Ob eine Tasche eine gute Umweltwirkung hat, hängt nicht alleine von ihrem Material ab – die erste Einschätzung ist nicht immer die richtige. Empfehlungen des WWF für eine ökologische Wahl des Einkaufsbeutels.

Es ist eine typische Situation: Ein spontaner Einkauf steht an, ein eigener Beutel fehlt, und an der Kasse muss innerhalb weniger Sekunden entschieden werden, welche Tragehilfe gewählt wird: Papiertüte, Plastiktüte oder Stoffbeutel?

Die Umweltwirkung einer Tasche hängt dabei von vielen Faktoren ab. Neben Art und Herkunft des Rohstoffs spielen auch der Herstellungsprozess, der Anteil an Recyclingmaterial, die Nutzungsdauer sowie die Entsorgung eine entscheidende Rolle. Diese ganzheitliche Betrachtung wird als Ökobilanz bezeichnet. Eine solche Analyse lässt sich zwar nicht spontan beim Einkauf durchführen, anhand zentraler Kriterien ist jedoch eine vereinfachte und nachvollziehbare Bewertung möglich.

Die Papiertüte ist am umweltfreundlichsten – oder?

Person mit Papiertüte in der Hand
Papiertüte © Iuliia Pilipeichenko / iStock / GettyImages

Beginnen wir mit der Papiertüte. Für ihre ökologische Bewertung ist entscheidend, ob sie aus recyceltem Altpapier oder aus Frischfasern hergestellt wird. Zwar gilt Holz als nachwachsender Rohstoff, doch auch dieser ist nur begrenzt verfügbar: Die WWF-Studie „Alles aus Holz – Rohstoff der Zukunft oder kommende Krise“ zeigt, dass der weltweite Verbrauch von Holz weitaus höher ist als das, was den Wäldern nachhaltig entnommen werden kann.

Und gerade Deutschland ist ein Hochkonsumland: Trotz großer eigener Waldressourcen müssen wir unseren Mehrbedarf durch Importe decken. Mit absehbaren, extremen Folgen für die Biodiversität, das Klima und auch für die Verteilungsgerechtigkeit.

Auch der Herstellungsprozess wirkt sich negativ auf die Ökobilanz aus. Um Papiertüten stabil und reißfest zu machen, werden hochwertige Fasern sowie Klebstoffe und weitere Chemikalien benötigt. Dennoch halten viele Papiertüten oft nur eine einzige Nutzung aus und reißen bereits nach kurzer Zeit. Hinzu kommt, dass Holz ein vielseitig genutzter Rohstoff ist. Es wird benötigt für die Energieversorgung, zum Heizen, als Baustoff und sogar für unsere Kleidung. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig sinnvoll, Holz (insbesondere Frischfasern) für kurzlebige Produkte wie Einwegtragetaschen einzusetzen.

Plastiktüte: mehrfach nutzen und danach recyceln

Obsttüte aus Plastik
Obsttüte aus Plastik © editorial head / iStock / GettyImages

Seit Januar 2022 sind in Deutschland bestimmte (leichte) Einwegtragetaschen gesetzlich verboten. Viele Supermärkte bieten jetzt dicke „Mehrweg“-Plastiktaschen an. Diese können zwar theoretisch mehrfach genutzt werden, in der Praxis besteht aber kein monetärer Anreiz (wie sonst gängige Praxis bei Mehrwegverpackungen) dies auch zu tun.

Entscheidet man sich also beim Spontaneinkauf für eine Plastiktüte, ist es essenziell für die Ökobilanz, dass man diese mehrfach und so oft wie möglich wiederverwendet (rund  fünf bis zehn mal als grober Richtwert, der gern überschritten werden kann), bevor man sie dem Recyclingkreislauf zuführt, also sie in den gelben Sack entsorgt.

Entscheidet man sich also beim Spontaneinkauf für eine Plastiktüte, verwendet diese mehrmals und führt sie anschließend wieder dem Recyclingkreislauf zu, so ist das im Vergleich zur Papiertragetasche die bessere Wahl.

Wichtig hervorzuheben: Keine Tasche gehört in die Natur, aber bei Plastiktaschen sind die Auswirkungen besonders gravierend. Denn dort baut sie sich nicht biologisch ab, sondern zersetzt sich über viele Jahre in immer kleinere Partikel, sogenanntes Mikroplastik. Dieses richtet großen Schaden in der Fauna, Tierwelt und nicht zuletzt bei uns Menschen an.

Stoffbeutel: auf Materialwahl achten und lange nutzen

Nachhaltig einkaufen
Nachhaltig einkaufen © jchizhe / iStock / GettyImages

Auch die Herstellung von Stoffbeuteln belastet die Umwelt: Insbesondere Baumwollbeutel aus konventionellem Anbau verursachen einen hohen Wasserverbrauch und gehen häufig mit dem Einsatz von Pestiziden einher. Wer sich für einen Stoffbeutel entscheidet, sollte auf fair angebaute Bio-Baumwolle oder recycelte Baumwolle achten. Eine noch bessere Klimabilanz weisen Beutel aus Bio-Hanf oder Bio-Leinen auf.

