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Stand: 19.11.2019

Bodenschleppnetze

Tonnenschwere Bodenschleppnetze verwüsten unsere Unterwasserlebensräume wie Bulldozer den Regenwald. Die ausgedehnten Kaltwasserkorallenriffe an Europas Kontinentalabhängen und in der Tiefsee können durch einen einzigen Schlepp eines Fischtrawlers unwiederbringlich zerstört werden.

Tiefsee-Trawler © Mike R. Jackson / WWF-Canon
Tiefsee-Trawler © Mike R. Jackson / WWF-Canon

Die Fischerei mit Bodenschleppnetzen ist besonders verheerend, wenn sie über empfindlichen Ökosystemen stattfindet. Dies sind Ökosysteme, die z.B. aufgrund langer Regenerationszeiten der dort vorkommenden Organismen durch eine Störung besonders bedroht sind. Dies ist beispielsweise in der Tiefsee der Fall. Hier richtet die Grundschleppnetzfischerei große Schäden an, denn die dort vorkommenden Arten wachsen besonders langsam und sind so von Überfischung oder Zerstörung besonders getroffen.

 

In einzelnen Meeresgebieten sind auf diese Weise bereits bis zu 50 Prozent der Riffsubstanz verloren gegangen. Da heute bis in 2.000 Meter Tiefe Fischfang betrieben wird, sind auch andere strukturreiche Lebensräume bedroht, wie die Lebensgemeinschaften der Seeberge, Tiefseeschwämme und so genannte Korallengärten.

Bodenschleppnetze zerstören Lebensraum

Diese vielfältigen Lebensgemeinschaften brauchen hunderte bis tausende von Jahren, um zu entstehen und sind daher besonders schützenswert. Der WWF konnte bisher erreichen, dass die EU und regionale Fischereiorganisationen sowie einzelne Fangnationen große Flächen solcher empfindlicher Tiefsee-Ökosysteme für Bodenfischerei gesperrt hat. Allein im Nordostatlantik sind dies mehr als 600.000 Quadratkilometer, die sich auf folgende Gebiete verteilen: Norwegische und irische Kaltwasserkorallenriffe, Rockall und Hatton Bank, Mittelatlantischer Rücken, Gewässer der Azoren, Kanaren und Madeiras.

 

Des Weiteren ist eine Bodenfischerei in Schutzgebieten grundsätzlich abzulehnen, bei denen die Habitate am Meeresgrund das Schutzgut darstellen. Grundschleppnetzfischerei kann akzeptabel sein, wenn der Meeresboden auf dem das Fanggerät eingesetzt wird, wenig empfindlich ist.Zum Beispiel auf dynamischem Sandböden, die von einer schnellwachsenden opportunistischen Fauna besiedelt sind und die sich schnell von Störungen erholen. Natürliche Störungen wie Sedimentumlagerungen durch starke Strömungen und Wellenbewegungen gehören zu den „normalen“ physikalischen Gegebenheiten in diesem Lebensraum.

Bodenschleppnetze in Nord- und Ostsee

Aber auch in flacheren Meeresgebieten wie Nord- und Ostsee können Bodenschleppnetze große Schäden verursachen, die Lebensgemeinschaften der Weichböden massiv verändern und wichtige Steinriffe, Muschelbänke und andere artenreiche Oasen am Meeresgrund zerstören. Der WWF setzt sich dafür ein, dass in Meeresschutzgebieten mit solchen nach EU-Recht schützenswerten Lebensräumen Bodenfischerei mit mobilem Fanggerät unterbleibt. In der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee betrifft dies Gebiete wie die Doggerbank, das Borkum- und Sylter Außenriff, Adlergrund und Oderbank sowie das Wattenmeer. Hier setzt sich der WWF unter anderem für eine nachhaltige und naturverträgliche Ausgestaltung der Fischerei ein.

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