Zunächst waren es nur ein paar tote Fische, doch inzwischen läuft eine Welle des Todes durch die Oder stromabwärts. Welchen langfristigen Schaden einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas und seine Bewohner davontragen, ist völlig unklar. Inzwischen wurden rund 200 Tonnen Fischkadaver gesichtet (Stand 22.08.22), geborgen und zum Großteil als Sondermüll verbrannt.

Die aktuelle Entwicklung aus dem Pressebereich:

Der WWF ist nach der Umweltkatastrophe in der Oder vor Ort und berichtet über das Fischsterben © Jennifer Janski / WWF
05.09. Die Oder kommt nicht zur Ruhe
WWF zu neuer Warnmeldung über Fischsterben
Mehr erfahren
Fischsterben in der Oder © Imago/Winfried Mausolf
29.08. Umweltrat vertut Chance
Festhalten am Oder-Ausbau unverständlich - Perspektive zur Wiederbelebung des massiv…
Mehr erfahren
Der WWF ist nach der Umweltkatastrophe in der Oder vor Ort und berichtet über das Fischsterben © Jennifer Janski / WWF
26.08. Verbände legen Kernforderungen vor
Oder-Katastrophe als Chance für eine ökologische Revitalisierung nutzen
Mehr erfahren
Der WWF ist nach der Umweltkatastrophe in der Oder vor Ort und berichtet über das Fischsterben © Jennifer Janski / WWF
24.08. Die Katastrophe nach der Katastrophe
Zersetzungsprozess toter Fische: Oder droht zweites Massensterben durch hohe…
Mehr erfahren
Der WWF ist nach der Umweltkatastrophe in der Oder vor Ort und berichtet über das Fischsterben © Jennifer Janski / WWF
18.08. Oder wiederherstellen und renaturieren
Gemeinsame Pressemitteilung des „Aktionsbündnis lebendige Oder“
Mehr erfahren
Fischsterben in der Oder © Imago/Winfried Mausolf
15.08. Ab sofort völlige Transparenz
Oder-Katastrophe: WWF-Deutschland und Polen kritisieren Behörden
Mehr erfahren
Unteres Odertal © Chris Martin Bahr / WWF
11.08. Fischsterben an Oder
WWF sieht Gefahr unzureichenden Krisenmanagements
Mehr erfahren

Gute Nachrichten für den Stör!

Bisher konnten über 13.000 Euro für die Rettung der Oder und die Wiederansiedlung des Störs gesammelt werden. Damit kann bereits die Studie zur Einschätzung der Nahrungsgrundlage in der Oder finanziert werden. Wir werden Sie hier und in unserem Newsletter über die Ergebnisse der Studie auf dem Laufenden halten.

Wir brauchen 25.000€ zur Rettung der Störe!

13.384 €
0 € 25.000 €
noch 0 Sekunden
Aktion beendet
Jetzt spenden

Ursache für das Oder-Fischsterben

Tote fische in der Oder © IMAGO / NurPhoto / DominikaZarzycka
Tote fische in der Oder © IMAGO / NurPhoto / DominikaZarzycka

Alles begann schon Ende Juli im polnischen Opele, zu Deutsch Oppeln, einem Städtchen südlich von Breslau (Wroclaw). Als immer mehr Fische mit dem Bauch nach oben den Fluss hinunter geschwemmt wurden, entnahmen die Behörden Wasserproben. Das Rätsel um die Ursache des Fischsterbens lösen konnten sie aber noch nicht.

Zunächst vermutete man, die langanhaltende Hitze und der damit einhergehende Sauerstoffmangel im Wasser könnte der Auslöser gewesen sein. Später gerieten Quecksilberablagerungen und ein hoher Salzgehalt unter Verdacht. Inzwischen geht man aber wohl davon aus, dass eine „toxische Substanz“, also vermutlich illegale entsorgte Abwässer, die Fische vergiftet hat. Im Verdacht stehen auch giftige Algen, deren Ausbreitung möglicherweise durch salzhaltige Abwässer und hohe Temperaturen beschleunigt wurde. Seit Tagen versuchen mehrere Labors herauszufinden, um welchen Stoff es sich handeln könnte.

