In Deutschland wird zu viel Fleisch gegessen. Das hat Folgen für die Tiere, unsere Gesundheit und sogar das Klima. Unser Fleischkonsum frisst außerdem wichtige Ressourcen, vor allem Land und wertvolle Wälder und Savannen. Doch es gibt einen Ausweg – auch ohne ganz auf Fleisch verzichten zu müssen.

Wir Konsument:innen haben es in der Hand: Wir entscheiden mit jeder Mahlzeit, bei jedem Einkauf, wie die Lebensmittel produziert worden sind, wie viele Ressourcen dafür benötigt wurden, woher die Lebensmittel stammen und wie es den Tieren erging. In einer globalisierten Welt hat die Art unserer Ernährung in fast allen Teilen der Erde ökologische Auswirkungen.

Weniger und besseres Fleisch

Metzgerei © industryview / iStock / Getty Images Plus
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Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel, zu wertvoll um es tagtäglich zu essen. Unser enormer Bedarf an Fleisch führt zur Intensivtierhaltung mit schwerwiegenden Folgen. „Wie viel und welches Fleisch wir kaufen, entscheidet zum Beispiel darüber, ob die Tiere in ihrem Leben überhaupt einmal das Tageslicht zu sehen bekommen und ob sie Auslauf haben – aber auch darüber, ob Pestizide für den Anbau von Futtermitteln eingesetzt werden und ob Lebensräume für die Futterpflanze Soja geopfert werden“, so Michael Berger, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. Wir müssen unseren Fleischkonsum überdenken und reduzieren. Und wir müssen weniger und dafür besseres Fleisch essen. 

Fleisch ist ein Luxusprodukt und sollte auch den entsprechenden Preis bekommen. 200 Gramm Schinken für 1,49 Euro wird dem Tier, das dafür getötet wurde, nicht gerecht. Und die Landwirtinnen und Landwirte verdienen dabei auch nichts. Eine Untersuchung zeigte kürzlich, dass sogar jedes fünfte Tier verendet, bevor es überhaupt den Schlachthof erreicht.

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Sonntagsbraten statt Alltagsbraten

Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, sollte zumindest weniger Fleisch essen. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unsere eigene Gesundheit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, den aktuellen Fleischkonsum mindestens zu halbieren – und liegt damit auf einer Wellenlänge mit dem WWF: „Wenn wir in den ökologischen Grenzen unserer Erde bleiben wollen, sollten höchstens noch knapp drei Prozent unserer Nahrung aus Fleisch- und Wurstprodukten bestehen. Das sind etwa 300 Gramm pro Woche“, so Berger.

Das bessere Fleisch: Bio versus konventionell

Besseres Fleisch kommt aus der Region, von Tieren aus artgerechter Haltung und aus einer ressourcenschonenden Produktion. Doch wie nachhaltig ist Biofleisch wirklich? Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen immer wieder, dass bio eindeutig die umweltfreundlichere Wahl ist. So werden eine Vielzahl unterschiedlicher Umweltauswirkungen mit denen der konventionellen Fleischproduktion verglichen - angefangen bei den Rohstoffen für die Futtermittel bis hin zu Transport, Verpackung und Zubereitung. Untersucht wurden zum Beispiel die Emissionen, der Wasserverbrauch, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Flächen- und Artenverluste. Die Ergebnisse der Fleisch-Untersuchung sind eindeutig: Egal ob Schwein, Rind oder Geflügel – Biofleisch schneidet in jedem Fall besser ab. Mit anderen Worten: Bio ist besser!

Bio fristet immer noch ein Nischendasein. Nur 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland wird biologisch bewirtschaftet. Wir können mit unserem Einkauf dazu beitragen, dass sich das ändert.

Michael Berger, Landwirtschaftsexperte WWF Deutschland

Wild- und Weidefleisch

Kuh auf der Weide © hfoxfoto / iStock / Getty Images Plus
Kuh auf der Weide © hfoxfoto / iStock / Getty Images Plus

Auch Wild- und Weidefleisch zählt zum besseren Fleisch – vor allem, wenn es aus Deutschland und besser noch aus der eigenen Region stammt. Weidefleisch stammt von Rindern, die bei guter Witterung auf der Weide grasen. Sie kommen überwiegend ohne Kraftfutter aus und brauchen nicht oder kaum mit Getreide gefüttert zu werden. Soja landet gar nicht im Trog, das braucht ein Rind nicht. Weideflächen können außerdem sehr artenreich sein und bei richtiger Bewirtschaftung erhebliche Mengen an Kohlenstoff speichern. „Weideflächen sind wichtig für unser Klima. Denn Weideland speichert mehr als ein Drittel allen Kohlenstoffs in den Ökosystemen unseres Festlandes“, erklärt Michael Berger. Noch – denn der Anteil an Grünland nimmt kontinuierlich ab. Auch der Anteil der Rinder, die dauerhaft auf der Weide stehen, sinkt. Stattdessen wird Grünland intensiv gedüngt und mehrfach im Jahr abgeerntet. Das Fleisch heimischer Wildtiere wie Reh, Hirsch, Wildschwein, Hase oder Ente kann dann eine Alternative zum Biofleisch sein, wenn es aus der Region stammt und nachhaltig gejagt worden ist.

Fleisch mit Biosiegel findet man mittlerweile immer öfter auch im Supermarkt. Auf diese Siegel kann man sich durchaus verlassen. Biofleisch darf sich nur nennen, was nach ökologischen Kriterien produziert wurde. Dennoch liegen den verschiedenen Siegeln unterschiedlich strenge Anforderungen zugrunde. Der WWF empfiehlt bei Fleisch zum Beispiel Bioland, Naturland oder das EU-Biosiegel. Wer beim Kauf von Biofleisch auch noch nachweislich etwas für die Biodiversität tun möchte, kann sich für den Kauf von Fleisch aus unserem Projekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ entscheiden. Um Verbraucher:innen die Wahl des richtigen Fleisches leichter zu machen, hat der WWF einen Einkaufsratgeber für Fleisch und Wurst entwickelt: Einfach nachhaltiger genießen!

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