Es gibt viele Möglichkeiten sich für den Klimaschutz, den Umweltschutz und die Artenvielfalt einzusetzen. Weniger Auto fahren, sich für energiesparende Elektrogeräte entscheiden, die Ausweisung von Naturschutzgebieten unterstützen und vieles mehr. Eine alltägliche und dabei sehr effiziente Möglichkeit, sich für Umwelt- und Naturschutz einzusetzen, wird oft übersehen, dabei sitzt sie täglich mit am Essenstisch. Eine vielfältige, köstliche, gesunde Ernährung kann erheblich dazu beitragen, unsere Ressourcen zu schützen, zum Klimaschutz beizutragen und unsere Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern – ob in Deutschland oder anderen Regionen dieser Welt.

Bio-Gemüse-Markt © Global Warming Images / WWF
Bio-Gemüse-Markt © Global Warming Images / WWF

Der WWF hat sich auf den Weg gemacht und zeigt auf, welche Effekte unsere Ernährungsgewohnheiten haben und welche Chancen zukünftig vor uns liegen.

Global gesehen hat die Art und Weise, wie unser Ernährungssystem (Produktion, Verarbeitung, Konsum) aufgestellt ist und wie wir uns ernähren, erhebliche Auswirkungen auf das Klima, die Verfügbarkeit von Süßwasser oder die Beschaffenheit unserer Böden. Das alles ist fundamental für unser Leben. Darüber hinaus tragen unsere Essgewohnheiten dazu bei, dass einzigartige Lebensräume in vielen Regionen der Erde in Ackerland umgewandelt werden.

Globale Auswirkungen unseres Ernährungssystems

Der Agrar- und Nahrungsmittelsektor verbraucht ungefähr 70 Prozent des Wassers und ist für etwa ein Viertel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ungefähr ein Drittel der weltweit zur Verfügung stehenden Landfläche wird für die Tierhaltung genutzt (Acker- und Weideland). Damit ist die Tierhaltung der mit Abstand größte Landnutzer weltweit. Etwa 30 Prozent der globalen Ackerfläche für die Futtermittelproduktion benötigt. Obwohl fruchtbarer Ackerboden die Lebensgrundlage schlechthin für die Produktion unserer Nahrungsmittel ist, gehen jährlich weltweit mehr als 24 Milliarden Tonnen allein durch Erosion verloren. Unser Ernährungssystem hat aber auch erhebliche Auswirklungen auf die Biodiversität. Etwa 70 Prozent der Verluste an biologischer Vielfalt und 75 Prozent der Entwaldung ist auf die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln zurückzuführen. Damit stellt der Agrar- und Nahrungsmittelsektor die größte Einzelbedrohung für die Natur dar. Ähnlich bedrohlich sieht es für die Fischbestände aus, die einem erheblichen Fischereidruck unterliegen. Derzeit gelten 30% der weltweiten Fischbestände als überfischt, 61% als maximal befischt. Darüber hinaus ist unser derzeitiges Ernährungssystem ineffizient. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird nie gegessen sondern werden entlang der Lieferkette vom Acker bis zum Teller verworfen. Gleichzeitig hungern immer noch über 800 Millionen Menschen jeden Tag. Auf der anderen Seite sind fast 2 Milliarden übergewichtig oder fettleibig. Es ist Zeit, mehr für unsere Gesundheit und die Gesundheit des Planeten zu tun.

Blick auf Deutschland

Fleischtheke © Wavebreakmedia / iStock / Getty Images Plus
Fleischtheke © Wavebreakmedia / iStock / Getty Images Plus

Doch nicht nur global, auch unsere ganz alltäglichen Ernährungsgewohnheiten in Deutschland haben erhebliche Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Artenvielfalt. Wir entscheiden mit jeder Mahlzeit darüber, wie Lebensmittel produziert, wie viele Ressourcen dafür benötigt werden und woher die Lebensmittel stammen. Die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland beträgt etwa 17 Millionen Hektar. Etwa 60% des in Deutschland angebauten Getreides und 70% der Ölsaaten werden an Tiere verfüttert. Zusätzlich benötigt Deutschland rund weitere 5 Millionen Hektar Agrarrohstoffe aus anderen Teilen der Welt –für Lebensmittel, als Futtermittel oder für die Herstellung von z.B. Textilien oder Bioenergie. Allein 2 Millionen Hektar sind auf den Anbau für Soja in Südamerika zurückzuführen, genutzt als Futtermittel für unsere Tierhaltung. Damit tragen auch wir mit dazu bei, dass einzigartige Lebensräume, die zu den Hot-Spots der Biodiversität weltweit gelten, zerstört werden. Dazu gehört beispielsweise der Cerrado in Brasilien.

Jeder Bissen zählt

Umgekehrt zählt aber auch: Selbst kleine Änderungen in unseren Ernährungsgewohnheiten können in der Gesamtheit signifikant zum Klima- und Ressourcenschutz beitragen. Dies hat der WWF in verschiedenen Studien aufgezeigt. Ein Beispiel:

  • Würden wir einmal in der Woche auf Fleisch verzichten, würden wir rund 600.000 Hektar weniger Anbaufläche benötigen und rund 9 Mio t Treibhausgase einsparen. Dies entspricht einer 3.600 km langen Autofahrt pro Jahr für eine vierköpfige Familie.
  • Würden wir uns alle, vom Kleinkind bis zum hochbetagten Senior, gemäß den ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen ernähren, würde sich unser Flächen-Fußabdruck um 1,8 Mio. ha verringern, davon allein 700.000 ha weniger Soja-Anbauflächen in Südamerika. Darüber hinaus könnten wir 27 Mio t Treibhausgase einsparen, welches einer 11.000  km langen Autofahrt pro Jahr für eine vierköpfige Familie entsprechen würde.

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in dem internationalen Eat-Lancet-Report wider, der in aller Deutlichkeit aufzeigt, dass eine nachhaltige Ernährung nicht nur ein effektiver Beitrag zum Ressourcenschutz und Klimaschutz ist sondern auch vor gesundheitlichen Risiken schützen kann. Die Zeit ist reif dafür. Mehr als jemals zuvor gibt es die vielfältigsten Möglichkeiten sich so zu ernähren, dass es gesund für uns und den Planeten ist.

Das tut der WWF

Der WWF engagiert sich auf unterschiedliche Weise zum Thema Ernährung. Durch Studien und Kampagnen, wie dem Food-Truck, tragen wir das Thema in die breite Öffentlichkeit und versuchen die Aufmerksamkeit für die Problematik zu erhöhen. In unserer Projektarbeit steht der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung im Fokus, der seit Jahren an Bedeutung gewinnt, da immer mehr Menschen außer Haus essen oder sich Essen liefern lassen. Mit der zunehmenden Nachfrage wächst die Verantwortung der Anbieter. Überdies wirken Unternehmen der Außer-Haus-Gastronomie als Multiplikatoren – ob in der Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern, den Gästen und sogar in die Gesellschaft hinein. Durch Politikarbeit versucht der WWF politische Handlungsoptionen hin zu einer nachhaltig, kulinarisch köstlichen Ernährung aufzuzeigen. Dabei kann der WWF Deutschland auch auf vielfältige Erfahrungen aus dem internationalen WWF Netzwerk profitieren.

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