Doch Anbauweise und Menge entscheiden, ob die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen wirklich umwelt- und klimafreundlicher ist, als fossile Brennträger. Dabei soll der Vergleich keinesfalls ein Argument für die Fossilen konstruieren, sondern eines für Energieeffizienz, Änderungen in Lebenswandel und Konsumverhalten – um nachhaltiger leben zu können, müssen wir unseren Verbrauch von Rohstoffen und Energie verringern.

Rapsfeld vor Fabrik © Global Warming Images
Rapsfeld vor Fabrik © Global Warming Images

Biokraftstoffe werden entweder aus Stärke und Zucker für die Ethanol Produktion, oder aus Pflanzenölen für den Biodiesel hergestellt.

Als Kraftstoffe der 1. Generation bezeichnet man Biokraftstoffe, die aus Nahrungs- und Futterpflanzen wie Mais, Getreide, Raps, Palmen- oder Sojaöl hergestellt werden.

Dann gibt es Kraftstoffe der 2. Generation, welche aus Nebenprodukten, Reststoffen und Abfällen hergestellt werden, z.B. aus Zuckerrohr wird Zucker hergestellt und aus dem Nebenprodukt Bagasse – Ethanol, oder aus gebrauchtem Frittenfett (UCO) Biodiesel.

Noch im Anfangsstadium ist die Produktion der 3. Generation, welche aus Reststoffen wie Stroh oder Sägespänne dann Kraftstoffe herstellen wollen.

Weniger ist mehr

Die globale Nachfrage nach fossilen Rohstoffen wie ist in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. 2018 lag sie bei 4,6 Mrd. Tonnen. Diese Menge deckt nur ein knappes Drittel des weltweiten Primärenergiebedarfs ab. Allein der globale Verkehrssektor verbraucht jährlich 2,5 Mrd. Tonnen Erdöl.

In einer post-fossilen Welt ohne Atomkraft soll diese Menge im Rahmen der Bioökonomie durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Dabei betrug etwa die weltweite Ernte an Pflanzenölen in den Jahren 2017/18 lediglich rund 600 Millionen Tonnen, die von Getreide (inklusive Mais und Reis) ca. 2,6 Mrd. Tonnen. Auch der Rohstoff Holz wird bereits intensiv für wirtschaftliche Zwecke (z.B. für Energie, Papier, Baustoffe) genutzt. Eine starke Ausweitung der Waldnutzung für die Bioökonomie ist auf Planet Erde nicht machbar.

Nachhaltige und klimaschonende Biomasse ist ein rares Gut. Weder Mais und Raps, weder Rübe, Sojabohne, Sonnenblume noch Ölpalme wachsen unbegrenzt. Dafür schreiten aber Humusverlust und Wüstenbildung bzw. Dürreschäden weltweit voran, auch in Deutschland. Um mit den vorhandenen nachwachsenden Rohstoffen in einer Welt mit steigender Bevölkerungszahl auszukommen, muss sich unser westlicher Lebensstil grundlegend wandeln. Eine auf Bioökonomie basierende Gesellschaft muss grundsätzlich zuerst darauf ausgerichtet sein, deutlich weniger zu produzieren und zu konsumieren, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und insgesamt einen geringeren ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.

Nahrung und Biodiversität vor Biokraftstoffen

Feuerwehrmann löscht Feuer in einem Torfmoor in Kalimantan, Indonesien © Alain Compost / WWF
Feuerwehrmann löscht Feuer in einem Torfmoor in Kalimantan, Indonesien © Alain Compost / WWF

Die Ökobilanzen nachwachsender Rohstoffe für Biokraftstoffe fallen keinesfalls automatisch umwelt- und klimafreundlicher aus, als die von fossilen Energieträgern. Die Klimabilanz der Ölpalme beispielsweise fällt nur dann positiv aus, wenn sie nicht dort gedeiht, wo einst Regenwald stand. Geht Borneos Torfwald für Ölpalmen in Flammen auf, verursacht die Produktion einer Tonne Palmöl etwa zehn bis dreißig Mal so viele CO2-Emissionen, wie beim Einsatz von einer Tonne Diesel entstehen würden. Unter idealen Anbaubedingungen kann die Tonne Biodiesel aus Palmöl gegenüber der Verwendung herkömmlichen Diesels schätzungsweise bis zu 50 Prozent Kohlendioxid einsparen.