„Der Schutz der Oder bedeutet nicht nur die Bewahrung einer einzigartigen Flusslandschaft, sondern es ist zugleich immer auch ein Schutz der Ostsee – die schon heute massiv unter verschiedensten Umwelteinflüssen leidet.“

Dr. Finn Andreas Viehberg, Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund

  • Der WWF ist nach der Umweltkatastrophe in der Oder vor Ort und berichtet über das Fischsterben © Jennifer Janski / WWF WWF-Podcast: Tatort Oder - Ein Fluss wird geopfert

    Wo die Gefahren liegen, ob sich der Fluss erholen kann und was passieren muss, damit sich solche Katastrophen nicht wiederholen, darüber reden wir in :#ÜberLeben mit Tobias Schäfer. Zur Podcast-Folge

Fischsterben auch in Deutschland angekommen

In Deutschland blieb der Umweltskandal lange verborgen. Erst Binnenschiffer und Angler schlugen am 9. August 2022 Alarm, denn mittlerweile tauchten auch jenseits der Grenze immer mehr Kadaver von Weißfischen, Hechten, Rapfen und sogar Stören auf. Obwohl man schon auf polnischer Seite versuchte hatte, tote Fische mit schwimmenden Barrieren abzufischen, fand man in den nächsten Tagen vermehrt verendete Tiere bis nach Schwedt und auch in den benachbarten Landkreisen.

Inzwischen hat die Giftwelle das Stettiner Haff an der Ostsee erreicht. Bislang wurden im Mündungsgebiet des deutsch-polnischen Grenzflusses glücklicherweise kaum tote Fische entdeckt. In der Ostsee dürfte sich die Konzentration des Giftes relativ schnell verdünnen, aber es bleibt im System.

Messwert der elektr. Leitfähigkeit (Salzgehalt) in der Oder © Undine
Messwert der elektr. Leitfähigkeit (Salzgehalt) in der Oder © Undine

Salzgehalt in der Oder

Wir fordern mit neun weiteren deutschen Umwelt- und Naturschutzorganisationen im „Aktionsbündnis lebendige Oder“, einen Ausbau des Wassergütemessnetz im Einzugsgebiet der Oder. Eine schnelle, transparente und zudem digitale Verfügbarkeit der Daten muss für die Behörden und die Öffentlichkeit gewährleistet werden. Das verbesserte Wassergütemessnetz muss dazu beitragen, dass Auswirkungen von Störfällen, Schiffsunglücken oder illegalen Verunreinigungen zeitnah ermittelt und zügig Maßnahmen ergriffen werden können.

Die Beispielgrafik zeigt den online Messpunkt am Pegel Frankfurt an der Oder in der Zeit des Fischsterbens vom 25.07. bis 26.08. Der mehrfach erhöhte Wert des Salzgehaltes / Leitfähigkeit korrespondiert in diesem Fall die „Giftwelle“, die das Fischsterben ausgelöst hat.

Eine Reihe von relevanten Umweltparametern kann live eingesehen werden bei Undine.

Maßnahmen gegen das Fischsterben

Angeschwemmte Fische in Widuchowa © Jennifer Janski / WWF Deutschland
Angeschwemmte Fische in Widuchowa © Jennifer Janski / WWF Deutschland

Mit der ansteigenden Menge an Fischleichen wuchs die Kritik an der Informationspolitik der polnischen Behörden. Offensichtlich wollte man den Vorfall zunächst als regionales Ereignis herunterspielen. Dadurch wurden die Anrainer nicht oder zu spät informiert. Mögliche Gegenmaßnahmen, etwa das Schließen oder Öffnen von Zu- oder Abflüssen, um das Oderwasser zu verdünnen, sind so unterblieben. Nachdem der internationale Warn- und Alarmplan für die Oder aktiviert wurde, haben die zuständigen Stellen auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern reagiert und zum Beispiel effektiv tote vergiftete Fisch mit Hilfe von Sperren schnellstmöglich entfernt.

Schutz der Oder

Doch für eine Entwarnung gibt es keinen Grund! Solange die Ursache der tödlichen Welle nicht aufgeklärt ist, lassen sich die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden kaum abschätzen. „Wir dürfen auf keinen Fall zur Tagesordnung übergehen“, betont Finn Viehberg Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund. Gemeinsam mit seinen polnischen Kollegen fordert er eine lückenlose Aufklärung und einen Rettungsplan für den gebeutelten Fluss.  „Wir müssen aus der Katastrophe lernen und die grenzüberschreitende Kommunikation deutlich verbessern und bestehende Schutzstrategien lückenlos umsetzen und einfordern.“ Nur so sei eine schnelle Reaktion in der Zukunft möglich.

