Beim WWF Deutschland sind diese drei Frauen Teil des Meeresschutz-Teams und engagieren sich für den Schutz der Ozeane: Karoline Schacht als Senior-Beraterin für Meeresschutzpolitik, Carla Langsenkamp als Senior Policy Advisor im Bereich Meeresschutz und Catherine Zucco als Senior-Programmmanagerin für nachhaltige Fischerei. Wir haben die Frauen gefragt, wie sie arbeiten und welchen Herausforderungen sie in ihrer Arbeit begegnen.

Karoline Schachts politische Superpower ist Geduld

Karoline Schacht, Senior-Beraterin für Meeresschutzpolitik beim WWF © Karoline Schacht
Karoline Schacht, Senior-Beraterin für Meeresschutzpolitik beim WWF © Karoline Schacht

„Naturschutz besteht auch aus Macht und Entscheidungen. Frauen müssen dort dringend mehr Einfluss gewinnen“, findet Karoline Schacht, Senior-Beraterin für Meeresschutzpolitik beim WWF Deutschland.

Schon mit 16 Jahren entschied sie sich, Meeresbiologie zu studieren. Inspiriert hatte sie dazu ein Bericht über die Meeresbiologin Gudrun Gaudian von Greenpeace, die in der Antarktis überwintert hatte.

„Wenn ich erzähle, dass ich im Meeresschutz arbeite, denken viele zuerst an Forschungsschiffe, Wale oder spektakuläre Bilder aus dem Meer“, sagt sie. Tatsächlich spielt sich Schachts Arbeitsalltag vor allem in Videokonferenzen und vor dem Computerbildschirm ab. Sie stimmt sich mit Kolleg:innen ab, schreibt Emails und Texte, liest Studien, bereitet Vorträge vor, formuliert Änderungsvorschläge für Gesetzentwürfe, diskutiert mit Menschen in Ministerien, Parlamenten und anderen Organisationen.

„Ich ringe um Formulierungen, um Mehrheiten, um politische Kompromisse“, so fasst sie es zusammen. Ihre politische Superkraft? Eine Extraportion Geduld.

Expertin für EU-Fischereipolitik

Karoline Schacht sorgte dafür, dass Beifang endlich als Problem erkannt wurde © Rudolf Svenson/WWF
Karoline Schacht sorgte dafür, dass Beifang endlich als Problem erkannt wurde © Rudolf Svenson/WWF

So etwa als sie im Jahr 2008 beim WWF das Thema Beifang in der Fischerei in den Fokus rückte. „Wir haben immer und immer wieder erklärt, dass einige Fischereien viel Fisch und andere Meerestiere im Netz haben, die sie gar nicht fangen dürfen oder wollen“, erinnert sie sich. Damals sprach in Deutschland kaum jemand darüber. Stolz macht es sie, als die Tagesschau damals über das Beifangproblem berichtete, ohne den Begriff extra zu erläutern.

In den ersten zehn Jahren nach ihrem Einstieg beim WWF als „Expertin für EU-Fischereipolitik“ war Schacht bei Begegnungen mit Personen aus der Politik oder der Fischerei fast immer die einzige Frau im Raum, egal ob in Brüssel, Berlin oder Heiligenhafen. Zumindest bei den NGOs hat sich das Geschlechterverhältnis inzwischen aber sogar umgedreht.

Der politische Druck jedoch erhöhte sich zuletzt wieder deutlich. „Im Moment sind wir als NGOs mit einem Rollback für die Rechte der Natur und den globalen Klimaschutz konfrontiert. Der macht auch vor der gesellschaftlichen Rolle der Frauen und den Rechten queerer Menschen nicht Halt,“ sagt sie. Viel Kraft, Energie und Zuversicht benötigten sie, die eigene „Existenzberechtigung“ zu verteidigen.

Das tut sie aus Überzeugung: „Meeresschutz bedeutet, Verantwortung für kommende Generationen und gerechtere Strukturen zu übernehmen,“ sagt sie. „Die gesellschaftliche Gleichstellung aller und die ökologische Nachhaltigkeit gehören für mich zusammen.“

Catherine Zucco macht die Fischerei nachhaltiger

Catherine Zucco, Senior-Programmmanagerin für nachhaltige Fischerei © Marlena Waldthausen / WWF Deutschland

Catherine Zuccos Begeisterung für den Meeresschutz wurde während ihres Biologiestudiums in England geweckt. Ausgiebig befasste sie sich damals mit der Entstehung des Lebens und belegte Kurse über die Evolution mariner Arten und Meeres- und Küstenökosysteme. „Die Erkenntnis, dass es ohne die Meere uns und das Leben an Land nicht geben würde, hat mich nachhaltig geprägt“, sagt sie.

Eine weitere prägende Erfahrung war für sie die Begegnung mit Elisabeth Mann Borgese bei einer Veranstaltung am Internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Ihr unermüdlicher Einsatz für das internationale Seerecht und den Schutz der Meere sowie ihre Rolle als Mitbegründerin und einzige Frau im Club of Rome machten sie für Zucco zu einem großen Vorbild.

Schleppnetze können erhebliche Schäden an der Meeresumwelt verursachen. © Conny Pokorny/iStock/GettyImages
Schleppnetze können erhebliche Schäden an der Meeresumwelt verursachen. © Conny Pokorny/iStock/GettyImages

Beim WWF konzentriert sich die leidenschaftliche Taucherin heute als Senior-Programmmanagerin auf nachhaltige Fischerei. Nach vielen Auslandseinsätzen im südlichen Afrika, setzt sie sich aktuell in Deutschland für fischereifreie Gebiete in den Nationalparken Wattenmeer ein.

