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Stand: 12.09.2018

Klimaschutz in der Industrie

Der Industriesektor ist nach der Energieerzeugung der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland. Der Industrie kommt am Wirtschaftsstandort Deutschland damit eine zentrale Rolle zur Begrenzung der Erderhitzung auf deutlich unter 2° Celsius zu.

Klimaschutz in der Industrie © Getty Images
Klimaschutz in der Industrie © Getty Images

Handlungsbedarf in allen Industriebranchen

Der Klimaschutzplan 2050 sieht eine weitgehende Klimaneutralität bis 2050 vor und definiert für jeden Sektor Emissionsminderungsziele für 2030. Für den Sektor Industrie ist eine Halbierung der Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 vorgesehen. Allerdings sind die Emissionen in der Industrie seit 2002 praktisch nicht mehr gesunken bzw. sogar wieder leicht angestiegen. Diese Entwicklung muss sich umkehren. Ambitionierte und umfassende Schritte zur Dekarbonisierung des Industriesektors sind zwingend nötig.

 

Dabei ist ein Handeln über alle Industriebranchen hinweg nötig. Als größte Emittenten stehen dabei die Eisen- und Stahlherstellung, die Erdölverarbeitung in den Raffinerien und die Zementindustrie besonders in der Verantwortung.

 

Diese Branchen stehen aber auch vor besonderen Herausforderungen. Sie sind sehr energieintensiv. Emissionen entstehen durch die Energiebereitstellung, z.B. Verbrennung von Kohle (Koks), um die hohen Temperaturen zur Eisen- und Stahlherstellung zu erreichen.  Zum anderen – und je nach Branche überwiegenden Teil – fallen Emissionen beim Ablauf bestimmter Prozesse an. So werden z.B. durch die chemische Reaktion des Kalksteins beim Brennvorgang zur Herstellung von Zementklinker große Mengen CO2 freigesetzt. Diese sogenannten prozessbedingten Emissionen sind durch Energieeffizienz nicht zu vermeiden und erfordern andere Ansätze zur Einsparung.

Aufteilung der deutschen Industrieemissionen 2017 nach Deutsche Emissionshandelsstelle VET-Bericht 2017
Aufteilung der deutschen Industrieemissionen 2017 nach Deutsche Emissionshandelsstelle VET-Bericht 2017

Die wesentlichen Hebel zur Reduktion der energie- und prozessbedingten Emissionen aus emissionsintensiven Industrieprozessen sind dabei:

  • die Steigerung der Energieeffizienz, also die Minimierung des Energiebedarfs in den Produktionsprozessen durch die Verwendung neuester Verfahren und Prozesse nach dem aktuellen Stand der Technik
  • die Brennstoff-Substitution und Elektrifizierung, damit der Restenergiebedarf möglichst klimafreundlich bereitgestellt werden kann
  •  die Material-Substitution und Recycling, um den Bedarf an den emissionsintensiv hergestellten Materialien zu senken
  • die Umstellung auf neue CO2-arme Prozesse (Low Carbon Prozesse)
  • das Abscheiden und Speichern (CCS) bzw. Weiterverwenden (CCU) von CO2 aus Industrieanlangen

 

Für die Umsetzung dieser technischen Hebel und eine ambitionierte Dekarbonisierung sind entsprechende energie- und klimapolitische Weichenstellungen nötig. Der zu schaffende politische Rahmen sollte dabei einen breiten Instrumentenmix (Push- und Pull-Faktoren) aufgreifen und dafür sorgen, dass die Transformationen nicht nur aus Klimaschutzperspektive, sondern auch wirtschaftlich attraktiv sind.

Klimaschutz ist Standortpolitik

Der WWF Deutschland ist überzeugt davon, dass die Entwicklung von treibhausgasneutralen und ressourceneffizienten Techniken und Produktionsverfahren den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristig absichern wird. Je früher deutsche Industrieunternehmen dem politischen Willen der vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 Rechnung tragen und auf klimaneutrale Prozesse umstellen, umso eher werden sie ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verantwortung gerecht – für sich und ihre Mitarbeiter.

 

Weltweit und vor allem in den aufstrebenden Märkten wächst der Bedarf nach nachhaltigen Spitzentechnologien und klimaneutralen Geschäftsmodellen exponentiell. Daher profitieren Deutschlands exportorientierte Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Zulieferbetriebe mittel- und langfristig durch ihre Investitionen am globalen Markt. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen wird damit langfristig gestärkt. Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand, wenn frühzeitig die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.

WWF Kernforderungen

Der WWF fordert von Unternehmen Engagement und von der Politik eine konsequente, intelligente und verlässliche Regulierung, die Planungssicherheit und Anreize für die Unternehmen schafft:

 

  • Investitions- und Planungssicherheit schaffen durch ein Klimaschutzgesetz
  • Verfügbarkeit erneuerbaren Stroms für klimafreundlichere Industrieprozesse sichern durch konsequenten Kohleausstieg, verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und Netze
  • Nachfrage nach klimafreundlichen Alternativprodukten ankurbeln durch nachhaltiges Beschaffungswesen bei Bund, Ländern und Kommunen
  • Klimarelevante Normen, Quoten und Grenzwerte in den einzelnen Branchen anpassen
  • Barrieren und Fehlanreizen bei Effizienzmaßnahmen beseitigen
  • Wirtschaftliche Anreize für eine der Stromverfügbarkeit angepasste Fahrweise der Produktionsanlagen
  • Strategische Entscheidung für Art und Umfang neuer Infrastrukturen (CCS/ CCU) treffen und entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen schaffen.
  • Möglichkeiten prüfen, einen Markt für klimafreundliche Produkte zu schaffen durch zum Beispiel Investionssicherung durch Carbon Contracts, Preissignale durch eine Abgabe auf Verbrauch emissionsintensiver Materialien, Anpassungen im EU-Emissionshandel (ETS)
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