Hammer-Heizungs-Deal 3.0
Faktencheck statt Meinungsstreit
Zur Studie Zum dritten Mal legt der WWF den „Hammer-Heizungs-Deal“ vor. Darin berücksichtigt die neue Modellrechnung der Prognos AG erstmals die BEG-Novelle vom Juli 2026 und kommt zu einem klaren Ergebnis: Wer 2026 auf eine Wärmepumpe umsteigt, kann langfristig mehr als 15.000 Euro gegenüber einer neuen Gasheizung sparen – und das selbst im ineffizienten Altbau. Klar ist aber auch: Schnell sein lohnt sich. Warum das so ist, wie sich die neue Förderung auswirkt und welche Vorteile sich durch die Kombination mit Solaranlagen ergeben, zeigt der „Hammer-Heizungs-Deal 3.0“.
Neue Förderung, neue Rechnung
Seit den hitzigen Diskussionen um den „Heiz-Hammer“ 2023 hat sich der Rahmen für den Heizungstausch deutlich verändert. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals GEG) und die angepasste Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bilden das Gerüst. Die BEG staffelt die Förderung nun stärker nach Einkommen und Haushaltssituation. Sie schmilzt aber auch über die Zeit ab.
Deshalb haben wir unsere beliebte Modellrechnung von 2023 und Januar 2024 aktualisiert. Verglichen werden darin eine neue Gasheizung und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, jeweils mit und ohne Photovoltaik-Anlage, bei Investition im Jahr 2026 und im August 2028.
Belohnt wird, wer klimafreundlich agiert
Berechnet wurde die Wirtschaftlichkeit an einem teilsanierten Einfamilienhaus der Effizienzklasse F (178 kWh/m²a). Dies entspricht einem ineffizienten, aber in Deutschland sehr üblichen Gebäudetyp. Investitionskosten sowie Kosten der laufenden Heizungen im Betrieb spielen in die langfristige Betrachtung mit rein. Dabei wurden übliche Kosten angenommen, wie sie beispielsweise aus Annahmen der Bundesregierung hervorgehen.
Die Förderung der Wärmepumpe setzt sich seit Sommer 2026 aus drei Bausteinen zusammen:
- Grundförderung: 30 Prozent (für Wärmepumpen aus der EU)
- Klimageschwindigkeitsbonus: 16 Prozent für den zügigen Austausch einer alten fossilen Heizung (sinkt jedes halbe Jahr um vier Prozent ab)
- Einkommensbonus: bis zu 40 Prozent für selbstnutzende Eigentümer:innen je nach Höhe des Haushaltseinkommens – 40 Prozent bis 30.000 Euro, 30 Prozent bis 40.000 Euro und zehn Prozent bis 50.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen.
- Kinderbonus: Neu ist ein pauschaler, einmaliger Familienzuschlag von 10.000 Euro, der die Bemessungsgrenze bei mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt anhebt.
Die Kombination mit Photovoltaik spart zusätzlich
Die Gesamtförderung ist gedeckelt: Auf 70 Prozent der förderfähigen Kosten, bei einem Einkommen bis 40.000 Euro auf 80 Prozent. Förderfähig sind seit der Novelle höchstens 28.000 Euro (zuvor 30.000 Euro). Auch die förderfähigen Kosten sinken über die nächsten Jahre ab.
Betrachtet man eine Laufzeit von 15 Jahren, so ergibt sich damit je nach Förderstufe eine Ersparnis von rund 4.300 bis 13.800 Euro gegenüber einer Gasheizung. Wer die Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert, spart noch einmal mehr: bis zu 15.700 Euro, das sind mehr als 1.000 Euro im Jahr.
„Wer heute klimafreundlich handelt, handelt auch wirtschaftlich vernünftig. Gleichzeitig steigern wir die eigene Resilienz. Die Unabhängigkeit von riskanten fossilen Importen aus geopolitisch instabilen Regionen zahlt sich in langfristig sicheren und bezahlbaren Energiepreisen aus. Klima schützen, dabei Geld sparen und sich lösen von unsicheren fossilen Energien ist ein echter Win-Win-Win.“
Sebastian Breer, Gebäudeexperte beim WWF Deutschland
Rentabel schon nach vier Jahren – ein Hammer-Heizungs-Deal
Im besten Fall – Investition 2026, 40 Prozent Einkommensbonus und Photovoltaik – hat sich die Wärmepumpe gegenüber der Gasheizung bereits nach vier Jahren amortisiert. Die höheren Investitionskosten einer Wärmepumpe haben sich so also bereits schnell abbezahlt und ab dann macht man im Vergleich zu einer Gasheizung quasi „Gewinn“. Selbst ohne Einkommensbonus und ohne PV-Anlage rentiert sich die Investition innerhalb der üblichen Lebensdauer einer Luft-Wärmepumpe.
Solarstrom vom eigenen Dach und klimafreundliche Wärme aus dem Keller: Beide Systeme ergänzen sich perfekt. Die Photovoltaik-Anlage senkt die Betriebskosten deutlich. Zudem rentieren sich Wärmepumpen schneller, wenn sie mit Solarstrom vom eigenen Dach kombiniert werden.
