Alle Jahre wieder … Oder eben auch nicht. Diese 26. Klimakonferenz (COP26) in Glasgow Anfang November 2021 wird eine besondere, denn: Die letzte Klimakonferenz ist schon ziemlich lange her. Eigentlich treffen sich die Mitglieder des Klimarahmenabkommens (UNFCCC) einmal jährlich zu einer „Conference of the Parties“, kurz COP.

Bei diesen Klimakonferenzen wollen die teilnehmenden Länder den weltweiten Klimaschutz vorantreiben und vulnerable Länder bei der Anpassung an die Erderhitzung und im Kampf gegen die Klimakrise unterstützen.

Doch aufgrund der Corona-Pandemie wurde die 26. Konferenz von 2020 auf 2021 verschoben. Deswegen treffen sich Regierungsoberhäupter, Verhandler:innen, Expert:innen und Vertreter:innen der Zivilgesellschaft erst jetzt – im November 2021 – zur COP26 in Glasgow.

Wo stehen wir gerade?

Erst vor kurzem hat das UNFCCC seinen NDC Synthesis Report veröffentlicht. Darin bewertet es die eingereichten „Nationally Determined Contributions“ (NDCs), also die nationalen Klimabeiträge der Vertragsstaaten des Pariser Abkommens. 

Das Ergebnis dieses Berichts ist eindeutig: Die internationale Staatengemeinschaft ist noch weit davon entfernt, ihre Ziele zur Begrenzung der Erderhitzung zu erreichen. Zwar gibt es wichtige Fortschritte, wie zum Beispiel, dass 70 Länder bis Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität erreichen wollen – doch diese Fortschritte reichen längst nicht aus. Selbst wenn alle Staaten die Ziele ihrer bisher eingereichten NDCs erreichen, bedeutet dies einen Anstieg der globalen Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 um 16 Prozent im Vergleich zu 2010.

Warum ist das so problematisch?

Dürre © Global Warming Images / WWF
Dürre © Global Warming Images / WWF

So ein Emissionsanstieg wäre Anlass zu großer Sorge; das verdeutlichen die Erkenntnisse aus der Wissenschaft: Der Bericht des Weltklimarats (IPCC) vom August 2021 hat nochmal die Dringlichkeit von schnellem, effektivem Handeln deutlich gemacht.

Schon jetzt sind die Veränderungen, die der Mensch im Klimasystem verursacht, beispiellos. Steigende Temperaturen und Treibhausgaskonzentrationen verursachen Extremwetter und gefährden unsere Lebensgrundlage. Der Weltklimarat betont aber auch: Noch haben wir Handlungsspielraum. Wir müssen jetzt alles tun, um die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Deswegen machen die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, einen großen Unterschied und jedes Zehntelgrad zählt.

Welche Themen stehen auf der Tagesordnung, und was erwartet der WWF von der COP26?

Der Finanzmarkt braucht einen nachhaltigen Fahrplan © Shutterstock / Denis Vrublevski / WWF
Der Finanzmarkt braucht einen nachhaltigen Fahrplan © Shutterstock / Denis Vrublevski / WWF

Es gibt also viel zu tun für die Verhandler:innen auf der COP26 und jede Menge Themen auf der Tagesordnung. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass alle Länder ihre Ambitionen in ihren Klimabeiträgen und langfristigen Zielen verstärken und dass gleichzeitig auch die Umsetzung der Ziele angegangen wird.

Außerdem müssen offene Punkte im Regelwerk des Pariser Abkommens geklärt werden. Dazu gehören: „Common Time Frames”, Transparenz, „Global Stocktake“, Mechanismen in Artikel 6 zur Emissionsminderung, Klimafinanzierung, Anpassung sowie Schäden und Verluste:

  • Bei den „Common Time Frames“ erarbeiten die Parteien, welche Zeitrahmen sie sich für die Umsetzung ihrer NDCs setzen wollen. Hierbei ist es wichtig, dass die Parteien sich auf fünf und nicht zehn Jahre einigen, um eine bessere Abstimmung und Kontrolle über neue Entwicklungen zu gewährleisten. Es braucht gemeinsame Tabellenformate für die Meldung und Anrechnung von Klimafinanzierung, um Transparenz zu gewährleisten und Schlupflöcher zu schließen.
     
  • Bezüglich des Artikel 6 des Pariser Abkommens, der die Übertragung von Emissionsminderungen behandelt – auch bekannt als Regelungen zu den Kohlenstoffmärkten – braucht es klare Bestimmungen: Doppelzählungen von Emissionen von verschiedenen Staaten oder Organisationen müssen unbedingt verhindert werden. Außerdem müssen alle Klimaschutzmaßnahmen soziale und ökologische Richtlinien (Safeguards) erfüllen.
     
  • Darüber hinaus müssen die Industrieländer auf der COP26 deutlich machen, anhand welcher Kriterien sie ihren finanziellen Verpflichtungen ab 2025 nachkommen wollen und ihre Finanzzusagen aufstocken: Denn diese Finanzierung wird benötigt, um vulnerable Länder im Globalen Süden bei der Anpassung an die Klimakrise und bei der Bewältigung von klimabedingten Schäden und Verlusten zu unterstützen.
     
  • Zusätzlich sollten alle Staaten ihre klimaschädlichen Subventionen abbauen. Die Rolle naturbasierter Lösungen (NbS) sollte gefördert und ihre positive Wirkung für Klimaschutz und Anpassung an die Klimakrise untersucht werden.

Zusammengefasst: Große Aufgaben auf der COP26 in Glasgow

Kurz gesagt: Die Zeit drängt und deswegen ist der Moment zu handeln jetzt – auf dieser COP. Die globale Staatengemeinschaft steht vor der Aufgabe sicherzustellen, dass das Pariser Abkommen seiner Aufgabe gerecht wird und seine Ziele erreicht. Die globalen Emissionen müssen ihren Höhepunkt hinter sich haben und ab jetzt drastisch sinken. Dafür müssen die letzten Lücken des Pariser Abkommens geschlossen werden.

Alle Länder müssen die Botschaften des Weltklimarats zur Dringlichkeit und der Verschärfung von Klimaauswirkungen anerkennen und ihr Handeln danach ausrichten: Mit einem fairen, gerechten und schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, sektoralen Dekarbonisierungsmaßnahmen und Strategien zu einem Übergang hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien.

In den letzten Jahren erleben wir viele positive Entwicklungen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft, wie die wachsende Fridays-For-Future Bewegung, Unternehmen und Investoren, die sich zum Klimaschutz bekennen, die öffentliche Anerkennung der Klimaforschung durch den Physik-Nobelpreis und eine gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit für den Klimawandel als gesellschaftliche Herausforderung allgemein. Auf dieser positiven Dynamik kann die COP26 aufbauen und einen gerechten Wandel vorantreiben, der niemanden zurücklässt. Dieser Wandel muss mit dem Schutz der Natur und der Unterstützung gefährdeter Bevölkerungsgruppen und Länder einhergehen, die am wenigsten in der Lage sind, mit den verheerenden Folgen der Klimakrise umzugehen. Wir müssen jetzt handeln, wenn wir eine Chance haben wollen, die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

  • Dürreperiode in Myanmar © Minzayar Oo / WWF USA IPCC Sonderbericht zur Klimaerwärmung

    Sonderbericht des UN-Klimarats zu den Folgen einer 1,5 Grad Klimaerwärmung. Weiterlesen ...