Aktion vorm Kanzleramt, Bundesregierung sägt an einem Windrad, der Panda ärgert sich drüber.

Energiewende stärken statt absägen

Droht ein Bremsklotz für erneuerbare Energien in Deutschland?
Stand: 29.07.2026

Die Bundesregierung hat Ende Juli Gesetze beschlossen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremsen könnten. Statt bessere Bedingungen für Wind- und Solarenergie zu schaffen und die Stromnetze fit für die Zukunft zu machen, werden neue Hürden aufgebaut. Das trifft Unternehmen genauso wie Bürgerinnen und Bürger, die selbst in die Energiewende investieren wollen.

Besonders problematisch: Nach einer Übergangsfrist soll die Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen auf privaten Dächern entfallen. Gleichzeitig werden Betreiber:innen von Wind- und Solaranlagen mit zusätzlichen Risiken belastet. Das schafft Unsicherheit für Investitionen, bremst den Ausbau der erneuerbaren Energien und schwächt den Klimaschutz sowie den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und dem Netzanschlusspaket hat die Bundesregierung damit die Weichen in die falsche Richtung gestellt. Nun ist das Parlament gefragt, die Gesetze im weiteren Verfahren deutlich nachzubessern.

Windräder © iStock / GettyImages
Windräder © iStock / GettyImages

Bislang gilt: Wer eine Wind- oder Solar-Anlage baut, hat grundsätzlich Anspruch auf Anschluss ans Stromnetz. Muss die Anlage wegen Netzengpässen abgeschaltet werden, gibt es eine Entschädigung.

Diese Entschädigungen sollen in bestimmten Regionen künftig eingeschränkt werden. Gleichzeitig sollen Betreiber von Wind- und Solaranlagen mehr für den Netzausbau bezahlen. Das träfe nicht nur große Projekte, sondern auch Bürgerenergie, Energiegenossenschaften und private Solaranlagen. Ausgerechnet diejenigen, die die Energiewende vor Ort tragen, würden mit zusätzlichen Risiken und Kosten belastet.

Das bedeutet: Höhere finanzielle Unsicherheit, weniger Planungssicherheit – und ein deutlich unattraktiveres Umfeld für Investitionen in erneuerbare Energien. Während gleichzeitig neue Gaskraftwerke diskutiert und geplant werden, droht der Ausbau sauberer Energien ins Hintertreffen zu geraten.

Erneuerbare Energien sind Versorgungssicherheit

Die verheerenden Waldbrände in Europa zeigen erneut, wie dringend wir den Ausstoß von Treibhausgasen senken müssen. Gleichzeitig machen internationale Krisen deutlich, wie teuer und riskant die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist. Jede zusätzliche Windkraftanlage und jede Solaranlage macht Deutschland unabhängiger von Öl- und Gasimporten, stabilisiert langfristig die Strompreise und stärkt den Wirtschaftsstandort. Wer den Ausbau erneuerbarer Energien ausbremst, gefährdet Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zugleich.

Netzprobleme lösen – nicht den Ausbau stoppen

Niemand bestreitet, dass Deutschlands Stromnetze schneller ausgebaut und digitalisiert werden müssen. Doch statt dieses Problem entschlossen anzugehen, verlagert die Bundesregierung die Risiken auf diejenigen, die in Wind- und Solarenergie investieren. Das löst keinen einzigen Netzengpass. Und entlässt die Netzbetreiber auch viel zu sehr aus der Verantwortung. Sollte das Parlament die Gesetze nicht maßgeblich nachbessern, bewirkt die Bundesregierung lediglich, dass weniger Menschen und Unternehmen bereit sind, in erneuerbare Energien zu investieren. Die eigentliche Aufgabe der Politik wäre eine massive Modernisierung der Stromnetze, mehr Digitalisierung, mehr Speicher und mehr Flexibilität im Stromsystem.

Elektrifizierung ist der Schlüssel

Klimaschutz gelingt nur, wenn alle Sektoren dekarbonisiert werden: Energie, Gebäude, Verkehr, Industrie, Landwirtschaft. Das bedeutet: Mehr Elektrifizierung – Wärmepumpen, E-Autos, klimaneutrale Industrieprozesse.

Doch dafür braucht es ausreichend erneuerbaren Strom. Wenn strombasierte Technologien schneller in die Breite kommen, sinken langfristig die Kosten für alle. Ein stabiler Ausbaupfad ist daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch volkswirtschaftlich klug.

Unsere Forderungen

Eine Seitenansicht eines privates Wohnhaus mit Sonnenkollektoren auf dem Dach
Ein privates Wohnhaus mit Sonnenkollektoren auf dem Dach © Maryana Serdynska/iStock/GettyImages

Die Kabinettsbeschlüsse dürfen im parlamentarischen Verfahren nicht unverändert Gesetz werden. Jetzt ist der Bundestag gefragt, die Weichen wieder auf eine erfolgreiche Energiewende zu stellen. Wir fordern die Abgeordneten auf, die Gesetzentwürfe im weiteren Verfahren grundlegend nachzubessern.

  • Die Einspeisevergütung für kleine Dach-Solaranlagen beizubehalten, bis die Direktvermarktung praxistauglich funktioniert.
  • Planungs- und Investitionssicherheit für Wind- und Solarenergie zu gewährleisten – auch in Regionen mit hoher Netzauslastung.
  • Netze schneller auszubauen und zu digitalisieren, statt die Risiken auf Betreiber erneuerbarer Energien abzuwälzen.
  • Speicher, Flexibilität und intelligente Netze gezielt zu fördern, damit erneuerbarer Strom effizient genutzt werden kann.
  • Bürgerenergie, Energiegenossenschaften und kommunale Projekte zu stärken, statt sie mit zusätzlichen Risiken zu belasten.
  • Den Ausbaupfad für erneuerbare Energien konsequent fortzuführen, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht und unabhängiger von fossilen Energieimporten wird.
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