"Was ist mit unserer Welt da draußen los? Unsere Pflanzen blühen nicht mehr zur gewohnten Zeit, die Fische wandern nicht mehr wie früher und der Regen fällt viel seltener". Diese bedrückenden Worte sprach ein Amazonas-Indigenen-Häuptling zu unserem Kollegen Dirk Embert auf einer seiner Amazonas-Reisen. Die Bewohner des Regenwaldes kennen die Natur wie sonst niemand und die Erfahrung, dass die Natur sich verändert, ist nicht nur ein Warnzeichen an uns, sondern auch ein bedrohliches Szenario für die Indigenen.

Studien zeigen, dass der Amazonas-Regenwald deutlich besser geschützt ist als außerhalb der indigenen Territorien und über eine höhere Artenvielfalt verfügt als in anderen Schutzgebieten. Für die Indigenen liefert der Wald Baumaterial, Nahrung und Medizin. Und für uns alle ist der Regenwald als Kohlenstoffspeicher ein wichtiger Baustein im globalen Klimasystem. Nur wenn wir den Regenwald schützen, können wir die globale Erwärmung noch bremsen.

Hand in Hand für den Regenwald

Der WWF arbeitet schon lange in verschiedenen Regionen der Welt mit indigenen Gruppen zusammen. Im Amazonas-Gebiet leben drei Millionen Indigene aus über 340 verschiedenen Ethnien. Über die Jahre hat sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt.

Insbesondere bei der Entwicklung von Konzepten für die nachhaltige Nutzung des Regenwaldes und seiner Ressourcen spielt das traditionelle Wissen der Indigenen eine zentrale Rolle. Kakao, Kautschuk, Paranüsse, Früchte, Medizinpflanzen, Baumöle, aber auch Zierfische - all dies kann dem Wald schonend entnommen werden, ohne ihm zu schaden. Viele Indigene wirtschaften ohnehin seit Generationen auf diese Weise.

In Ecuador, Kolumbien und Bolivien kontrollieren Indigene, Kleinbauern und Ranger gemeinsam mit dem WWF regelmäßig Kamerafallen für Jaguare. Denn je mehr Informationen wir über diese geheimnisvolle Großkatze haben, desto besser können wir ihren Lebensraum, den Regenwald, schützen.

Welchen Wert hat der Wald

Seit 2007 versucht die internationale Gemeinschaft, auch finanzielle Anreize zu schaffen, um den Regenwald zu erhalten Dieser Mechanismus heißt REDD+ ("Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“) und belohnt Landbesitzer, die nachweislich ihren Wald vor drohender Entwaldung schützen. Von diesem Programm waren jedoch Indigene bisher ausgeschlossen, die ihren Wald ohnehin bewahren. Deshalb hat die indigene Dachorganisation COICA gemeinsam mit dem WWF und dem deutschen Umweltministerium einen Vorschlag zur Einführung von "indigenem REDD+" entwickelt. "Indigenes REDD+" könnte Indigenen finanzielle Unterstützung ermöglichen, die den Wald nachhaltig nutzen, indem sie zum Beispiel Paranüsse, Medizinpflanzen, Baumöle, Früchte oder Kakao nur in geringen Mengen entnehmen und dafür keine Bäume abholzen.

Fest steht: Um den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen zu sichern und den Klimawandel zu begrenzen, kämpfen Indigene und WWF für ein gemeinsames Ziel: den Schutz des Regenwaldes vor Abholzung!

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