Pünktlich zur Klimakonferenz COP26 in Glasgow hat die UN noch einmal eine deutliche Botschaft in die Welt gesendet: Wir emittieren auf der ganzen Welt deutlich zu viele Emissionen – und die Zeit, um daran etwas zu ändern, ist jetzt. Grundlage für diesen Appell sind drei neue Berichte.

Nummer 1: NDC Synthesis Report

Am 25.Oktober 2021 veröffentlichte die UN zunächst ein Update ihres NDC Synthesis Reports. Darin fasst sie die Informationen der neuesten NDCs der Vertragsstaaten, also der nationalen Klimaschutzziele, zusammen, die bis zum 12. Oktober 2021 bei der UN eingereicht wurden. Seit dem letzten Synthesis Report im September sind 30 Länder dem Aufruf zu höheren Ambitionen gefolgt und haben neue Nationally Determined Contributions (NDCs) eingereicht.

Trotzdem bestätigt dieser neue Bericht den besorgniserregenden Trend des vorherigen Reports: Die Klimaschutz-Ambitionen der globalen Staatengemeinschaft reichen nicht aus. Auch mit den neu eingereichten NDCs werden die globalen Treibhausgasemissionen weiterhin ansteigen. Selbst wenn alle Staaten ihre Ziele erreichen, prognostiziert die UN einen Anstieg der globalen Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 16 Prozent. Das ist das Gegenteil der Entwicklung, die wir brauchen, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Denn: dafür müssen wir beginnen, die Emissionen jetzt zu senken!

Nummer 2: Greenhouse Gas Bulletin der WMO

Der zweite Weckruf vor der Klimakonferenz erschien am selben Tag wie der NDC Report von der Weltwetterorganisation (WMO). Die WMO verzeichnete einen traurigen Rekord: Die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre hat 2020 einen neuen Höchstwert erreicht. Unter anderem stieg der Wert von Kohlenstoffdioxid auf 149 Prozent und der von Methan auf 262 Prozent des vorindustriellen Niveaus.

Trotz vorübergehend niedriger Emissionen in Folge der Covid-19-Krise sind die Werte der Treibhausgase in der Atmosphäre nicht zurückgegangen. Dieser Anstieg der Treibhausgaskonzentration wird weiterhin steigende Temperaturen verursachen – ebenso wie die Zunahme von Wetterextremen wie starker Hitze und Regenfällen, zunehmender Eisschmelze, den Anstieg des Meeresspiegels und die Versauerung der Ozeane.

Nummer 3: Emission Gap Report

Einen Tag nach dem NDC Report und dem Bulletin der WMO folgte der dritte Alarm der Vereinten Nationen in Form des UNEP Emission Gap Reports. Dieser trägt den bezeichnenden Titel „The heat is on – A world of climate promises not yet delivered” und weist damit direkt auf die nicht gehaltenen Klimaversprechen der Weltgemeinschaft hin.

Im Pariser Abkommen haben sich die Vertragsstaaten dazu verpflichtet, die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad (und maximal 2 Grad) zu begrenzen. Die neuesten nationalen Klimaziele der Länder (vorausgesetzt, dass sie eingehalten werden!) würden aber zu einer Erderhitzung von 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts führen – mit katastrophalen Folgen. Um auf dem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben, wären schnelle und drastische Maßnahmen nötig. Laut dem Bericht muss die Welt dafür die jährlichen Treibhausgasemissionen in den nächsten acht Jahren halbieren.

Insgesamt macht der Emission Gap Report ganz deutlich: Maßnahmen gegen die Klimakrise dürfen nicht mehr hinausgezögert werden! Die Zusage einiger Länder zu Netto-Null-Emissionen in der Zukunft sind der richtige Weg – aber dieser Weg muss auch zeitnah eingeschlagen werden – oder mit anderen Worten: Jetzt. Dafür müssen alle Länder ihre Zusagen auch mit kurzfristigen Zielen und Maßnahmen untermauern und diese in die Tat umsetzen.

Klare Handlungsaufforderung für die COP26

Alle drei Berichte sind eine klare Handlungsaufforderung für die Staats- und Regierungschef:innen der Welt. Sie haben jetzt die große Aufgabe, auf der 26. Klimakonferenz in Glasgow einen Wendepunkt zu markieren: Ab jetzt dürfen die globalen Treibhausgasemissionen nicht mehr steigen, sie müssen drastisch sinken.

Die COP26 muss sicherstellen, dass in dieser Transformation niemand zurückgelassen wird und besonders die Bedürfnisse der vulnerabelsten Staaten beachtet werden.

Gerade Deutschland als reiche Industrienation kommt in diesem Prozess eine große Verantwortung zu. Die kommende Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Klimaschutz als Priorität in allen Sektoren und Ressorts verankert ist. So muss Deutschland als Vorbild für andere Länder agieren und gleichzeitig die internationale Klimapolitik bei der COP26 voranbringen. Denn noch können wir etwas gegen die Klimakrise tun – aber die Welt muss jetzt handeln, wenn wir eine Chance haben wollen, die globale Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad, zu begrenzen.

  • Klimademonstration in Bonn 2017 © Naoyuki Yamagishi / WWF Japan WWF-Positionspapier: COP26 in Glasgow

    Nachdem die 26. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) aufgrund der globalen COVID-19-Pandemie im letzten Jahr nicht regulär stattfinden konnte, wird sie nun vom 31. Oktober bis 12. November 2021 in Glasgow durchgeführt. zum PDF

Zusammengefasst: Große Aufgaben auf der COP26 in Glasgow

Die Zeit drängt und deswegen ist der Moment zu handeln jetzt – auf dieser COP. Die globale Staatengemeinschaft steht vor der Aufgabe sicherzustellen, dass die Vereinbarungen des Pariser Abkommens eingehalten werden. Die globalen Emissionen müssen ihren Höhepunkt hinter sich haben und ab jetzt drastisch sinken. Dafür müssen die letzten Lücken des Pariser Abkommens geschlossen werden.

Alle Länder müssen die Botschaften des Weltklimarats zur Dringlichkeit und der Verschärfung von Klimaauswirkungen anerkennen und ihr Handeln danach ausrichten: mit einem fairen, gerechten und schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, sektoralen Dekarbonisierungsmaßnahmen und Strategien zu einem Übergang hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien.

In den letzten Jahren erleben wir viele positive Entwicklungen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft, wie die wachsende Fridays-For-Future-Bewegung, Unternehmen und Investoren, die sich zum Klimaschutz bekennen, die öffentliche Anerkennung der Klimaforschung durch den Physik-Nobelpreis und eine gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit für den Klimawandel als gesellschaftliche Herausforderung allgemein.

Auf dieser positiven Dynamik kann die COP26 aufbauen und einen gerechten Wandel vorantreiben, der niemanden zurücklässt. Dieser Wandel muss mit dem Schutz der Natur und der Unterstützung gefährdeter Bevölkerungsgruppen und Länder einhergehen, die am wenigsten in der Lage sind, mit den verheerenden Folgen der Klimakrise umzugehen.

Wir müssen jetzt handeln, wenn wir eine Chance haben wollen, die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

  • Dürreperiode in Myanmar © Minzayar Oo / WWF USA IPCC Sonderbericht zur Klimaerwärmung

    Sonderbericht des UN-Klimarats zu den Folgen einer 1,5 Grad Klimaerwärmung. Weiterlesen ...