Darunter leiden auch wir Menschen, die wir die Erderhitzung verursachen. Doch trotz dieser verheerenden Folgen und eindeutiger Faktenlage scheint der Handlungsdruck noch nicht groß genug, damit wir die selbst herbeigeführte Gefahr mit all unseren Kräften einzudämmen versuchen.

Deshalb sind wir mit der Serie „Stimmen zur Klimakrise“ in der ZEIT einen neuen Weg gegangen. Seit vergangenem Sommer haben Künstlerinnen und Künstler darin ihren besonderen Blick auf die Klimakrise mit uns geteilt. Durch ihre Beiträge – von Gedichten über Karikaturen hin zu Fotografien – ist ein neuer Diskussionsraum entstanden. Über ihn hoffen wir, dass die Bereitschaft zu handeln wächst. Dazu fordern wir nun am Ende der Serie auch mit unserem eigenen Beitrag auf. Denn wir sehen noch nicht schwarz.

Ländereien, die keinen Ertrag abwerfen, sind weltweit ebenso Fluchtgründe wie Bürgerkrieg oder politische Verfolgung.

Stimmen zur Klimakrise © Kathrin Schmidt

Kathrin Schmidt

Kathrin Schmidt © Gunter Glücklich
Kathrin Schmidt © Gunter Glücklich

Kathrin Schmidt begann bereits als Jugendliche zu schreiben und veröffentlichte seitdem zahlreiche Lyrikbände, Erzählungen und Romane. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. auch den Deutschen Buchpreis für ihren 2009 erschienenen Roman “Du stirbst nicht”.

Interview mit Kathrin Schmidt

Ein besonders schönes Naturerlebnis, an das Sie immer wieder gerne denken?
Ausgedehnte Radtouren mit meinem Vater. Ich saß im Weidenkorb am Lenker seines Fahrrads. Einführung in Flora und Fauna des Thüringer Waldes inklusive, so das ich mit sechs zur  Schmetterlings- und Pilzkundlerin wurde. So klein ich auch war, ich lernte dabei ebenso, wie man Reifen flickt. Umwelttechnisch perfekt.
 
Eine Umweltzerstörung, die Sie besonders aufregt?
Plastikmüll in den Ozeanen etwa oder die Katastrophe von Fukushima. Aber auch, was ich selbst anrichte, wenn ich abgepackt Wurst und Käse kaufe oder Direktsäfte in Plastikflaschen. Dass man sich selbst nicht vergisst, wenn man anprangert, ist mir wichtig. Nicht nur die anderen müssen etwas tun, sondern ich selbst.
 
Ihre persönliche Motivation bei dieser Aktion mitzumachen?

Das sind meine Enkel, die sehr genau nachfragen, wie es sich verhält mit den Pfand- oder Einwegflaschen in unserem Haushalt. Die wissen, dass Müll getrennt und so eingekauft wird, dass möglichst wenig anfällt. Die wissen, dass regionalem Obst oder Gemüse der Vorzug gegeben wird und die darum auch mal eine Passionsfrucht andächtig verzehren.
 
Welches Buch oder Gedicht zum Thema Natur lesen Sie immer wieder gern und warum?

„Die Richtstatt“ von Tschingis Aitmatow. Wegen der blauen Wolfsaugen, die klarer sehen als die der Menschen.
 
Was geht Ihnen bei “Klimakrise” als erstes durch den Kopf?
Der Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen der Welt. Der Nahe Osten ist eine von Wasserknappheit geprägte Region. Wasser wird in vielen Regionen der Welt geradezu als Waffe eingesetzt. Zum Beispiel in Syrien. Und Ländereien, die keinen Ertrag abwerfen, sind weltweit ebenso Fluchtgründe wie Bürgerkrieg oder politische Verfolgung. Heutzutage wird, auch durchs Internet, den durch die Klimakrise besonders Benachteiligten überall auf der Welt deutlich, dass man anderswo besser leben kann. Vorerst zumindest. Wer wollte ihnen das verübeln? Ich jedenfalls nicht.
 
Was gibt Ihnen Hoffnung?

Meine Enkelin Klara zum Beispiel, die, als wir eine Wurzelbürste kaufen wollten, auf einer hölzernen statt einer aus Plastik bestand. Kleine Sache, aber für mich von großer Bedeutung.