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Artenschutz ist Klimaschutz - Jaguar in Gefahr

Unbemerkt streift er durch die Tiefen der Amazonas-Wälder – seine Lebensweise ist so geheimnisvoll, dass man kaum etwas über ihn weiß. Die Rede ist von einer Tierart, um die sich seit Jahrhunderten fantastische Mythen ranken: Der Jaguar.

 

Doch das natürliche Gleichgewicht der Flüsse und Wälder des Amazonas ist durch den jahrzehntelangen Raubbau des Menschen in großer Gefahr. Der Lebensraum des Jaguars wird von Jahr zu Jahr kleiner. Beim Jaguar handelt es sich um eine sogenannte Indikator-Art, die anzeigt,

wie es um den Zustand und die Artenvielfalt seines Lebensraumes bestellt ist. Verschwindet diese Tierart, ist das ein Zeichen dafür, dass das ganze Ökosystem Regenwald aus dem Gleichgewicht geraten ist.

 

Den Regenwald aber brauchen wir alle, weil er riesige Mengen des Treibhausgases CO2 speichern und so die Erderwärmung bremsen kann. Wenn wir den Jaguar schützen, bewahren wir also zugleich den Regenwald und mindern das Fortschreiten der globalen Erwärmung.

Verdrängt und verjagt

Jaguare sind in ihrem Lebensraum zwischen dem Norden Mexikos und Argentiniens nicht nur die größten Raubkatzen, sondern bilden dort auch die Spitze der Nahrungspyramide. Sind die Jaguar-Bestände gesund, gilt das auch für die Wälder und unzählige weitere Arten im gleichen Lebensraum. Doch durch die Zerschneidung ihrer Lebensräume werden die Jaguare isoliert. Kleine Populationen leiden unter Inzucht, was zu einer Verarmung des Genpools führt. Dadurch sinkt die Anpassungsfähigkeit an eine sich verändernde Umwelt und das Krankheitsrisiko steigt. Dies kann kleine Bestände gefährlich schwächen. Nicht nur die Abholzung der Amazonas-Wälder macht den Menschen zum Feind für den Jaguar: Hinzu kommen Gefahren wie Wilderei und illegaler Handel mit Pelzen, Zähnen und Knochen, Vergeltungstötungen für gerissenes Vieh, Angst um die eigene Sicherheit und nicht zuletzt die Konkurrenz mit dem Menschen um die Beutetiere des Jaguars.

 

Es leben vielleicht noch 62.000 Jaguare im Amazonas-Gebiet. Wie beim Flussdelfin, von dem es noch rund 20.000 Exemplare geben soll, schwanken die Schätzungen stark. Dass wir so wenig über diese Tiere wissen, macht ihren Schutz umso schwieriger. Nur mit einer guten Datenlage können Schutzmaßnahmen entwickelt und Schutzgebiete bestimmt werden. Deshalb setzt sich der WWF dafür ein, die geheimnisvolle Lebensweise von Jaguar und Flussdelfin besser zu erforschen.    

„2030 Road Map“: Hoffnung für den Jaguar

Mit der 2030 Road Map erarbeitete das „Forum for Jaguar Conservation“ der Vereinten Nationen im Jahr 2018 ein Dokument mit zahlreichen Schutzmaßnahmen u.a. zum Erhalt des Jaguar-Lebensraums und der gesamten Biodiversität, zur Reduzierung von Mensch-Tier-Konflikten und zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung in den entsprechenden Regionen. Mit dem Identifizieren einzelner Populationen, sogenannter „JCUs“ (jaguar conservation units), soll Wissen über die Distribution und Lebensweise der Tiere gesammelt werden, um schließlich weitere Maßnahmen zum Schutz der Jaguare erarbeiten zu können. Beispielsweise sollen Patrouillen sowohl Wilderei als auch illegaler Abholzung entgegenwirken; biologische Korridore zwischen den JCUs sollen für ein sicheres Passieren der Jaguare sorgen und einzelne Populationen verbinden. Damit die Initiative Erfolg zeigt, muss sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene grenzübergreifend gearbeitet und koordiniert werden. Schließlich muss der Jaguar nicht nur als Natur- und Kulturerbe lateinamerikanischer Kulturen, sondern auch als Protagonist beim Erhalt des gesamten Ökosystems Regenwald anerkannt werden.

Bald keine Jaguare mehr in Brasilien?

In der Antike wurden sie verehrt, heute sind sie für viele nur noch eine Bedrohung: Jaguare sind faszinierende Tiere und erfüllen in ihren Wäldern eine wichtige Funktion. Doch ihre Verfolgung und das Schrumpfen ihres Lebensraumes bedrohen die Jaguare zunehmend. In Brasilien ist nun sogar ihre Heimat in einem Nationalpark in Gefahr. Inzwischen geht man von einem Rückgang der historischen Jaguar-Bestände um etwa 50 Prozent aus.

 

Den heutigen Populationen bleiben nur noch 7 Millionen Quadratkilometer Regenwald – das mag im ersten Moment viel klingen, doch erst kürzlich wurde bekannt, dass im Jahr 2018 der Raubbau in Brasilien mit einer abgeholzten Fläche von etwa 7.900 Quadratkilometern den höchsten Stand seit 10 Jahren erreicht hat.

Jeder Jaguar ist einzigartig

Da durch massive Abholzung nur noch knapp die Hälfte seines früheren Verbreitungsgebietes existieren, geht man davon aus, dass fast alle Bestände des Jaguars stark bis sehr stark bedroht sind. In der Region Madre de Dios an der Grenze zwischen Peru und Brasilien begann im Juni 2017 ein ambitioniertes Projekt: 72 Kamerafallen wurden aufgestellt, mit denen die Jaguare gezählt und ihre Wege nachvollzogen werden können.

 

Weil jeder Jaguar eine einzigartige Fellzeichnung besitzt, kann man sie anhand von Fotos sehr gut identifizieren. Auch in Ecuador, Kolumbien und Bolivien wird der WWF gemeinsam mit Kleinbauern, Indigenen und Rangern das Jaguarmonitoring rund um die Flüsse Putumayo und Caqueta, aber auch im Schutzgebiet Estrella Fluvial de Inidirda durch den Einsatz von Kamerafallen unterstützen. So werden wir in Zukunft hoffentlich genauere Zahlen zum Bestand des geheimnisvollen Jägers bekommen.

   
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