Der Heizungstausch lohnt sich nicht nur auf dem Papier, sondern macht Haushalte auch unabhängiger. Wer mit einer Waärmepumpe heizt, ist nicht mehr den Preisausschlägen fossiler Energiekrisen ausgesetzt, wie sie zuletzt etwa durch die Kriege in der Ukraine und im Iran spürbar wurden. So wird der Klimaschutz im Heizungskeller direkt im Geldbeutel erfahrbar – und das Eigenheim zugleich weniger anfällig für geopolitische Krisen und volatile fossile Importe.
Schnell sein lohnt sich
Da der „Geschwindigkeitsbonus“ als eine der Förderkomponenten in den kommenden zwei Jahren auf null sinkt, zahlt es sich aus, schnell zu sein – im wahrsten Sinne des Wortes. Ab dem 1. Februar 2027 sinken zudem die maximal förderfähigen Kosten alle sechs Monate um 750 Euro – von 28.000 Euro heute auf 25.000 Euro im August 2028 –, also die maximale Fördersumme beim Kauf einer Wärmepumpe.
Der Klimageschwindigkeitsbonus fällt ebenfalls halbjährlich um vier Prozentpunkte – von 16 Prozent heute auf null Prozent ab dem 1. August 2028.
Wer erst im August 2028 oder später wechselt, muss deshalb nach dieser Berechnung allein bei den Investitionskosten mit etwa 5.000 Euro Mehrkosten rechnen. Bei den Betriebskosten gibt es dagegen kaum Unterschiede: Die Wärmepumpe ist unter den angenommenen Energiepreisen in beiden Fällen von Anfang an günstiger im Betrieb als der Gaskessel. Wo ein Heizungstausch absehbar ansteht, sollte man ihn deshalb früh angehen – das stärkt zugleich die Unabhängigkeit von schwankenden fossilen Energiepreisen.
Achtung: Die Gasheizung wird auf Dauer teurer
Zwar dürfen neue Gaskessel weiterhin eingebaut werden, was aus Klimaschutzsicht jedoch höchst kritisch zu bewerten ist. Denn Gas ist ein zentraler Treiber der Klimakrise. Doch das Gebäudemodernisierungsgesetz schreibt vor, ihnen ab 2029 schrittweise steigende Mengen Biomethan beizumischen („Biotreppe“). Zusammen mit absehbar steigenden Netzentgelten und CO2-Preisen macht das die Wärmepumpe im Vergleich dauerhaft wirtschaftlicher. Zwar senkt die Beimischung einen Teil der CO2-Kosten, gleicht die höheren Brennstoffkosten in der Rechnung aber nicht aus. Und eine stärkere Nachfrage nach Biomethan könnte die Preise künftig noch über das heutige Niveau treiben.
Die Betriebskosten der Wärmepumpe liegen in allen betrachteten Fällen vom ersten Tag an unter denen der Gasheizung. Zwar ist die Gasheizung im Vergleich zur Wärmepumpe bei Anschaffung teils deutlich teuer, aber die höheren Investitionskosten werden insgesamt Jahr für Jahr ausgeglichen. Der WWF weist zugleich darauf hin: Steigende Betriebskosten können gerade für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung bedeuten. Gasheizungen können so schnell zur Kostenfalle werden!
Beratung und Finanzierung statt Verwirrung
Klar, die Ergebnisse sind eine Modellrechnung und lassen sich somit nicht eins zu eins auf jedes Haus übertragen. Gebäudezustand, Heizlast, Finanzierung und Haushaltskonstellation entscheiden im Einzelfall. Und uns ist auch bewusst, dass sich selbst bei einer teils 80-prozentigen Förderung viele immer noch keine neue Heizung leisten können. Auch haben nicht alle Menschen Zugang zu Krediten. Der WWF fordert von der Bundesregierung deshalb:
- Unabhängige Energieberatung: Die im GModG gestrichene Beratungspflicht beim Einbau einer fossilen Heizung muss wieder aufgenommen werden. So können Kostenfallen effektiv verhindert werden.
- Finanzierung für alle: Günstige Kredite und Darlehen sollten flächendeckend und langfristig abgesichert verfügbar sein, gerade für einkommensschwache und andere vulnerable Haushalte.
- Förderung nur für klima- und umweltfreundliche Heiztechnologien: Wir fordern, dass keine Biomasseheizungen oder Wasserstoffheizungen gefördert werden. Sie sind äußerst ineffizient und können sich negativ auf die Umwelt – oder im Fall der Wasserstoffheizung – auch auf den eigenen Geldbeutel auswirken.
- Wärmepumpentarife: Auch diese besonderen Tarife für Wärmepumpen müssen breit verfügbar sein.
Unterm Strich bleibt jedoch auch in dieser aktualisierten Modellrechnung stehen: Wer heute klimafreundlich handelt, handelt auch wirtschaftlich vernünftig.
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