Überzeugende Argumente sind dabei ihr wichtigstes Werkzeug. Im Austausch mit Nutzer:innen, Behörden und Politik sucht sie allen Interessenskonflikten zum Trotz nach Lösungsansätzen für einen besseren Schutz und eine nachhaltige Nutzung der Meere.

Mit Erfolg: 2012 etwa wirkte sie an der NDR-Dokumentation „Die Pangasiuslüge“ mit und machte gleichzeitig mit der Rotbewertung von Pangasius im WWF Fischratgeber auf die Missstände in der Aquakultur aufmerksam. Die Verkäufe von Pangasius in Deutschland brachen daraufhin ein und die vietnamesische Regierung und Industrie konnten dazu bewegt werden, den ASC-Standard für verantwortungsvolle Aquakultur einzuführen. Heute wird am deutschen Markt ausschließlich Pangasius aus ASC-zertifizierter Aquakultur angeboten.

Am meisten motivieren sie die Besuche der Projekte vor Ort. Besonders, wenn dort Zeit zum Schnorcheln oder Tauchen bleibt, für eine Wattwanderung, den Austausch mit Menschen oder eine Fahrt auf einem Fischerboot.

Emanzipation für alle Geschlechter

Zucco wünscht sich mehr gesellschaftliche Solidarität um Care-Arbeit, die immer noch überwiegend von Frauen geleistet wird, auf mehr Schultern zu verteilen. Diese enorme gesellschaftliche Arbeitsleistung braucht mehr Anerkennung und finanziellen Ausgleich. „Ebenso wie emanzipierte Frauen braucht es emanzipierte Männer, die sich in sozialen und Umweltberufen und in der Kindererziehung und Pflege von Mitmenschen engagieren.“ Nur so könne eine resiliente Gesellschaft mit den gleichen Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe von Frauen in allen Bereichen entstehen.

Als sie vor über 20 Jahren ihre erste Stelle antrat, war sie die einzige Frau in einem größeren Team von Wissenschaftlern. Noch immer vermisst sie ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Wissenschaftsbetrieben und den Behörden. Allerdings nimmt sie gerade in der traditionell eher männlich und konservativ geprägten Fischerei positive Veränderung wahr: „Es findet ein Generationswechsel statt und viele Stellen werden von Frauen und auch Männern besetzt, die offener für einen Austausch mit dem Naturschutz sind“, sagt Zucco. „Das gibt mir die Hoffnung, dass ein Wandel in Richtung nachhaltigere Fischerei, die mehr im Einklang mit der Meeresnatur steht, in greifbare Nähe rückt.“

Carla Langsenkamp gibt dem Meer eine Stimme

Carla Langsenkamp, Senior Policy Advisor im Bereich Meeresschutz © WWF Deutschland
Carla Langsenkamp, Senior Policy Advisor im Bereich Meeresschutz © WWF Deutschland

„Hartnäckig dranbleiben“, lautet die Devise von Carla Langsenkamp. Die studierte Geografin und Umweltplanerin ist als Senior Policy Advisor im Bereich Meeresschutz tätig und benötigt dabei oft einen langen Atem.

Beim WWF ist sie u.a. zuständig für einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie und eine nachhaltige Raumplanung in Nord- und Ostsee. Sie begleitet Gesetzesvorhaben – oft über Jahre – sowie behördliche Planungsprozesse. Über Stellungnahmen und Gespräche mit Entscheidungsträger:innen versucht sie, dem Meer in politischen Prozessen eine Stimme zu geben.

Was Langsenkamp antreibt, ist der Anspruch, dass menschliches Handeln im Meer möglich sein muss, ohne unsere Lebensgrundlage zu zerstören. Dafür braucht es konsequenten Schutz auf der einen, aber eben auch hohe Standards bei der Nutzung des einzigartigen Ökosystems auf der anderen Seite. „Der Naturschutz steht aber in der politischen Diskussion fast immer hinten an und wissenschaftliche Argumente dringen kaum durch“, sagt sie. Wirtschaftliche Aspekte hätten oftmals Vorrang, obwohl eine intakte Natur für uns Menschen lebenswichtig ist.

Carla Langsenkamp ist Expertin für Offshore-Windenergie © Eachat/iStock/GettyImages
Carla Langsenkamp ist Expertin für Offshore-Windenergie © Eachat/iStock/GettyImages

Oft hat Langsenkamp den Eindruck, als Frau in einem oftmals männlich geprägten Arbeitsumfeld weniger ernstgenommen zu werden und vermisst eine Anerkennung weiblicher Expertise. „Vielleicht wäre es einfacher, wenn Frauen in den entscheidenden Positionen in Wirtschaft und Politik stärker vertreten wären“, sagt sie.

Auch die aktuelle politische Situation stellt sie vor Herausforderungen. Mit Deregulationen und dem Abbau etablierter Umweltstandards werde der Naturschutz zunehmend diskreditiert und zum Sündenbock erklärt. Es gehe inzwischen mehr um das „Halten“ von bisher Erreichtem als um progressiven Meeresschutz. Ein Grund aufzugeben ist das für Carla Langsenkamp freilich nicht. Sie bleibt – was auch sonst: hartnäckig.

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