In einer groß angelegten Studie analysiert der WWF die Waldbrände im Mittelmeerraum der vergangenen Jahrzehnte. Untersucht werden Ursachen, ökologische Folgen, Risikogebiete und mögliche Erkenntnisse für die Zukunft.

Der Sommer 2024 brachte beunruhigende Schlagzeilen: Sogar Regionen, die bislang wenig gefährdet schienen, mussten mit schweren Waldbränden kämpfen. Spanien meldete die verheerendsten Brände seit über zwanzig Jahren. Schwere Wald- und Vegetationsbrände verwüsteten große Flächen im Norden und Westen des Landes.

Zuletzt waren vor allem die autonomen Gemeinschaften Kastilien und León, Galicien, Asturien und Extremadura betroffen. Seit Jahresbeginn brannten in Spanien laut dem Europäischen Waldbrandinformationssystem (EFFIS) über 400.000 Hektar Land – mehr als jemals zuvor innerhalb eines ganzen Jahres.

Die diesjährigen Waldbrände in Spanien gelten schon jetzt als historisch, spiegeln aber eine besorgniserregende Entwicklung wider, die sich bereits über mehrere Jahre erstreckt und weitere Länder des Mittelmeerraums betrifft.

Erfassung der Waldbranddaten

Waldbranddaten werden sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene erfasst. Das European Forest Fire Information System (EFFIS) der EU stellt seit dem Jahr 2000 satellitengestützte Daten zu Vegetationsbränden bereits, seit 2006 auch tagesaktuell.

Diese Satellitendaten ermöglichen eine europaweite zeitliche und räumliche Vergleichbarkeit; aufgrund ihrer räumlichen Auflösung erfassen sie jedoch nur Brände ab einer Größe von etwa 30 Hektar. Parallel dazu veröffentlicht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seit 1992 eine jährliche Waldbrandstatistik, die auch deutlich kleinere Brände erfasst. Ältere Datensätze reichen bis 1977 zurück, erfassen jedoch nicht die ehemalige DDR.

Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems

Verbrannte Fläche in Athen
Verbrannte Fläche in Athen © Imago

Diese erschreckende Tendenz belegen Zahlen einer kürzlich vom WWF veröffentlichten Studie, die sich vor allem auf Daten des EFFIS stützt und auf die besonders betroffenen Länder Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Portugal konzentriert. EFFIS sammelt seit 2000 satellitengestützte Informationen zu Vegetationsbränden. Seit 2006 werden Brände ab etwa 30 Hektar Größe tagesaktuell erfasst.

Nationale Statistiken ergänzen die Daten, einschließlich kleinerer Brände. Für die vorliegende Auswertung wurden Daten bis einschließlich 2023 herangezogen.

Positive Nachricht: Maßnahmen greifen

Waldbrand in der Türkei wird mit Löschhubschrauber gelöscht
Waldbrand in der Türkei © Imago / Depo Photos / Tolga Adanali

Trotz der negativen Entwicklungen gibt es auch positive Signale: Dank einer zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung, einer verbesserten Löschinfrastruktur und der verstärkten Verfolgung von Brandstiftung sinkt die Zahl großflächiger Brandkatastrophen in allen Mittelmeerländern. Ausgenommen Griechenland hat auch die betroffene Fläche abgenommen.

Ein Grund zum Aufatmen ist dies jedoch nicht, denn die Abnahme der Fläche ist eher als periodisch einzuordnen. Von 2020 bis 2023 stieg die Brandfläche im Mittelmeerraum durch extreme Hitze deutlich an. Seit 2006 brennen pro Jahr mehr als 350.000 Hektar pro Jahr, darunter 142.000 Hektar Wald, eine Fläche vergleichbar mit dem Bayerischen Wald.

Schon in der Antike kam es immer wieder zu Waldbränden im Mittelmeerraum. Mit dem Ausmaß heutiger Brände sind diese jedoch nicht vergleichbar. Besonders in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland hat die Feuerdichte extrem zugenommen.

