Umweltbewusst Karneval feiern? Der WWF zeigt, wie Fasching nachhaltig gelingt – mit kreativen Kostümideen, weniger Müll und cleveren Alternativen zu Billigverkleidungen. Von DIY-Kostümen über Tauschen und Leihen bis hin zu nachhaltiger Deko und Snacks bekommen Sie praktische Tipps für eine jecke Zeit mit gutem Gewissen.

Karneval in Köln
Karneval in Köln © IMAGO / JöranSteinsiek

Hartgesottene Jecken lassen es schon ab dem 11. November um 11:11 Uhr krachen, wenn offiziell die fünfte Jahreszeit eingeläutet wird.

So richtig los geht es mit Fasching, Fastnacht oder Karneval aber erst mit der Weiberfasnacht, dem Donnerstag vor Aschermittwoch.

Ab dann sind in den Hochburgen im Rheinland Straßen, Busse und Schnellimbisse wieder voll von Pippi Langstrumpfs, Vampiren, Superhelden und Funkenmariechen.

In anderen Regionen ist das bunte Treiben weniger präsent, aber auch da finden sich viele Menschen zu Maskenbällen, Prunksitzungen, Umzügen und Partys zusammen, bevor traditionell die Fastenzeit vor Ostern beginnt.

Karneval, Fasching, Fastnacht, Mardi Gras

  • Über 800 Jahre Tradition: Erste belegte Karnevalsfeiern in Deutschland gab es bereits im 13. Jahrhundert, besonders im Rheinland rund um Städte wie Köln und Mainz.
     
  • Weltweites Fest: Karneval wird nicht nur in Europa gefeiert, sondern weltweit. Besonders bekannt sind die Umzüge in Rio de Janeiro, Venedig, New Orleans und Barranquilla.
     
  • Religiöser Ursprung: Der Karneval ist eng mit dem Christentum verbunden und markiert traditionell die letzte große Feier vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern.
     
  • Viele Namen, ein Anlass: Ob Karneval, Fasching, Fastnacht oder Mardi Gras – überall geht es um Verkleidung, Umzüge und das bewusste Überschreiten sozialer Regeln für kurze Zeit.
     
  • Großereignis mit Wirkung: In deutschen Hochburgen kommen während der närrischen Tage hunderttausende Menschen zusammen – allein der Rosenmontagszug in Köln zieht regelmäßig über eine Million Besucher:innen an.

Die Schattenseiten des Karnevals

Beim Karneval entsteht viel Müll
Beim Karneval entsteht viel Müll © IMAGO / PanamaPictures / ChristophHardt

Verkleiden und Feiern machen Laune, aber leider auch viel Müll. In Köln kamen im Jahr 2025 ganze 460 Tonnen zusammen, so berichteten es die örtlichen Abfallwirtschaftsbetriebe.

Ist die Party vorbei, bleiben Strüßje, Kamelle und Bonbonpapier, Verpackungen, Einwegbecher, Flaschen, Luftschlangen und Konfetti zurück.

Immerhin bemühen sich viele Städte inzwischen, Plastikmüll zu verringern.

Finger weg vom Billigkostüm

Frau mit Skelett-Kostüm für Karneval oder Halloween
Skelett-Kostüm für Karneval oder Halloween © Svetlana Parnikova / iStock / GettyImages

Karnevalist:innen können sich in Sachen Nachhaltigkeit aber auch an die eigene Clownsnase fassen. Das beginnt schon beim Kostüm.

Preisgünstig und schnell liefert der Onlineversand bunte Verkleidungen. Dabei handelt es sich jedoch meist um billige Massenware aus minderwertigem synthetischem Material, hergestellt unter fragwürdigen Bedingungen in Niedriglohnländern. Nach einmaligem Tragen ist der Fummel oft schon durchgerockt und landet im Müll. Polyester und Polypropylen, aus denen viele der Kostüme bestehen, sind kaum recycelbar und verrotten nicht.

Zudem begegnet man mit einem solchen Kostüm garantiert einigen Doppelgänger:innen auf der Party, denn jegliche Individualität bleibt auf der Strecke.

Gut kombiniert ist halb verkleidet

Verständlich, dass man auch als umweltbewusster Narr oder Närrin nicht jedes Jahr ins gleiche Marienkäferkostüm schlüpfen möchte.

Der eigene Kleiderschrank gibt meist schon viel her. Gut kombiniert wird aus dem einen oder anderen Teil im Handumdrehen ein lustiges Outfit: Ein weites, weißes Hemd mit buntem Tuch um den Kopf plus Augenklappe – fertig ist der Pirat. Hochgeknöpfte Bluse, langer Rock, Strenger Dutt, Schirm aufgespannt – los geht’s mit Mary Poppins. Mit Latzhose, löchrigem Karohemd und Strohhut gesellt sich die Vogelscheuche dazu. Skifahrer, Taucherin, Hockey-Torwart, Tennisprofi, Balletttänzerin? Auch in spezieller Sportausrüstung macht man bei der Polonaise eine gute Figur.

