Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein. Essentiell, um dieses Ziel zu erreichen: die Wärmewende. Denn der größte Teil der Energie, der für die Wärmeerzeugung aufgewendet wird, stammt immer noch aus fossilen Brennstoffen. Das muss sich schnell ändern. Die Umsetzung der Wärmewende sollte absolute Priorität haben. Doch wie gehen wir das an?

Im Jahr 2024 hat der Gebäudesektor bereits zum fünften Mal in Folge seine Klimaziele verfehlt. So hat der Sektor rund 101 Millionen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Auch in den kommenden Jahren sieht es mit den aktuellen Politikinstrumenten so aus, als würden weiterhin die Ziele nicht eingehalten werden. Das sind etwa 15 Prozent der gesamten Emissionen hierzulande. Die Wärmewende hinkt somit weit hinter den Zielen hinterher.

Der Grund: Mehr als 80 Prozent der Wärmenachfrage in Deutschland werden momentan durch fossile Energieträger abgedeckt. Die Nutzung von Erdgas als Energiequelle liegt mit einem Anteil von circa 50 Prozent bei allen Heizungen klar vorne. Weitere Quellen sind Ölheizungen sowie auf fossiler Energie basierende Fernwärme. Auch wenn ihr Anteil nun steigt, machen klimafreundliche Wärmepumpen derzeit nur etwa acht Prozent aus. Der Rest sind Biomasseheizungen.

Insgesamt ist es beachtlich: Mehr als 40 Prozent des Erdgases, das wir in Deutschland nutzen, wird nur zum Heizen oder für Warmwasser genutzt. Nur 17 Prozent dafür stammen bisher aus Erneuerbaren Quellen – also eine große Baustelle und ein großer Hebel für den Klimaschutz.

Ziele der Politik

Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, zentrale Klimaschutzinstrumente abzuschaffen, die die Ampel-Regierung eingeführt hat. So auch das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das umgangssprachlich auch Heizungsgesetz genannt wird. Ziel davon ist, dass jede neue Heizung ab 1. Januar 2024 auf der Basis von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden soll. Ausnahmen gibt es viele.

Dazu hatte die Ampel-Regierung das Geäudeenergie-Gesetz (GEG) aktualisiert – fortschrittlich, wenn auch nicht im ausreichenden Maße. So wurde der Klimaschutz im Gebäudesektors richtigerweise in den Fokus gerückt und zentrale Verbraucherschutzregelungen eingeführt. Dennoch blieb das Installieren fossiler Heizungen erlaubt, wodurch die Klimakrise weiter angeheizt wird. Zahlreiche Ausnahmeregelungen wurden getroffen und das ursprüngliche Ziel der 65-Prozent-Vorgabe ist in weite Ferne gerückt. Diese Regelungen nun abzuschaffen, läuft dem Klimaschutz und dem Schutz vor fossilen Kostenfallen für Verbraucher:innen zuwider.

Alternativen zu fossilen Wärmequellen

Sanierung von Gebäuden © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Sanierung von Gebäuden © IMAGO / Michael Gstettenbauer

Die Energiewende ist eben auch zu großen Teilen eine Wärmewende. Denn das Heizen ist für rund 70 Prozent des Endenergieverbrauchs in den Haushalten verantwortlich. Die meisten Gebäude in Deutschland ließen sich bereits klimafreundlich und langfristig günstig beheizen und – der Einsatz von Gas wäre damit unnötig. Der oft verbreitete Mythos, dass es gerade im Gebäudebestand keine „erneuerbaren“ Alternativen gebe, ist schlichtweg falsch.

Die Wärmewende umfasst also Maßnahmen, die Wärmeenergie einsparen – zum Beispiel durch die energetische Sanierung von Gebäuden – und den Wärmeverbrauch dekarbonisieren – zum Beispiel durch den Einbau von Heizungen, die ohne fossile Energiequellen auskommen. Möglich ist das durch den Einsatz Erneuerbarer Energien.

Insbesondere Wärmepumpen und grüne Wärmenetze in Kombination mit der Reduktion des Wärmebedarfs durch energetische Sanierung sind die klaren Mittel zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors

WWF Deutschland

Wärmewende ist sozialverträglich!

Haus mit Solaranlage aus Emmendingen © Kristina D.
Haus mit Solaranlage aus Emmendingen © Kristina D.

