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Stand: 08.01.2019

Europawahl 2019: Diesmal geht´s um alles

Die Herausforderungen, vor denen Europa steht, sind vielfältig und komplex: Brexit, internationale Konflikte, die Folgen von Finanz- und Wirtschaftskrisen, der Rückzug der USA aus multilateralen Vereinbarungen, anhaltender Migrationsdruck und das Erstarken EU-feindlicher Kräfte werfen grundsätzliche Fragen zur Sicherheit, wirtschaftlichen Ausrichtung und Struktur der Europäischen Union auf. Fragen, auf die die Europäischen Mitgliedsländer nur gemeinsam Antworten finden können und die mit der zunehmenden ökologischen Krise verbunden sind.

Vom 23. - 26.05. findet die Wahl zum Europaparlament statt © Tzogia Kappatou / iStock / Getty Images
Vom 23. - 26.05. findet die Wahl zum Europaparlament statt © Tzogia Kappatou / iStock / Getty Images

Die Europäische Union (EU) kann aus der aktuellen politischen Krise gestärkt hervorgehen, wenn sie gerechter und nachhaltiger wird. Eine freiheitliche und solidarische Gesellschaft, eine  nachhaltige und innovative Wirtschaft und eine lebenswerte, intakte Umwelt haben das Potenzial, das verbindende Element für ein zukunftsfähiges und starkes Europa zu werden. Natur und Umwelt sind Kollektivgüter, von denen alle Menschen grenzüberschreitend profitieren, aber auch viele Menschen und Wirtschaftszweige in der EU direkt abhängig sind.

Warum ist die Europawahl wichtig für den Naturschutz

Die Natur kennt keine Nationalstaaten. Zugvögel oder große Beutegreifer wie etwa der Wolf machen an Ländergrenzen ebenso wenig halt wie das Wasser von Donau und Oder. Daher braucht effektiver Natur- und Umweltschutz internationale Zusammenarbeit und überstaatliche Problemlösungsforen wie die Europäische Union.

 

So war es zum Beispiel das Europäische Umweltschutzrecht, das den Hambacher Wald oder den polnischen Nationalpark in Bialowieza vor einer Abholzung im Auftrag oder mit Billigung der dortigen Regierung bewahrt hat. Genauso macht sich das Europäische Parlament seit Jahren für einen reduzierten Einsatz von Pestiziden oder das Verbot von Einwegplastik stark.

Europa muss jetzt gemeinsam Handeln

Der dramatische Verlust von Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume sind eng mit unserem wenig nachhaltigen Lebensstil verknüpft, der bei uns in Europa und weltweit den Raubbau an unseren natürlichen Ressourcen vorantreibt. Der aktuelle WWF Living Planet Index (LPI) von 2018, welcher ein Gradmesser für den ökologischen Zustand der Erde ist, zeigt einen Rückgang der weltweiten Wirbeltierbestände um 60 Prozent zwischen 1970 und 2014. Mit anderen Worten: Die Bestände der untersuchten Wirbeltierarten haben sich in 44 Jahren mehr als halbiert und bis heute verringern sie sich jedes Jahr um durchschnittlich zwei Prozent.

 

Auch wenn man auf den Rekordsommer 2018 zurückblick, sind die Folgen der Dürre in weiten Teilen Deutschlands und Europas an den historisch niedrigen Flusspegeln deutlich zu erkennen. Der Pegel des Rheins war an einigen Stellen so niedrig wie noch nie seit Beginn der Messungen. Vielfach musste die Binnenschifffahrt ihren Betrieb einstellen und große Industriebetriebe mussten logistisch in großem Maße  umstellen, um ihre Produktion am Laufen zu halten.

 

Dieses und andere Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, jetzt von der Politik entschlossenes Handeln einzufordern, um die Umwandlung zu einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise kraftvoll voranzutreiben

Das WWF-Manifest zur Europawahl 2019

Dieser Nachhaltigkeitswandel birgt für die europäischen Ökonomien großes Entwicklungs- und Innovationspotenzial. Potenzial, das von der Politik flankiert werden sollte, damit die europäische Wirtschaft im globalen Wettbewerb auch in Zukunft mit sauberen Lösungen konkurrenzfähig bleibt und dazu beiträgt, unsere Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen.

 

Gern möchten wir vom WWF die Institutionen der EU mit konkreten Handlungsansätzen dabei langfristig unterstützen, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Zusammen mit den anderen europäischen Netzwerkorganisationen hat der WWF Deutschland seine gemeinsamen Forderungen an das neue Europäische Parlament in einem Wahlmanifest niedergeschrieben, das Sie hier finden.

Unsere Vision von Europa

Der WWF wünscht sich  eine aktive Europäische Union, die sich der großen Fragen unserer Zeit annimmt – um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, in der Mensch und Natur im Einklang leben!

Dabei setzen wir uns für eine offene, demokratische und transparente europäische Gemeinschaft mit einer starken Zivilgesellschaft ein, in der die Grundsätze von Respekt, Solidarität und Toleranz für alle Menschen gelten.

WWF-Forderungen zur Europawahl

Angesicht der globalen Herausforderungen muss die Europäische Union in den kommenden fünf Jahren all ihre Kraft in die Verwirklichung eines sozialen und ökologisch-nachhaltigen Europas investieren. Nur auf diese Weise wird die EU in Zeiten von globalem Wettbewerb und distributiven Veränderungen ihre soziale Stabilität und Sicherheit dauerhaft aufrechterhalten können. Dabei ist Umwelt- und Naturschutz kein Luxusthema, wie jüngst von einigen politischen Kräften behauptet, sondern zutiefst mit den Themen soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit verbunden

 

Die Europäische Union benötigt:

  • eine Innovations- und Investitionsoffensive in nachhaltige Wirtschaftsformen, um den ökologischen Fußabdruck der EU zu verringern
  • eine konsequente Dekarbonisierung des Verkehrs und der Industrie
  • eine ökologisch und soziale Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik
  • eine kohärente Umsetzung der EU-Natur- und Artenschutzgesetze
  • institutionelle Reformen, um den Stellenwert von Nachhaltigkeits- und Klimaschutzpolitik in der EU aufzuwerten.

 

Ziel ist es, deutlich weniger Energie, Ressourcen und Flächen zu verbrauchen und unsere natürlichen Lebensgrundlagen hier und weltweit zu erhalten.

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