Nachwachsende Rohstoffe sind als Energieträger der Zukunft nur dann sinnvoll, wenn sie weltweit ökologisch und sozial verträglich angebaut werden. Für den Anbau von Biomasse darf kein Grünland mit hoher Biodiversität vernichtet, kein Wald gerodet oder Torfmoor trockengelegt werden, denn dann entweichen zusätzliche Klimagase in die Atmosphäre. In der EU ist das ohnehin nicht erlaubt, dank der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2009/28/EG. Der WWF fordert, dass diese Regeln auf die gesamte Lieferkette und für den Import von Biokraftstoffen ausgeweitet werden. Deshalb setzt sich der WWF für gravierende Veränderungen in der EU-Biokraftstoff-Politik ein und hat ein Positionspapier erstellt.

Auch Monokulturen wie die in Deutschland häufigen Raps- oder Maisfelder sind alles andere als biodiversitätsfördernd. Der WWF spricht sich für strikte Regelungen vom lokalen bis zum internationalen Level aus, die eine energetische Nutzung von Biomasse erst dann erlauben, wenn keine andere Verwendung einen größeren ökologischen Gewinn verspricht. Dies wurde bereits im Jahr 2009 in der EU Richtlinie für Erneuerbare Energien (EU-RED) sowie der deutschen Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung festgelegt und muss endlich in der Praxis konsequent angewendet werden.

Regeln und Siegel bieten Orientierung

WWF-Deutschland setzt sich dafür ein, dass etwa für Palmöl, Soja oder Holz kein Urwald gerodet wird. Ölpalmen dürfen nur auf Flächen angebaut werden, die heute bereits stark zerstört oder gänzlich entwaldet sind. Wir engagieren uns bei so genannten Multistakeholder-Dialogen, die alle Interessengruppen an einen Tisch bringen: etwa Plantagenbetreiber, Hersteller von Biosprit, Holzfirmen, Bauern, Plantagenarbeiter und Umweltverbände. An solchen Runden Tischen wollen die Mitglieder gemeinsam Lösungen finden, um Energiepflanzen möglichst ohne Umweltrisiken anzubauen. Für das Öl der Palme hat WWF mit Unternehmen der Palmölindustrie einen "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) gegründet. Erstes Ergebnis: ein Umweltsiegel für "zerstörungsfreies" Palmöl. Auch Soja und Zuckerrohr sollen nur auf weniger wertvollen Flächen wachsen. Dafür sollen die Zertifizierungssysteme RTRS (Soja) und Bonsucro (Zuckerrohr) sorgen.

Zwei der Siegel, die der WWF zusammen mit Interessensvertretern, Unternehmen und dem Privatsektor unterstützt, sind das ISCC-Label und das RSB-Zertifikat zur Herstellung von Biokraftstoff. Wer die Siegel beansprucht, darf Biomasse beispielsweise nicht in arten- und kohlenstoffreichen Gebieten wie Torfmooren oder Regenwäldern anbauen. Die Versorgung der lokalen Bevölkerung muss gewährleistet sein und gegen bestehende Landrechte darf nicht verstoßen werden. Erst wenn Agrarunternehmen lückenlos nachweisen, dass sie die Auflagen erfüllen, erhalten ihre Produkte das ISCC- oder RSB-Siegel.

Wie gelangt die Energie aus der Maispflanze in den Tank?

Bioenergie lässt sich auf vielfältige Weise gewinnen: Biogasanlagen vergären etwa Silage aus Maispflanzen, Zuckerrüben oder Gülle. Dabei entsteht vor allem Methan, das für Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken genutzt wird. Bekanntermaßen erzeugt auch Holz Bioenergie - befeuert als Scheitholz entweder den heimischen Kamin oder bestückt zu Bio-Pellets gepresst große Heizkraftwerke

Biokraftstoffe dagegen wird meist aus Pflanzenölen oder aus der Vergärung stärkehaltiger Pflanzen gewonnen. Bioethanol E 10 und E 85 etwa aus Zuckerrüben, Getreide oder Zuckerrohr. Biodiesel entsteht gewöhnlich aus dem Öl der Ölpalme oder Rapsöl. Auch Soja oder Algen werden angebaut, um Energie zu produzieren. Und je nach Standort sogar exotische Pflanzen wie Sudangras, Zuckerhirse oder Topinambur.