Aufgrund des vergleichsweise hohen Aufwands bei der Produktion müssen Stoffbeutel – je nach Material, Herstellungsweise und Rohstoffherkunft – etwa 50- bis 150-mal verwendet werden, um eine ökologisch sinnvolle Wahl zu sein. Wird er also aus schlechtem Gewissen an der Supermarktkasse gekauft, um anschließend ungenutzt zu Hause zu lagern, ist das eine Verschwendung von Ressourcen. Ein Stoffbeutel ist nur dann umweltfreundlich, wenn er regelmäßig im Alltag zum Einsatz kommt und so Einwegmaterial ersetzt.

Taschen aus Recyclingmaterial: Downcycling von recyceltem PET

Grundsätzlich sind robuste Taschen, die über einen langen Zeitraum genutzt und am Ende ihrer Lebensdauer dem Recyclingkreislauf zugeführt werden, die ökologisch sinnvollste Wahl.

Komplexer wird die Bewertung bei Taschen aus recyceltem PET (rPET). Denn dieses Material lässt sich hochwertig recyceln und in Deutschland existiert dafür ein sehr gut funktionierender Kreislauf. Wenn eine PET-Flasche in einem Automaten oder an einer Theke zurückgegeben wird, kann sie grundsätzlich wieder zu einer PET-Flasche werden.

Nach einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) gelangen rund 97 Prozent aller PET-Einwegflasche über das Pfandsystem zurück in den Kreislauf. Allerdings werden derzeit nur etwa 45 Prozent davon tatsächlich wieder zu neuen PET-Flaschen verarbeitet.

„Wir geben PET-Flaschen sortenrein zurück und verfügen – nach den notwendigen Reinigungsschritten – über ein Material, das als Rezyklat wieder Lebensmittelkontakt haben kann.“

Laura Griestop, WWF-Referentin im Fachbereich Wirtschaft und Märkte

Wenn vermeintlich nachhaltige Produkte Kreisläufe schwächen

Verschiedener Verpackungsabfall in Papiertüten © GettyImages
Verschiedener Verpackungsabfall in Papiertüten © GettyImages

Aus alten Flaschen können unter Zugabe von etwas Neuware wieder neue Flaschen hergestellt werden. Jede Zweckentfremdung von PET für andere Produkte aus diesem geschlossenen Strom bedeutet einen Verlust für den Flaschen-zu-Flaschen-Stoffstrom – etwa wenn recyceltes PET für Plastiktüten oder Textilien genutzt wird. Es wird anschließend nicht mehr getrennt erfasst und kann daher nicht erneut für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt eingesetzt werden.

Dieser Prozess wird als Downcycling bezeichnet. In der Folge müssen neue Getränkeflaschen aus Neu-PET auf Erdölbasis hergestellt werden. Würde das PET im Flaschenkreislauf verbleiben, ließen sich in Deutschland laut der ifeu-Studie jährlich rund 60.000 Tonnen CO2 einsparen.

Was auf den ersten Blick nachhaltig erscheint – eine Tasche aus Recyclingmaterial – untergräbt also tatsächlich ein gut funktionierendes Recyclingsystem und wirkt sich letztlich negativ auf das Klima aus!

Vom guten Gefühl zur guten Entscheidung

Jede Einkaufstasche, jede Tüte und jeder Beutel ist Teil komplexer Stoffkreisläufe. Entscheidend ist daher, wie lange wir den Beutel, für den wir uns entscheiden, nutzen.

Welche Tasche für welchen Einkauf?

Ein kleiner Ratgeber, damit Sie gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, sich spontan an der Supermarktkasse für eine der angebotenen Taschen entscheiden zu müssen.

Der Spontaneinkauf

Auf dem Heimweg noch schnell ein paar dringend benötigte Sachen einkaufen – wer kennt das nicht? Leider hat man dann meistens keinen Einkaufsbeutel dabei und es ist verlockend, eine Tüte oder Papiertasche an der Supermarktkasse mitzunehmen. Die bessere Alternative: Bei wenigen Produkten probieren, ob diese in die Handtasche passen oder man sie kurz auf dem Arm tragen kann – etwa zum Fahrradkorb oder ins Auto. Auch Verpackungskartons im Supermarkt, die ohnehin entsorgt werden, sind eine gute Wahl.

Regelmäßiger (Groß-)Einkauf

Wenige, robuste Mehrwegtragetaschen oder Körbe, die über Jahre genutzt werden, sind die beste Wahl. Am besten aus recyceltem Material.

Einkauf per Fahrrad und zu Fuß

Hier schneiden multifunktionale Lösungen besser ab als spezielle Einkaufstaschen wie etwa Rucksäcke, Fahrradtaschen oder Umhängetaschen, denn diese werden insgesamt häufiger und länger genutzt.

Wiederkehrende Gelegenheitseinkäufe

Der Alltag ist so voll, dass kein planbares Zeitfenster für Einkäufe bleibt? Um trotzdem allzeit vorbereitet zu sein, empfiehlt sich hier, Einkaufsbeutel, die langlebig sind und nur wenig Platz wegnehmen, an strategischen Stellen zu platzieren – etwa in der Handtasche, im Büroschreibtisch oder dem Fach des Kindes in der Kita.

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