Zwischen 1980 und 2023 verzeichneten diese Länder jährlich rund 47.000 Brände, die im Durchschnitt 440.000 Hektar Land erfassten. Etwa 85 Prozent der seit 2017 jährlich in der EU verbrannten Flächen gehen auf Brände in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland zurück.

Extreme Feuer 2012, 2017 und 2022

Extremjahre mit katastrophalen Folgewirkungen waren 2012, 2017 und 2022. Im Dürrejahr 2022 brannten laut EFFIS fast 900.000 Hektar Land, davon 600.000 Hektar in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich. Damit war 2022 das Jahr mit der zweitgrößten Brandfläche seit Beginn der Überwachung durch das EFFIS. Das schlimmste Jahr war 2017 mit 1,3 Millionen Hektar verbrannter Fläche.

Große Vegetationsbrände, die mehr als 500 Hektar erfassen, treten seit den 1980er Jahren immer häufiger auf. 2023 ereignete sich im Osten Griechenlands, in Evros, der größte jemals in Europa registrierte Waldbrand mit 93.000 Hektar betroffener Fläche.

Megawaldbrände als neues Phänomen

Waldbrand in Athen
Waldbrand in Athen © Imago / ANE Edition

Extreme Wetterbedingungen sorgen seit dem Jahrtausendwechsel zunehmend für Megawaldbrände von nie gekannter Intensität. Solche Brände sind kaum zu kontrollieren und enden erst bei Wetterumschwüngen oder der Erschöpfung des Brennmaterials.

Ein Megabrand kann binnen einer Stunde die Fläche von etwa 1.460 Fußballfeldern vernichten. 2017 überschritt ein Feuer in Portugal die Marke von 500.000 Hektar. Dort erreichten die Flammen eine Geschwindigkeit von bis zu 14.000 Hektar pro Stunde, die weit über der Löschkapazität lag. Zwei Megabrände in Portugal kosteten damals über 100 Menschen das Leben.

Menschliches Fehlverhalten als Ursache

In etwa 97 Prozent aller Fälle werden diese Brände von Menschen verursacht. Oft ist es Fahrlässigkeit, noch größer ist der Anteil an vorsätzlich gelegten Bränden. Immobilienspekulation und Baulandgewinnung spielen insbesondere in Griechenland und Italien eine Rolle.

Besorgniserregende Klima-Prognose

Rauchwolke in Frankreich
Rauchwolke in Frankreich © Imago / DR Andia

Laut Climate Risk Index gehörten 2022 Italien, Griechenland, Spanien und Portugal zu den weltweit am stärksten vom klimabedingten Extremwetter betroffenen Ländern.

Laut Prognosen werden die Temperaturen im Mittelmeerraum auch in Zukunft schneller steigen als im weltweiten Durchschnitt. Bei einer Erderwärmung um zwei Grad Celsius könnte die von Feuer zerstörte Waldfläche um 87 Prozent zunehmen, bei drei Grad sogar um 187 Prozent.

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich in veränderten Brandmustern, längeren Risikoperioden und der Ausdehnung der Risikoregionen nach Norden. Die Sommer dauern im Mittel inzwischen fünf Wochen länger als noch vor 40 Jahren, und die Hochrisikosaison erstreckt sich inzwischen auf Juni und Oktober. Künftig könnte im südlichen Mittelmeerraum ganzjährig ein hohes Brandrisiko bestehen.

Ökologische Folgen

Ein Natura-2000-Gebiet, das biologische Vielfalt erhalten und fördern will, wurde von Bränden schwer verwundet
Ein Natura-2000-Gebiet, das biologische Vielfalt erhalten und fördern will, wurde von Bränden schwer verwundet © Imago / Nature Picture Library / Jean E.Roche

Die Brände in Schutzgebieten gefährden Flora und Fauna, darunter seltene Arten wie Griechische Landschildkröten und Iberische Luchse. Von 2000 bis 2023 brannten über zwei Millionen Hektar in Natura-2000-Schutzgebieten, mit jährlich etwa 85.000 Hektar in Flammen.

