Zugegeben, der Aal gehört nicht gerade zu den charismatischsten Tieren. Wenn man sich jedoch etwas genauer mit ihnen beschäftigt, stellt man fest: Aale sind faszinierende Wesen.

Glasaale: In drei Jahren als Winzling um die halbe Welt

Europäischer Aal © Erling Svensen / WWF
Europäischer Aal © Erling Svensen / WWF

Jeder Europäische Aal begibt sich in seinem Leben zweimal auf eine wahnsinnige Reise. Dabei durchläuft er einen komplexen und einzigartigen Lebenszyklus. Ähnlich wie Raupen, die zu Schmetterlingen werden. Sein Leben beginnt in der Sargassosee weit, weit vor der Küste Floridas. Hier kommen die Aale als Fischlarven zur Welt.

Die Larven sehen am Anfang aus wie winzige transparente Weidenblätter und werden mit dem Golfstrom für etwa ein bis drei Jahre in Richtung der europäischen und nordafrikanischen Küste getragen. Da sind die jungen Aale zu etwa fünf Zentimeter großen und ein Gramm schweren Fischen herangewachsen, die bereits die schlangenähnliche Aalform haben. In diesem Stadium sind sie immer noch durchsichtig und werden daher Glasaale genannt.

Gelbaal: Wachsen und Fressen

Die anschließende Aufwuchs- und Fressphase verbringen sie als sogenannte Gelbaale im Meer oder in Flüssen und Seen, zum Beispiel auch in Deutschland. Hier bleiben sie bis zu ihrer Geschlechtsreife im Alter von sechs bis 30 Jahren.

Silberaal: Der lange Weg zurück

Dann wird es Zeit, den Rückweg zu ihrem Geburtsort anzutreten, in die Sargassosee in der Nähe des Bermuda-Dreiecks. Denn Aale pflanzen sich nur dort und nur ein einziges Mal in ihrem Leben fort! 

Nach einer kompletten Metamorphose, bei der sich ihr Rücken silbrig färbt, sich größere Augen und ein spitzerer Kopf bilden sowie der Darm verkümmert, sind die Aale bereit für die Reise. Jetzt beginnt ihre Zeit als Silberaale.

Anders als auf dem Hinweg nach Europa, wo sie durch die Strömungen getragen wurden, müssen die Aale nun die Strecke von bis zu 8.000 Kilometern aus eigener Kraft bewältigen. Das kann bis zu drei Jahre dauern. Während dieser ganzen Zeit nehmen die Fische keine Nahrung zu sich.

Keiner weiß, wo die Aale Eier legen

In den Tiefen der Sargassosee angekommen, laichen die Weibchen ihre Eier ab. Wo genau, ist immer noch unbekannt. Die Eier werden dann dort von den Männchen befruchtet. Danach sterben die Aale hier. An ihrem Geburtsort.

98 Prozent weniger Aale: Warum Aale vom Aussterben bedroht sind

Aal © cc 4.0 / Lorenz Seebauer
Aal © cc 4.0 / Lorenz Seebauer

Seit den 1970ern ist die Anzahl an Glasaalen an europäischen Küsten um drastische 98 Prozent gesunken. Die Ursachen hierfür sind wahrscheinlich vielfältig. Pestizide und Gifte in der Nahrungskette, Verbauung der Flüsse und Seen, Überfischung und Klimawandel setzen den Aalen stark zu.

Auf ihrer Reise lauern für die Aale viele Gefahren. Viele sind menschengemacht. So behindern unzählige Staudämme und andere Querbauwerke in Europas Flüssen ihre Wanderung und vernichten ihre Lebensräume. Viele Aale sterben sogar in den Turbinen der Wasserkraft- und Pumpanlagen.

Warum die Fischerei den Aal gefährdet

Auch die Fischerei gefährdet den Aal. Denn die Tiere sind besonders empfindlich für Überfischung. Das liegt unter anderem daran, dass sie sich nur einmal im Leben fortpflanzen. Die späte Geschlechtsreife trägt zusätzlich dazu bei.

Schmuggelware Glasaal

Jung, weitgereist, begehrt: Glasaal © imago images / blickwinkel
Jung, weitgereist, begehrt: Glasaal © imago images / blickwinkel

Gleich zu Beginn ihres Lebens sind die fünf Zentimeter großen Glasaale bereits heiß begehrt. Sie werden illegal gefischt — sozusagen Wilderei auf dem Meer.

Aale gelten in einigen Teilen der Welt als Delikatesse. Für ein Kilogramm Glasaale werden in Asien bis zu 19.000 Euro bezahlt. Dort werden sie dann in Fischfarmen gemästet.

Doch nicht nur Fischerei und Dämme setzen den Tieren zu. Aale sind nämlich auch sehr sensible Fische. Sie können zum Beispiel selbst einen Tropfen Parfum im Bodensee „erschnüffeln“. Aale reagieren auch sehr empfindlich auf Schmutz in Gewässern. Fettlösliche Schadstoffe reichern sich in ihrem Körper an und machen die Tiere krank.

Möglicherweise sind außerdem bereits die Larven der Aale durch die klimatischen Veränderungen in Gefahr. Die Erderhitzung beeinflusst vermutlich auch die Strömungen der Meere. Dadurch ändert sich auch das verfügbare Nahrungsangebot auf der Route der Larven und gefährdet damit das Überleben der jungen Fische.

Um den Aal vor dem Aussterben zu schützen fordert der WWF daher:

  • ein komplettes Aalfangverbot in der EU
  • durchgängigere Gewässer, etwa durch Fischtreppen
  • Abschaltung der Turbinen während der Hauptmigrationszeit
  • geringere Schadstoffbelastung der Gewässer durch eine konsequente Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
  • keine Aalmast
  • der illegale Handel mit Glasaalen muss unterbunden werden

Nur wenn wenigstens diese Punkte umgesetzt werden haben wir auch in Zukunft die Chance, die wundersamen Wege der Aale weiter zu bestaunen.

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Und was können Sie tun?

Ganz einfach: nicht konsumieren!

Wenn Sie an einer Fischbude oder in einem Restaurant Aal im Angebot sehen: Finger weg! Auch die beliebte Sushi-Variation Unagi besteht aus dem stark bedrohten Aal. 

So können Sie uns bei der Arbeit für lebendige Flüsse helfen

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