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Stand: 17.09.2018

Illegale Fischerei

Illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei (kurz: IUU-Fischerei) ist ein großes Problem. Fische werden mit unerlaubtem Fanggerät, zu Sperrzeiten oder in Schutzgebieten gefangen. Oder es werden Fischarten gefangen, für die der Fischer keine Lizenz hat, oder mehr Fisch als ihm erlaubt ist. Der weltweite Fang aus IUU-Fischerei beträgt Schätzungen zufolge bis zu 26 Millionen Tonnen Fisch jährlich im Wert von 8,6 bis 19,8 Milliarden Euro.

Illegaler Trawler © Mike Markovinathe / Pew Charitable Trusts
Illegaler Trawler © Mike Markovinathe / Pew Charitable Trusts

Vor allem in den Gewässern von Entwicklungsländern und insbesondere afrikanischen Staaten südlich der Sahara grassiert die illegale Fischerei. Hier fehlt es an Mitteln und Ausbildung, um die Fischerei vor der eigenen Küste in ausreichendem Maß zu kontrollieren.

 

IUU-Fischerei kann außerdem bedeuten, dass unerlaubt Fanggeräte eingesetzt werden oder in Gebieten gefischt wird, in der die Fischerei gesetzlich verboten ist. Daraus können hohe Beifangraten resultieren und empfindliche Ökosysteme werden so zerstört. Den Preis für die IUU-Fischerei zahlen die Fischer, die sich an die Gesetze halten. Am Ende konkurrieren sie mit den unfairen Praktiken der IUU-Fischer und mit dem illegal vermarkteten Fisch. 

IUU-Fischerei bedroht direkt und indirekt die Meeresökosysteme

IUU-Fischerei trägt auch dazu bei, dass die wissenschaftlichen Schätzungen über die Bestandsgrößen ungenauer werden. Häufig gründen die Wissenschaftler ihre Berechnungen der Größe einer Fischpopulation auf den Fangdaten der vergangenen Jahre – illegale und undokumentierte Entnahmen bleiben dabei unberücksichtigt.

 

IUU-Fischerei ist nach wie vor eine der größten Bedrohungen für die Meeresökosysteme, da sie in der Lage ist, die nationalen und regionalen Bemühungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischerei und dem Erhalt der biologische Vielfalt der Meere zu untergraben. 

EU-Verordnung im Kampf gegen IUU-Fischerei

© James Morgan / WWF-US
© James Morgan / WWF-US

Mit dem Ziel gegen die IUU-Fischerei vorzugehen und die Einfuhr illegaler Ware zu verhindern, hat die EU 2010 eine EU-Verordnung verabschiedet. Darin geht es um die Verhinderung, Bekämpfung und Unterbindung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei. Sie gilt weithin als die ehrgeizigste Rechtsvorschrift ihrer Art.

 

Seit ihrer Einführung hat die Verordnung sich als wirkungsvolles Instrument zur Bekämpfung der IUU-Fischerei erwiesen. Sie leistet einen Beitrag dazu, illegal gefangenen Fisch aus dem EU-Markt fernzuhalten. Sie treibt weltweit positive Veränderungen von Fischereistandards und -verfahren voran und unterstützt somit das Ziel weltweit eine nachhaltige Fischereiindustrie zu erreichen.

 

Ungeachtet dieser Erfolge gibt es noch viel zu tun, um die Verordnung vollständig und einheitlich umzusetzen. Eine Analyse der Berichte der EU Mitgliedstaaten für den Zeitraum 2014/2015 zeigt, dass unterschiedliche Umsetzungen der Einfuhrkontrollen zwischen Mitgliedstaaten und uneinheitliche Umsetzungen die Wirksamkeit der EU IUU-Verordnung untergraben.

Deutschlands entscheidende Rolle gegen die IUU-Fischerei

Deutschland spielt bei der Umsetzung der IUU-Verordnung als einer der größten Importeure von Fischereiprodukten in der EU eine entscheidende Rolle. Die Bundesregierung muss für die Kontrollen zusätzliche Ressourcen einsetzen und für ein gründliches Prüfverfahren sorgen. Nur so kann die Einfuhr von Produkten aus IUU-Fischerei vermieden werden und die IUU-Fischerei erfolgreich bekämpft werden.

 

Ein Rechtsgutachten von 2017, das von WWF, EJF und Oceana in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Schluss, dass Deutschland bislang seinen in der IUU-Verordnung festgelegten Pflichten zur Kontrolle der Fangbescheinigungen, um risikobehaftete Sendungen zu identifizieren, nur unzureichend nachkommt und gegen EU-Recht verstößt. In Anbetracht von Deutschlands großer Bedeutung beim Import von Fischereiprodukten muss hier dringend nachgebessert werden, um zu verhindern, dass Deutschland zum Einfallstor für illegale Fischereiprodukte in der EU wird.

Beendigung der IUU-Fischerei

Der WWF setzt sich gemeinsam mit der Environmental Justice Foundation (EJF), Oceana und The Pew Charitable Trusts für die einheitliche und wirksame Umsetzung der EU-Verordnung zur Beendigung der IUU-Fischerei ein.

 

Auch Händler und Konsumenten können etwas beitragen. Eine lückenlose Rückverfolgung der Produkte vom Netz bis zum Teller muss möglich gemacht werden. Produkte aus MSC-zertifizierter Fischerei bieten bereits heute eine solide Rückverfolgbarkeit.

   
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