Die ökologischen Schäden sind teils irreparabel: CO2 gelangt in die Atmosphäre, Wasserhaushalt und Bodenqualität werden beeinträchtigt. Besonders in Nord- und Zentralportugal sind immer wieder dieselben Flächen betroffen, was die Multifunktionalität und den ökologischen Wert der Ökosysteme reduziert.

Die mediterrane Landschaft ist zudem durch übernutzte Wälder, expandierende Plantagen mit leicht brennbaren Baumarten (Kiefer, Eukalyptus, Pappel) und Wassermangel bedroht.

Künstliche Aufforstungen nach Bränden erhöhen das Feuerrisiko weiter, besonders bei schnellwachsenden Monokulturen. Folgt auf Waldbrände starker Regen, kann dies zur Degradierung und letztlich zur Wüstenbildung führen.

Nur noch 20 Prozent der Urwälder erhalten

Verbrannte Olivenplantage in Griechenland
Erst von Dürre geplagt, dann von Waldbränden zerstört. Dies blieb 2021 von der Olivenplantage auf der griechischen Insel Euböa übrig © Imago / Dominika Zarzycka

Ursprünglich wuchsen im Mittelmeerraum überwiegend Eichen sowie trockenresistente Laubbäume wie die Wilde Olive. Diese Wälder waren optimal auf die Bedingungen angepasst. Korkeichen etwa, in deren lichten Wäldern im westlichen Mittelmeerraum bedrohten Arten wie der Iberische Luchs, der Spanische Kaiseradler und der Großtrappe heimisch sind, schützt eine dicke Korkrinde wie eine natürliche Feuerschutzdecke vor Bränden.

Von diesen Wäldern sind aufgrund von Landnutzungsänderungen, Bränden, intensivem Holzeinschlag und jahrhundertelanger Beweidung nach Schätzungen des WWF heute nur noch rund 20 Prozent erhalten. Die immergrünen Hartlaub- und Nadelwälder, die dort heute stattdessen zu finden sind, verfügen über weitaus geringeren Eigenschutz.

Gefahren für den Menschen

 Verbranntes Auto in Griechenland
Ein Waldbrand verwüstete eine Siedlung auf der griechischen Ferieninsel Rhodos © Imago / Ralf Adler

Nicht nur Flora und Fauna, auch der Mensch leidet unter den Bränden. Die Folgen sind vielfältig: Menschen müssen evakuiert werden, verlieren womöglich Eigentum und Heimat, tragen gesundheitliche oder auch psychologische Schäden davon. Zwischen 2001 und 2023 kamen im Mittelmeerraum 492 Feuerwehrleute und Zivilpersonen bei den Bränden ums Leben.

In Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal und Spanien verursachen Brände jährlich Wiederherstellungskosten von rund zwei Milliarden Euro. Allein in Griechenland betrugen die ökonomischen Schäden 2023 etwa zwei Milliarden Euro. Indirekte Kosten wie Brandbekämpfung oder psychologische Folgeschäden noch nicht mit einberechnet. Prävention und Vorsorge sind daher auch aus ökonomischen Gründen essenziell.

Was tun?

Eine gezielte Landschaftsplanung und angepasste Waldentwicklung senken das Brandrisiko. Artenreiche Wälder sind weitaus weniger brandgefährdet als Monokulturplantagen.

Für eine systematische Kartierung von Risikogebieten und deren Monitoring ist politisches und institutionelles Handeln gefragt. Dabei sollten alle relevanten Akteure auf europäischer wie nationaler Ebene zusammenarbeiten und gemeinsame Strategien verfolgen.

Dazu gehört auch die Förderung klimafreundlicher und biodiversitätsreicher Landschaften, im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Waldbrandvorsorgestrategie sowie die finanzielle Unterstützung präventiver Maßnahmen. Nicht zuletzt sind Bildung und Wissensvermittlung zentrale Bausteine für eine wirksame Waldbrandprävention.

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