Das klimabedingt notwendige Umdenken hin zu einer pflanzlichen Ernährung ist in deutschen Supermärkten und Discountern noch nicht angekommen. Dies zeigt eine Analyse des WWF Deutschland zu Grillprodukten in Werbeprospekten des Lebensmitteleinzelhandels.

Werbeprospekte sind voller Fleischangebote – fleischlose Alternativen kaum zu finden

Zur Grillsaison sind die Werbeprospekte von Supermärkten und Discountern voll mit billigen Fleischangeboten. Vegetarisches und veganes Grillgut ist hingegen nur selten zu finden und im Schnitt deutlich teurer.

85 Prozent des Fleisches billiger als Fleischersatz – Käse und Biofleisch etwa gleichteuer

Die stichprobenartige Analyse des WWF Deutschland von 56 Prospekten ergab, dass reduzierte Tofuwurst und Sojaburger mehr als doppelt so teuer sind wie rabattierte Schweinefleisch- oder Geflügelprodukte. Während Koteletts oder Grillwürstchen vom Schwein mit einem Preis von durchschnittlich 6,36 Euro pro Kilo und Hähnchenschenkel und Putenbrustfilets für 5,67 Euro pro Kilo angeboten werden, liegen Fleischersatzprodukte bei 13,79 Euro pro Kilo.

Grillkäse und Feta aus konventioneller Produktion sind mit gut 10 Euro im Schnitt etwa genauso teuer wie Biofleisch. Insgesamt sind 85 Prozent des rabattierten Grillfleisches billiger als preisreduzierte pflanzliche Alternativen. Damit ist Fleisch derzeit für preisbewusste Käufer:innen erschwinglicher als klimafreundlichere pflanzliche Alternativen.

Bio, Haltungsformen, Herkunft – für das Grillen nicht von Bedeutung

Auslauf für Schweine © Arnold Morascher / WWF
Auslauf für Schweine © Arnold Morascher / WWF

Der höchste ausgewiesene Rabatt betrug 56 Prozent für ein Holzfällersteak vom Schwein, ohne Angabe von Herkunft und Haltungsform. Der niedrigste rabattierte Kilopreis betrug 1,96 Euro für 1 kg Hähnchenschenkel, ohne Angabe von Herkunft und Haltungsform. Bei zwei Dritteln der Fleischprodukte ist die Haltungsform, die Auskunft über das Tierwohl gibt, nicht ausgewiesen. Nur bei zwei Prozent der untersuchen Angebote handelte es sich hingegen um Bioprodukte.

Es ist davon auszugehen, dass 98 Prozent des beworbenen Grillfleisches unter niedrigsten Tierwohlstandards der Haltungsklassen 1 und 2 produziert wurde. Also von Tieren stammt, die ihr gesamtes Leben lang nie an der frischen Luft waren. Mehr als die Hälfte des Fleisches stammt überdies nicht aus Deutschland, obwohl hierzulande mehr Fleisch produziert als gegessen wird.

Der Regenwald wird an der Fleischtheke verramscht

Abholzung im Amazonas Regenwald, La Chorrera © Luis Barreto / WWF UK
Abholzung im Amazonas Regenwald, La Chorrera © Luis Barreto / WWF UK

Damit Fleisch zu Billigpreisen angeboten werden kann, muss massenhaft Vieh gehalten und im großen Stil Futtermittel, vor allem Soja, importiert werden. Das treibt die Zerstörung wertvoller Lebensräume wie etwa Regenwälder und Savannen in Lateinamerika voran und heizt das Klima an.

Je weiter die Abholzung von Regenwäldern voranschreitet, desto eher wird ein weitere Kipppunkt im Klimasystem der Erde überschritten. Das Erreichen der Pariser Klimaziele wird dann um so schwerer und es wird wahrscheinlicher, dass der Klimawandel nicht mehr rückgängig zu machen sein wird.

Ergebnisse im Detail und Methodik

Die Grillprodukt-Analyse „In der Grillsaison hat Billigfleisch Hochkonjunktur“ führt die Ergebnisse detailliert auf, erläutert die Methodik und gibt einen Überblick über Handlungsempfehlungen an Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher:innen.

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