Die Wärmewende ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Menschen. Letztlich leisten wir mit dem Klimaschutz einen Beitrag zu unser aller Gesundheit. Der Einsatz erneuerbarer Energien entlastet nicht nur die Umwelt und bekämpft den Klimawandel, es ergeben sich auch Chancen für die Gesellschaft: Es entstehen Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien und Heiztechnologien, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und damit von geopolitischen Risiken verringern sich und die nationale und regionale Wirtschaft wird gestärkt. Auch durch die Wärmewende wird Deutschland resilient.

Die Nutzung erneuerbarer Wärmequellen entlastet auch Menschen mit geringem Einkommen: denn Prognosen zeigen, dass die Nutzung von Öl und Gas in Zukunft noch teurer werden wird. Eine Wärmepumpe ist in vielen Fällen schon heute wettbewerbsfähiger als eine neue Gasheizung. Steigende CO2-Preise verstärken diesen Wettbewerbsvorteil von klimafreundlichen Heizungen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für klimafreundliche Optionen und lassen fossile Lösungen hinter sich. Diejenigen, die weiterhin auf etwa Gasheizungen setzen, müssen anfallenden Kosten – etwa Gasnetzentgelte für den Erhalt der notwendigen Infrastrukturen – weiterhin bezahlen. Das kann für Haushalte also sehr teuer werden.

Das Heizen mit erneuerbaren Energien bringt Planungssicherheit. Wer dazu ausschließlich selbst produzierten erneuerbare Energien nutzt – zum Beispiel mit Wärmepumpen, deren Strom mehrheitlich aus Photovoltaik vom eigenen Dach angetrieben werden –, kann die Ausgaben für die Wärmeversorgung auf Jahre kalkulieren. Die Höhe der Heizkosten lässt sich aus der Investitionssumme für die Installation einer Wärmepumpe, der Photovoltaik-Anlage und gegebenenfalls einer erforderlichen energetische Sanierung des Gebäudes, zuzüglich der Wartungskosten für die Wärmepumpe, berechnen.

Kommunale Wärmeplanung: Fossilfrei vor Ort in die Zukunft starten

Kommunen spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende © Freepik
Kommunen spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende © Freepik

Die kommunale Wärmeplanung ist eine entscheidende Säule der Wärmewende. Durch eine gezielte kommunale Wärmeplanung können Städte und Gemeinden ihre lokale Wärmeversorgung besser nachhaltig gestalten und die Weichen für eine fossilfreie Zukunft stellen. Jede Region verfügt über individuelle Ressourcen, sei es erneuerbare Energien wie Solar- und Geothermie oder Abwärmequellen aus Industrie und Gewerbe.

Die identifizierten Potenziale können gezielt genutzt werden, um klimafreundliche und effiziente Wärmenetze aufzubauen. Gut geplant, trägt dies nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern stärkt auch die regionale Wertschöpfung und schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in grünen Energiebranchen. Um Klima- und Verbraucherschutz zu gewährleisten, ist auch bei der Wärmeplanung wichtig, nicht auf Scheinlösungen zu setzen und fossilen Kostenfallen den Rück zu kehren.

In diesem Zuge wird jedoch Wasserstoff als Ersatz von fossilem Erdgas oft als „Allheilmittel der Wärmewende“ gesehen. Allerdings gibt es große Probleme und Unsicherheiten, die mit Wasserstoff zum Heizen einhergehen. Denn Wasserstoff wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den kommenden Jahren nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird er sehr teuer sein und ineffizient in der Herstellung. Hier gibt es bessere, klimafreundlichere und auch günstigere Alternativen. Kommunen müssen im Zuge daher zunächst davon ausgehen, dass Wasserstoff mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht wirtschaftlich sein werden. Ein Rechtsgutachten der Umweltrechtskanzlei Günther bestätigt, dass in diesem Fall die Kommune nicht mit Wasserstoffgebieten planen darf. Alle zentralen Erkenntnisse dieses Rechtsgutachtens sind in einem Infoschreiben zusammenfasst und verständlich aufgearbeitet.

Wir brauchen die Wärmewende. Jetzt.

Der WWF will die Wärmewende beschleunigen und setzt sich für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors ein. Eine effektive Reduktion der Emissionen im Gebäudesektor erfordert eine ganzheitliche Strategie, die sowohl technologische als auch soziale und politische Maßnahmen umfasst. Hier setzt der WWF Deutschland mit seiner Arbeit an.

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