Es gelte zudem, Kontrollen von angrenzenden Industriebetrieben zu verschärfen. Ganz wichtig ist den Naturschützerinnen und Naturschützern auf beiden Seiten des Oderufers aber, dass alle Ausbaupläne der Oder, die den Zustand der einzigartigen Flussnatur weiter verschlechtern, gestoppt werden oder zumindest neu auf den Prüfstand kommen. Finn Viehberg: „Der Schutz der Oder bedeutet nicht nur die Bewahrung einer einzigartigen Flusslandschaft, sondern es ist zugleich immer auch ein Schutz der Ostsee – die schon heute massiv unter verschiedensten Umwelteinflüssen leidet.“

Der WWF ist im deutschen „Aktionsbündnis lebendige Oder“ und im internationalen Verbändebündnis „Zeit für die Oder“ aktiv. Mehr dazu finden Sie unter: https://saveoder.org/

Unterstützen Sie unsere Arbeit an der Oder

  • Unteres Odertal © Chris Martin Bahr / WWF Rettet die Oder!

    Die Oder ist eine der letzten naturnahen Flusslandschaften Mitteleuropas. Das deutsche Verkehrsministerium strebt nun einen Ausbau der Oder an. Weiterlesen...

  • Ohre - Drömling-Zufluss © WWF Lebensraum Fluss: Die Lebensadern der Natur

    Viele Flüsse sind zu verschmutzten Hochgeschwindigkeitsrinnen verkommen. Der WWF hilft, Flussverbau zu bremsen und Flussabschnitte zu renaturieren. Weiterlesen...

  • Staudamm © Adam Oswell / WWF-Greater Mekong Freiheit für Flüsse

    Die meisten großen Flüsse der Erde sind heute in irgendeiner Form aufgestaut, verbaut oder umgeleitet. WWF-Wasserexperte Philipp Wagnitz über den aktuellen Zustand unserer globalen Lebensadern. Weiterlesen...

Melden Sie sich jetzt zum Newsletter an!

Sie wollen zum Thema "Flüsse und Seen" gern auf dem Laufenden bleiben und über Projektfortschritte und Erfolge informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt unseren regelmäßigen Newsletter!

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den Service zu laden!

Wir verwenden einen Service eines Drittanbieters. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese anzeigen zu lassen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform
Hinweise zum Datenschutz bei Newsletter-Anmeldung (Hier klicken)

Nach dem Absenden der Daten senden wir Ihnen eine E-Mail, in der Sie die Anmeldung bestätigen müssen.

Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen. Einen formlosen Widerruf können Sie entweder über den Abmeldelink in jedem Newsletter oder durch eine E-Mail an info(at)wwf.de oder schriftlich an WWF Deutschland Reinhardstr. 18, 10117 Berlin richten. In diesem Falle wird der WWF die Sie betreffenden personenbezogenen Daten künftig nicht mehr für die Zwecke des Versands des Newsletters verarbeiten.

Wir wollen Ihnen nur Interessantes und Spannendes schicken und arbeiten ständig an der Weiterentwicklung unseres Newsletter-Angebots. Dafür möchten wir nachvollziehen, worauf Sie im Newsletter klicken und wie Sie sich auf unserer Website bewegen. Die gesammelten Daten dienen dazu, personenbezogene Nutzerprofile zu erstellen. Auf diese Weise versuchen wir, den Newsletter-Service für Sie stetig zu verbessern und noch individueller über unsere Naturschutzprojekte, Erfolge und Aktionen zu informieren. Hierbei verwenden wir verschiedene Analysetools, Cookies und Pixel, um Ihre personenbezogenen Daten zu erheben und Ihre Interessen genauer verstehen zu können. Soweit Sie sich damit einverstanden erklären zugeschnittene und personalisierte Inhalte per E-Mail zu erhalten, wird der WWF Deutschland folgende Kategorien personenbezogener Daten über Sie verarbeiten: Stammdaten, Kontakt-/Adressdaten, Verhaltensinformationen (Klicks und Öffnungen von E-Mails sowie ggf. Spendenverhalten). Wir bewahren Ihre personenbezogenen Daten so lange auf, bis Sie die Einwilligung widerrufen. In den beschriebenen Prozess werden technische Dienstleister und E-Mail Versanddienstleister involviert, mit denen ein datenschutzrechtlicher Vertrag zur Auftragsverarbeitung besteht.

Weitere Einzelheiten zur Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten finden Sie auf unserer Datenschutzerklärung