomie zu einer relevanten Zukunftsstrategie werden soll, muss die Diskussion für BürgerInnen und zivilgesellschaftliche Organisationen geöffnet werden. Im stillen Kämmerlein über die nächste Stufe der industriellen Verwertung von Naturräumen und die Anwendung von Risikotechnologien wie der Gentechnik zu beraten, führt zu Vertrauensverlust bei den Bürger*Innen. Eine Zukunftsstrategie wie die Bioökonomie wird nur dann in der Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen, wenn die notwendige Transformation demokratisch legitimiert ist.

Bioökonomiestrategie der Bundesregierung ignoriert UN-Konventionen

Im Januar 2020 veröffentlichte die deutsche Bundesregierung ihre Bioökonomie-Strategie mit dem Ziel „Ökonomie und Ökologie für ein nachhaltiges Wirtschaften zu verbinden“. Der WWF steht gemeinsam mit anderen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen des Aktionsforums Bioökonomie der Bioökonomie-Strategie kritisch gegenüber, insbesondere, weil sich die Bundesregierung darin nicht auf eine sozial-ökologische Trendwende festlegt.

Zu Beginn des Papiers heißt es, dass „der Ressourcenverbrauch auf ein ökologisch verträgliches Maß reduziert werden“ muss, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Statt daraus jedoch Konsequenzen bezüglich des Wachstumsparadigmas zu ziehen, setzt die Regierung auf technologische Innovationen und die verstärkte Erschließung und Nutzung biogener Rohstoffe. So lässt sich das Papier auch als Plädoyer für Gentechnik und eine weitere Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft lesen.

Die Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung ordnet sich trotz ihrer internationalen Auswirkungen auf Biodiversität und das Recht auf Nahrung aktuell noch nicht in die entsprechenden Konventionen der Vereinten Nationen ein. Eine Bioökonomie-Strategie, die sich nicht im Kern auf die Ziele, Werte und Regeln des Übereinkommens über die biologische Vielfalt und des Komitees für Welternährung bezieht, droht die gleichen Fehler zu wiederholen wie die bisherigen Strategien zur Bioökonomie.

Bioökonomie for Future

Wie die Zukunft sozial gerecht und ökologisch nachhaltig gestaltet werden kann, hat die Weltgemeinschaft mit der Agenda 2030 und den daraus abgeleiteten Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, Sustainable Development Goals) vereinbart. Jede Bioökonomie-Strategie muss sich daran orientieren und darf nicht hinter die Agenda 2030 zurückfallen.

Der WWF fordert gemeinsam mit Umwelt- und Entwicklungsorganisationen des Aktionsnetzwerks Bioökonomie zivilgesellschaftlichen Mitspracherecht bei der weiteren Ausgestaltung der nationalen Bioökonomie-Strategie. Wie Bioökonomie in zentralen Politikfeldern ökologisch nachhaltig und sozial gerecht funktionieren kann, hat der WWF gemeinsam mit anderen Umwelt- und Entwicklungsverbände des Aktionsforums Bioökonomie unter www.nachhaltige-biooekonomie.de dargestellt.

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