Darunter leiden auch wir Menschen, die wir die Erderhitzung verursachen. Doch trotz dieser verheerenden Folgen und eindeutiger Faktenlage scheint der Handlungsdruck noch nicht groß genug, damit wir die selbst herbeigeführte Gefahr mit all unseren Kräften einzudämmen versuchen.

Deshalb sind wir mit der Serie „Stimmen zur Klimakrise“ in der ZEIT einen neuen Weg gegangen. Seit vergangenem Sommer haben Künstlerinnen und Künstler darin ihren besonderen Blick auf die Klimakrise mit uns geteilt. Durch ihre Beiträge – von Gedichten über Karikaturen hin zu Fotografien – ist ein neuer Diskussionsraum entstanden. Über ihn hoffen wir, dass die Bereitschaft zu handeln wächst. Dazu fordern wir nun am Ende der Serie auch mit unserem eigenen Beitrag auf. Denn wir sehen noch nicht schwarz.

Egal, was die Menschheit dem Planeten noch antun wird, die Natur wird immer wieder einen Weg finden, sich anpassen, neue Arten hervorbringen und sich am Ende durchsetzen. Ob mit oder ohne uns Menschen, das ist die Frage.

Stimmen zur Klimakrise © Barbara

Barbara.

Klimastimmen © Barbara.
Klimastimmen © Barbara.

Barbara. ist Deutschlands bekannteste Streetart- und Aktionskünstlerin. Sie klebt ihre Botschaften an Wände, Litfaßsäulen oder Schilder und gestaltet den öffentlichen Diskurs dort mit, wo er stattfindet: auf der Straße und im Netz. Dafür wurde sie mit dem renommierten Grimme Online Award ausgezeichnet.

Interview mit Barbara.

Ein besonders schönes Naturerlebnis, an das du immer wieder denkst?
Seit etwa zwei Jahren wohnt auf dem Dach meiner Nachbarn eine Amsel. Bei jeder Gelegenheit lausche ich morgens und abends ihrem wunderschönen Gesang. Ich liebe Vögel im Allgemeinen sehr, aber Amseln haben es mir besonders angetan. Ihr Gesang ist so variantenreich und es sind immer geniale, kleine Melodien dabei und zwischendurch machen sie lustige Geräusche und Töne, die wie Handys, Wecker oder Sirenen klingen. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich vor Lachen meinen Tee nicht verschütte. Die Amsel auf dem Dach meiner Nachbarn ist ein Männchen und ich habe ihn Helga genannt.

Umweltzerstörung, die dich besonders aufregt?
Es fällt mir schwer diese Frage zu beantworten. Die Zerstörung des Regenwaldes ist nicht mehr oder weniger schlimm, als die Vermüllung der Meere, oder das drastische Massensterben der Vögel, Insekten und Wildbienen. Mich bringt die relative Gleichgültigkeit des allergrößten Teils der Menschheit gegenüber der Klimakrise fast zum Verzweifeln. Anstatt dass die Gesellschaft das Thema „Bewältigung der Klimakrise“ in das Zentrum ihres Denkens und Handels rückt, diktieren Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Abschottung den Diskurs. Viele haben deutlich mehr Angst vor „fremden“ Menschen, als vor der Zerstörung der Umwelt und damit unser aller Lebensgrundlage.

Deine persönliche Motivation bei dieser Aktion mitzumachen?
Ich hab mich über die Anfrage des WWF gefreut und wollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, meine kleine Stimme in dieses große Thema einbringen zu können. Ich mache natürlich selbst Fehler im täglichen Umgang mit der Natur, und habe auch nicht den vollkommenen Überblick über die unendliche Vielzahl von Faktoren, die im Zusammenhang mit der Klimakrise eine Rolle spielen, aber ich bin mir doch absolut sicher, dass es richtig ist mitzuhelfen, den Scheinwerfer auf das Thema Klimakrise zu lenken und Organisationen zu unterstützen, die den Menschen Fakten vermitteln können und sich für den Umweltschutz einsetzen.

Was geht dir bei der Klimakrise als erstes durch den Kopf?
Leider Donald Trump. Er ist mit Lügen und Hetze zu einem der mächtigsten Menschen der Erde aufgestiegen. Er ist die Galionsfigur all derer, die sich von wissenschaftlichen Fakten abwenden und unter anderem die Klimakrise zu einer Erfindung der „linksgrünversifften Presse“ machen. Oder wahlweise eine Erfindung „der Chinesen“. Dass dieser Mensch Präsident der USA geworden ist, wirft die Menschheit aus meiner Sicht in wichtigen Fragen des fairen Miteinanders und vor allem auch des Umweltschutzes um viele Jahre zurück.

Was gibt dir Hoffnung?
Dass die überwältigende Mehrheit der Menschen, egal in welchem Land sie leben oder woran sie glauben, im Grunde ihrer Herzen die gleichen Dinge wollen: Ein friedliches Miteinander, dass es nirgendwo auf der Welt hungernde Kinder gibt, dass alle Menschen zumindest Zugang zu sauberem Trinkwasser und ausreichend Nahrung haben, dass es insgesamt viel mehr Verteilungsgerechtigkeit geben muss und dass die Natur auch für kommende Generationen möglichst gut erhalten bleiben soll.

Ich hoffe, dass es zunehmend gelingt, die Menschen für diese Themen zu mobilisieren, dass eine weltweite Bewegung entsteht, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzt und von den verantwortlichen Machthabern nicht mehr ignoriert werden kann.

Um es mit John Lennon zu sagen: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.“
Letztendlich ist es aber wohl auch so: Egal, was die Menschheit dem Planeten noch antun wird, die Natur wird immer wieder einen Weg finden, sich anpassen, neue Arten hervorbringen und sich am Ende durchsetzen. Ob mit oder ohne uns Menschen, das ist die Frage.