DIY-Verkleidungen für alle

Selbst gemachtes Karneval-Kostüm
Selbst gemachtes Karneval-Kostüm © ASphotowed / iStock / GettyImages

Kreative Ader? Natürlich kann man sich ein Kostüm kompliziert mit der Nähmaschine anfertigen, aber auch mit wenig Aufwand entstehen tolle DIY-Verkleidungen:

Gruselig wird es, wenn man mit weißer (auswaschbarer) Farbe ein Skelett auf schwarze Kleidung zeichnet. Floral mit ein paar aufs grüne Kleid gepinnten Blumen aus der Bastelschublade. Für den Mumien-Look braucht man weiße Kleidung und eine Rolle Verband, die man sich um den Kopf wickelt. Schlitze für Augen, Mund und Nase nicht vergessen.

Aufmerksamkeit wecken

Top-Tipp für kleine Naturschützer:innen: Warum nicht das Faschingskostüm nutzen, um auf bedrohte Tierarten aufmerksam zu machen? Ob Eisbär, Tiger oder Leopard: Oft genügt es, sich in der entsprechenden Farbe zu kleiden, sich ein paar Bären- oder Raubkatzenohren anzustecken und das Gesicht zu bemalen.

Oder soll es eine Meeresschildkröte werden? So gelingt die Verwandlung: Für den Panzer ein weißes T-Shirt in Grün- und Brauntönen mit Schuppenmuster bemalen, nach dem Trocknen ein rundes Kissen hineinstecken, das T-Shirt zurechtziehen. Den „Panzer“ auf einem Stück Pappe festkleben und mit Nadel und Faden die Konstruktion stabilisieren. Aus einer alten Strumpfhose Schulterriemen knoten und den Panzer wie einen Rucksack aufsetzen. Braune oder grüne Kleidung samt Mütze drunterziehen und rein ins Getümmel!

Leihen, tauschen oder doch kaufen

Karneval-Kostüm Tiger
Karneval-Kostüm Tiger © MarynaAuramchuk / iStock / GettyImages

Fündig werden kann man außerdem im Kostümverleih oder Second-Hand-Shop. Oder Sie tun sich mit Freund:innen zusammen und veranstalten im Vorfeld eine Tauschparty. Schon bei Alltagskleidung sind solche Swaps eine großartige Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Und auch bei Kostümen macht es ebenso viel Freude, etwas neues Altes abzugreifen, wie das zu eng gewordene Lieblingsteil weiterzugeben. Sehr sinnvoll ist das bei Kinderkostümen, aus denen die Kleinen herausgewachsen sind. Wenn es doch etwas neu Gekauftes sein soll – manche Kinder wünschen sich vielleicht nichts sehnlicher als eine Ritterrüstung oder eine Feuerwehruniform –, lohnt es sich, auf Qualität zu setzen.

Ein Kostüm aus zertifizierter hochwertiger Biobaumwolle übersteht viele Waschgänge. Eine tragende Rolle spielen kann es so nicht nur in der Faschingszeit, sondern auch die Verkleidungskiste bereichern.

Völlig unnötig ist es, sich für den Anlass, extra Karnevalsschminke zu kaufen. Mit Lebensmittelfarbe lässt sich Babycreme einfärben. Bunte Kajal- und Lippenstifte aus zertifizierter Naturkosmetik befinden sich wahrscheinlich ohnehin schon im Badezimmer.

Nachhaltig gute Stimmung

Party zu Hause? Auch Deko geht nachhaltig. Konfetti gibt es mittlerweile aus Maisstärke zu kaufen, hübsch für draußen ist solches mit Saatgut dazwischen. Oder man stanzt es sich selbst aus buntem Altpapier aus.

Girlanden lassen sich aus Stoffresten basteln. Luftballons gibt es auch aus nachhaltigem Naturkautschuk.

Karnevaleske Knabbereien

Karneval-Krapfen als essbare Deko
Karneval-Krapfen als essbare Deko © pxelliebe / iStock / GettyImages

Manche nennen sie Krapfen, andere Berliner oder Pfannkuchen – und zu Karneval gehören sie einfach dazu. Selbstgebacken schmecken sie sogar noch feiner. Übrigens gibt es auch Rezepte ohne energieintensives Frittieren.

Leckere Zutaten fürs Buffet halten Unverpacktläden bereit. Keiner in der Nähe? Auch am Wochenmarkt oder im Bioladen kann der plastikfreie Einkauf gelingen. Gegessen und getrunken wird bei der Feier natürlich von Mehrweggeschirr und -besteck.

Wir wünschen viel Spaß beim Feiern und Verkleiden!

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